Ist es eine gute Idee, Daniel Küblböck in Kakerlaken baden zu lassen? Nicht schlechter jedenfalls, als Costa Cordalis dazu zu bringen, einen lebenden Käfer zu essen. Doch: Ahnt man eigentlich bei RTL, was Gerhard Zeiler, der Senderchef, in diesen Tagen so durchmachen muss? Nein. Eben.
Hilfe, ich bin Gerhard Zeiler. Holt mich hier raus! Als man mich fragte, ob ich RTL-Chef werden wolle, ahnte ich nicht, für welche Unsäglichkeiten täglich Verantwortung zu übernehmen ist. Erst Deutschland sucht den Superstar , dann Der Bachelor und jetzt: Ich bin ein Star - holt mich hier raus. Ich muss dauernd mit menschlichen Schicksalen jonglieren und habe schon heimlich geweint. So wahr ich Zeiler heiße, manchmal leide ich wie ein Hund an dem Job, auch wenn wir bei RTL zur Freude der Mutter Bertelsmann schöne Gewinne abliefern.
Das sind von v.li.: Caroline Beil, Mariella Ahrens, Dustin Semmelrogge, Susan Stahnke, Antonia Langsdorf, Daniel Küblböck, Lisa Fitz; hinten, v.li.: Costa Cordalis, Carlo Thränhardt, Werner Böhm. Aber das ist egal. Wichtiger ist: Diese muntere Rasselbande hat man in den australischen Busch geschickt (leider nicht mit einem One-Way-Ticket, wie viele meinen). Und zum Busch-Üben hat man sie schon mal in der Heimat vor ein paar Palmen gestellt, hinter denen ein australischer-Busch-übliches "Notausgang"-Zeichen leuchtet. (© Foto: RTL)
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Aber ahnt einer in Gütersloh, was mit meiner Aufgabe verbunden ist? Ich muss mit ansehen, wie im Namen von RTL zehn entschminkte Verhaltensauffällige im australischen Busch kaserniert werden, wie man sie in einem gewissen Programmauftrag nötigt, Schlangen zu fangen, Susan Stahnke anzuschauen, unter freiem Dschungelhimmel zu nächtigen und zuzuhören, wenn Daniel Küblböck in den Busch hinein Bridge Over Troubled Water quäkt. Ein Wunder, dass wir Greenpeace noch nicht am Hals haben.
Natürlich weiß ich, dass bei dieser vorgezogenen Alternativform der Australian Open die auf die Wildbahn geschickte C-Prominenz nicht wirklich in Lebensgefahr schwebt. Schließlich bewegt sie sich in einem von unserer Produktionsfirma kontrollierten Areal. Die Gefahr, erheblichen Schaden zu nehmen, entspricht ungefähr der Chance, in Venedig von der U-Bahn überrollt zu werden. Schlecht wurde mir nicht, als Costa Cordalis einem Käfer den Kopf abbiss - so etwas kennt man als langjähriger Chef von Sendern wie RTL 2 und ORF. Übel wurde mir aber, als ich sah, wie der junge Küblböck zum zweiten Mal von den Zuschauern auserlesen wurde, die Tagesaufgabe zu lösen. Als er hörte, er solle in eine gläserne Kiste voller Kakerlaken steigen, brach er zusammen. Es gibt Dinge, die sind sogar für einen zu viel, der durch unseren Talentwettbewerb Deutschland sucht den Superstar groß geworden ist. Ein Gehege-Genosse merkte an: "Beschwer dich doch beim deutschen Volk, das so arschig ist!"
Das alles geht mir viel zu weit, schließlich hat dieses Volk uns elf Mal hintereinander zum Marktführer gewählt. Wenn das so weiter geht, sage ich vielleicht doch eines Tages selbst: Holt mich hier raus! Privatfernsehen kann wirklich sehr hart sein.
Die geheimen Gedanken von RTL-Geschäftsführer Gerhard Zeiler beim Betrachten des Knüllers Ich bin ein Star - holt mich hier raus (am Samstag laut Sender durchschnittlich 6,14 Millionen Zuschauer) erriet HANS HOFF
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"