Von SUSAN VAHABZADEH

Coup mit Kleinwagen: F. Gary Grays hat sich an ein Remake von "The Italian Job" aus dem Jahr 1969 gemacht - und es ist ihm ziemlich gut gelungen.

""The Italian Job" ist der Film zum Auto - damals, 1969, als eine Bande unter Führung von Michael Caine den "Italian Job" durchzog, waren Mini Cooper eh der letzte Schrei. Wenn die nachgemachte Gangsterbande von heute mit den kleinen bunten Flitzern durch Los Angeles brettert, durch U-Bahn-Schächte und - grandios! - irgendwann auch mal durch eine Villa in den Hügeln von Hollywood, ist das eine wunderhübsche Hommage an die spektakulären Kino-Räubereien der Sechziger.

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Gangsterfilme sagen wir zu solchen Filmen, im Englischen gibt es noch das Subgenre heist movie - den Räuberfilm. Eigentlich ist es ja ein bisschen pervers, mit wieviel Lust man im Kino dieses höchst unmoralische Genre genießt. Es ist aber bei näherer Betrachtung doch so, dass heist movies immer dann besonders erfolgreich sind, wenn nicht nur die Gangster ungemein charmant sind, sondern man sich auch um die Geschädigten - am besten irgendein größeres oder kleineres Museum - nicht allzu viele Gedanken machen muss: beispielsweise wenn Peter Ustinov und Maximilian Schell in Istanbul einen Dolch klauen in Jules Dassins "Topkapi" (1964). Oder wenn der charmante Räuber die Versicherungsagentin über den Tisch zieht, sich dabei aber in sie verliebt, wie Steve McQueen es als der unfassbare Thomas Crown mit Faye Dunaway gehalten hat.

Und dann gibt es einen klassischen Dreh, der das kriminelle Treiben über jeden Zweifel erhebt: Wenn die Gangster eigentlich bloß aufräumen. So wurde "Der Clou", 1974 mit dem Oscar für den besten Film ausgezeichnet, zu einem der erfolgreichsten heist movies aller Zeiten: Redford und Newman hatten die Moral gepachtet, als sie Robert Shaw ausnahmen - Shaw hat die Gentlemangangsterehre verletzt, ein mieser Mörder, und Redford/Newman bringen die Welt wieder in Ordnung. Genau denselben Gerechtigkeitsfanatismus erleben wir auch in "The Italian Job", einem der großen englischen heist movies der Sechziger, das F. Gary Gray nun als amerikanisches Remake neu inszeniert hat. Die Räuber sind im Recht.

Der junge Charlie (Mark Wahlberg) zieht mit seinem Mentor John (Donald Sutherland) in Venedig den Coup seines Lebens durch - das Gold, das sie dort in einer spektakulären Unterwasseraktion aus einem Safe holen, würde allen Beteiligten einen mehrjährigen Karibikurlaub finanzieren. Aber einer von den Jungs spielt falsch - und demonstriert das, als die Bande mit der Beute schon die Alpen überquert hat: Steve (Edward Norton) erschießt John, nimmt das Gold und will die anderen im eisigen Wasser ertrinken lassen. Sie kommen aber raus und schwören Rache - und sogar Johns Tochter Stella (Charlize Theron), die eigentlich einem höchst ehrbaren Beruf nachgeht, macht mit.

F.Gary Gray hat mit "The Italian Job" sehr traditionelle, aber saubere Arbeit abgeliefert. Vielleicht würde man sich manchmal ein paar Einfälle mehr - und eine Spur origineller - wünschen, während Charlie und Stella Steve das Gold wieder abluchsen; hier sind die Drehs eher technischer Natur, bedienen sich des Fortschritts, der nun mal stattgefunden hat in den letzten 35 Jahren - Computerspielchen, Fernbedienungen und lahmgelegte Stromnetze gehören inzwischen zum Actionfilm-Standard. Aber der neue "Italian Job" ist ein glatter, unterhaltsamer Film geworden, die Charaktere sind intensiv genug entwickelt, um mehr aus dem Film zu machen als nur eine lose Abfolge von Verfolgungsjagden und riskanten Einbrüchen.

Vor allem hat Gray die Rollen wunderbar besetzt: Mark Wahlberg und Charlize Theron liefern nette, wenn auch nicht gerade oscarverdächtige Auftritte ab. Dafür machen Donald Sutherland und Edward Norton ihrem Berufsstand alle Ehre - Sutherland kann immer noch, mit einem Augenaufschlag, einer Geste einem modischen Jungspund wie Wahlberg eine Lektion erteilen in Sachen Coolness. Und Norton hat eine natürliche Gabe, wenn es um Eiseskälte geht - die Nummer, die er hier abzieht, ist zwar ziemlich nah dran an den Rollen, die er in "Zwielicht" und "The Score" gespielt hat. Aber im Moment kann ihm kaum einer das Wasser reichen, wenn es darum geht, das Biest zu spielen, ohne dass man es ihm richtig übel nimmt.

Die Häufung starker, ausgetüftelter Gangsterfilme wird inzwischen auffällig - Soderberghs "Ocean's Eleven", die nächstes Jahr als dreckiges Dutzend weitermachen, Neil Jordans "The Good Thief", der vor wenigen Wochen bei uns anlief, Frank Oz und Robert De Niro mit "The Score " vor zwei Jahren - die Zeiten scheinen gut zu sein für heists. Vielleicht wüssten wir einfach alle gern einen Trick, wie man die Welt wieder in Ordnung bringt.

THE ITALIAN JOB, USA 2003 - Regie: F. Gary Gray. Buch: Donna und Wayne Powers, basierend auf dem Drehbuch von Troy Kennedy-Martin. Kamera: Wally Pfister. Schnitt: Richard Francis-Bruce, Christopher Rouse. Mit: Mark Wahlberg, Charlize Theron, Donald Sutherland, Edward Norton, Seth Green, Jason Statham, Mos Def. Concorde, 105 Min.

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(SZ v. 13.11.2003)