Im TV: "Der kleine Mann" Diese Flasche fällt nicht weit

Dem Erfolgsautoren Ralf Husmann ("Stromberg") hätte man eine komische neue Serie zugetraut - doch diesmal fehlt der Aberwitz.

Von Hans Hoff

Eigentlich stehen bei dieser neuen Pro-Sieben-Serie alle Anzeichen für Qualität. Das beginnt beim Autor Ralf Husmann, der auch als Produzent verantwortlich zeichnet. Husmann hat mit Stromberg und Dr. Psycho bewiesen, dass er ein gefühlvolles Händchen hat für den Aberwitz angeblich alltäglicher Situationen. Diverse Fernsehpreise sprechen da eine mehr als deutliche Sprache. Dann ist da der Hauptdarsteller, BjarneI. Mädel, den man kennen kann, wenn man Stromberg gesehen hat. Dort spielt er den dicken Ernie, der die Bürogemeinschaft bei der fiktiven Capitol-Versicherung mit seinem immer wieder scheiternden, dafür aber höchst zwanghaften Selbstbehauptungsdrang an den Rand der Verzweiflung treibt. Zählt man schließlich noch hinzu, dass die Produktionsfirma Brainpool aus vielfältiger Erfahrung wissen sollte, wie man eine lustige Serie ohne direkten Pointenzwang in Szene setzt, dürfte einem Erfolg eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Leider kommt bei Der kleine Mann alles anders.

Die im Kölner Umland gedrehte Serie dreht sich um einen eher unauffälligen Angestellten eines Elektrowarengeschäfts. Er heißt Rüdiger, ist ein durchweg netter Typ und so normal, dass es beinahe schon weh tut. Die Kollegen seiner Frau nennen ihn deshalb eine Flachpfeife. Genau das qualifiziert ihn aber eines Tages für die große Reklamewelt. Auf der Straße läuft er nämlich einer Werberin über den Weg, und die findet ihn großartig.

"Ein Mann wie Braten mit Soße, wie ein Opel Corsa", kreischt sie ins Telefon und macht Rüdiger zum Star der Kampagne um den in Miniflaschen servierten Schnaps "Der kleine Mann". Auf einmal ist Rüdiger berühmt, was so seine Schwierigkeiten mit sich bringt. Er stolpert in eine Welt, die so gar nicht seine ist, und es kommt zu handelsüblichen Komplikationen. Rüdiger macht sich fein, wenn er schlunzig aussehen soll, und er kehrt den großen Max raus, wenn eigentlich Bescheidenheit angesagt ist. Fast immer ist das, was er gut meint, am Ende falsch.

Gut gemeint ist auch diese achtteilige Serie. Doch leider funktioniert sie eher schlecht als recht. Das liegt vor allem an Husmann, der den armen Rüdiger als Person ohne große Fallhöhe anlegt. Es fällt schwer, mit so einem zu leiden, wenn er wieder einmal etwas falsch macht. Es fällt aber auch schwer, über ihn zu lachen.

Auf ganz besondere Weise erzeugt diese Figur ein Nicht-Gefühl, ein emotionales Vakuum. Genau das aber ist im Unterhaltungsfernsehen tödlich, denn wo Gefühle im luftleeren Raum keinen Halt finden, fehlt naturgemäß auch ein Profil, an dem man sich reiben könnte. Dazu kommt eine gewisse Langatmigkeit in der Inszenierung, sodass die Kurzfolgen, obwohl sie nur 25 Minuten dauern, eher gedehnt wirken. Auch die Hoffnungen, die der gute Ruf des Hauptdarstellers nährte, werden enttäuscht. Bjarne I. Mädel fügt sich brav dem Drehbuch und bleibt zeitweise so blass, dass dagegen ein weißes Blatt Papier wie ein wildes Schlachtengemälde wirkt. So taumelt Der kleine Mann in die Beliebigkeit des wirklichen Lebens, das genau die Brüche, die es für eine Fernsehexistenz braucht, nicht kennt.

Der kleine Mann, Pro Sieben, 22.40 Uhr.

Schöner scheitern

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