Endlich kümmert sich mal jemand darum und rückt zurecht, was künstlich aufgebläht und auch sonst verrutscht ist: Viva zeigt mit "The Girls of the Playboy Mansion", wo der Hase hoppelt.
Der Garten Eden auf Erden, zumindest aus männlicher Sicht, liegt gleich um die Ecke von Hollywood: 10236 Charing Cross Road, Holmby Hills, California. Ein Springbrunnen vor dem Portal empfängt den Gast, der zwischen 22 Schlafzimmern, einem Vogelhaus nebst Tierfriedhof und einem Weinkeller wählen kann. Auch an Wasser mangelt es nicht: Es fließt in großzügige Poollandschaften und in eine Grotte, von der Sagenhaftes berichtet wird. In diesem Paradies also, Hugh Hefners Playboy Mansion, wohnt Gott mit seinen Gespielinnen.
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Holly telefoniert im Hotel in Las Vegas. Auch das ist Arbeit. (© Foto: Viva)
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Wie es sich dort lebt, ist derzeit in der 15-teiligen Reality-Fernsehshow The Girls of the Playboy Mansion zu sehen. Der Musiksender Viva hat das Programm aus Amerika importiert und zeigt es dreimal die Woche. Zum Start am Montag - zur Kinderfernsehzeit um 16 Uhr - stimmte Viva sein Publikum mit einem "Bunny Tag" ein: Playmates von elf Uhr früh bis elf in der Nacht. Mittendrin in der TV-Höhle: Hugh Hefner, Häschenhüter, Lendenlegende, Playboy-Publizist.
Nicht, dass der Hausherr Kameras in den Jahrzehnten zuvor ausgesperrt hätte. Dass ein Team über Monate in der Mansion filmen darf, gab es aber noch nicht. Nach mehr als 50 Jahren Playboy-Geschichte liefert der Gründer hauptsächlich Geschichten über sein Privatleben. Die Doku-Soap soll da wohl der Versuch sein, an verruchte Zeiten anzuknüpfen. Doch der Mythos Hugh Hefner hat Falten.
Im April feierte "Hef" seinen Achtzigsten und tourte mit Girls durch die Welt. In der Trash-Serie auf Viva trifft man einige wieder. Hefner gibt den Statisten: einen Pyjama-Träger, der einfach nicht attraktiv wirken will. Wer mag schon einen hungrigen Greis, der auf einer Party wirsch nach Lammkoteletts verlangt oder albern mit einem Löffel auf der Nase balanciert? Die Hauptrolle spielen Hefners blondierte Mitbewohnerinnen: Holly ("Ich bin die Nummer eins"), Bridget ("Ich wollte schon mit fünf Playmate werden") und Kendra ("Vibration find' ich geil"). Besonders Holly sticht - zumindest in der deutschen Übersetzung - als Bettlaken-Philosophin heraus: "In der Bibel steht: Lerne dich selbst kennen - ist das Masturbation?"
Alle drei - ja, der Playboy-Gründer beschränkt sich inzwischen auf drei ständige Begleiterinnen - beteuern: Wir sind keine Schlampen. Wie zum Beweis busseln sie ihren Gönner züchtiger als ihre flauschigen Kläffer und Katzen. Das anstrengende Tagesprogramm der Damen wird dokumentiert: beim Frisör stundenlang ausharren, sporteln auf dem Eis, hantieren mit Baseballschlägern und: zurechtrücken, was verrutscht ist. Oberste Priorität hat tolles Aussehen. "Mein Job ist es, eine Freundin zu sein", sagt Kendra.
Dazu gehört auch, die wöchentlich anreisenden, potenziellen Playboy-Ausklappmädchen, deren Schönheit und Persönlichkeit der Hausherr live begutachten will, durch die großzügige Mansion zu führen. Als bloßer Zuschauer muss man allerdings lange suchen nach dem Besonderen der Hefner-Häschen. Ihre Persönlichkeit bleibt verborgen - irgendwo zwischen Silikonbusen und Po.
(SZ v. 21.07.2006)
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