Von Harald Hordych

Adrien Brody war bisher meist der melancholische Antiheld. Nun kämpft er in "Predators" mit nacktem Oberkörper gegen quietschbunte Aliens. Warum? Ein Treffen in Paris.

Die Pariser bereiten sich an diesem heißen Sommertag auf den 14. Juli vor. Beim Flanieren ziehen sie die Köpfe ein, denn das Militär probt den Parade-Ernstfall: Düsenjets fegen in strammer Formation in wenigen hundert Metern Höhe über die Champs-Élysées hinweg, als sei der Ausbruch des nächsten Krieges nur noch eine Frage von Minuten. So ein martialisches Bild bietet die französische Hauptstadt nur einmal im Jahr. Aber es passt zu dem amerikanischen Gast, der hier ist, um seinen neuen Film zu vermarkten.

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Die Antithese: Der sonst so gefühlvolle Adrien Brody muss es in seinem aktuellen Film mit fiesen Aliens aufnehmen. Ausgerechnet er. (© AP)

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Oder passt dieses militärische Getöse zu Adrien Brody am Ende so wenig wie es zur Stadt der Liebe passt?

Adrien Brody war "der Pianist" in Roman Polanskis Film über einen polnisch-jüdischen Klavierspieler. Wladislaw Szpilmann überlebte als Einziger seiner Familie die Vernichtung durch die Nationalsozialisten. Er schrieb eine Biographie darüber. Das Gesicht, das die Filmindustrie dafür fand, war das Gesicht Brodys, eines jungen Schauspielers, der im New Yorker Stadtteil Queens aufgewachsen war. Brody spielte den Pianisten überwältigend glaubwürdig.

Das Melancholische, das Zurückgezogene, das Empfindsame, das Schüchterne, die Unfähigkeit, sich im tätigen Leben einzumischen: All das zeichnete dieses Porträt aus. Die Academy of Motion Pictures belohnte Brody dafür: 2002 war er mit 29 Jahren der jüngste Schauspieler, der bis zum heutigen Tag den Oscar als bester Hauptdarsteller erhalten hat. Brody war über Nacht zum Star geworden. Aber nicht zum großen Schauspieler. Der war er schon vorher, ohne dass es vielen aufgefallen wäre.

Ausgerechnet dieser Darsteller hat die Hauptrolle in dem Horroraction-Film "Predators" übernommen. Mit entblößtem Oberkörper und gewaltiger Wumme rennt er jetzt durch den Dschungel und nimmt den Kampf gegen quietschbunte Aliens mit zischenden Krebsgebissen auf. Die haben sich diverse Kämpfer von der Erde für Jagdspiele kommen lassen. Die streng nach ethnischen Quotenvorgaben zusammengesetzte Truppe wird von Brody geführt. Dabei stößt er möglichst wenige, möglichst kurze Befehle aus, bevor er sich mit einem Sprung ins Gebüsch vor dem nächsten Monster in Sicherheit bringt.

Brody hat also getan, was so etwas wie der Lieblingssport von Schauspielstars ist: Er hat sich mutig seinem Rollenklischee widersetzt.

Das würdigt man umso mehr, wenn man bedenkt, dass Arnold Schwarzenegger im ursprünglichen "Predator" die Hauptrolle übernommen hatte. So wurde aus Brody, dem schlaksigen Mann, dessen Anzüge grundsätzlich zu groß sind, egal wie eng geschnitten sie sind, eine Kampfmaschine. Für "Predators" nahm Brody 15 Kilo Muskelmasse zu, um die körperlichen Anforderungen zu erfüllen.

Adrien Brody, 37, sitzt auf einer Couch im Bristol an der Rue du Faubourg Saint Honoré, fit sieht er aus in seinem schwarzen Kapuzenpulli, braungebrannt. Dabei aber so schlaksig und dünnhäutig wie eh und je. Er blickt dem Besucher besonders freundlich entgegen. Erste Vermutung: Er kann gar nicht anders schauen. Sein Gesicht ist unfassbar schmal. Seine Augen sind sehr groß. Sie blicken so offen, freundlich und, tatsächlich, über die Maßen verletzlich, dass man ihn eigentlich gleich wieder in Ruhe lassen möchte.

Es gibt solche Menschen, man hat das Gefühl, man darf sie nicht stören, sie brauchen Distanz, und wenn man in ihrer Nähe rücksichtslos herumtrampelt, dann bleibt nur Zerstörung zurück. Genau dieses Bedürfnis nach Distanz hat den Mann, der da auf der Couch des Luxushotels sitzt und einem die schmale Hand zur Begrüßung reicht, berühmt gemacht, und zwar nicht nur als Pianisten. Er hat diese Ausstrahlung in vielen anderen Filmen gewinnbringend für das ganze Projekt eingebracht.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, ob das alles wirklich sein musste.

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