Der Teufel war's, sagen die Dörfler, und wissen doch, es kann nur einer von ihnen selbst der Täter sein. Der Roman und die beiden Filme reproduzieren mit ihren Erzählstilen diese Ungewissheit, mit einem forcierten Schuld-und-Sühne-Durchmarsch, einem verhuschten Manierismus, der bedeutungsschwanger und nichtssagend zugleich ist. Und in den Filmen macht sich eine gleichförmig synthetische Musik unerbittlich breit.

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Antike Tragödie

Nichts ist geblieben von der schönen klaren Linie, mit der Bettina Oberli in ihrem Film "Die Herbstzeitlosen" einen Aufstand alter Frauen in Szene setzte. Hier sind die alten Frauen wieder auf Hexen- und Kassandra-Status gebracht. Monica Bleibtreu ist, in ihrer letzten Rolle, die Unruhstifterin des Dorfes, sie hat etwas von der Entschlossenheit der Frauen in der antiken Tragödie. Am Ende ist der Film gleich weit entfernt von der exzessiven Waldeswildheit in Lars von Triers "Antichrist" wie von der coolen Haneke-Durchtriebenheit in "Das weiße Band". Meistens trägt "Tannöd", von Bernd Eichinger präsentiert, die Markierung Bestsellerproduktion.

Was das Kino aber könnte, wofür es berufen ist, das ignoriert der Film - die Grenze zu erforschen zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren. Er sei, erzählt der Monteur aus dem Dorf, morgens zum Dannerhof gefahren, um auftragsgemäß dort eine Maschine zu reparieren. Es sei keiner da gewesen, er habe gewartet, eine Stunde lang, und dann mit der Reparatur angefangen.

Er hätte aber eine Ahnung nicht unterdrücken können, als sei noch jemand anderes präsent gewesen am Ort zu dieser Zeit, unsichtbar. Die sechs Menschen waren da bereits länger tot, der Mörder hat, um die Tat zu kaschieren, erst mal das Vieh weiter gefüttert und gemolken. Die Leiche hinter der Tür, das ist eins der großen Kinosujets, und wie durch das Wissen davon sich ein Raum vor der Kamera völlig verändern kann.

TANNÖD, D 2009 - Regie: Bettina Oberli. Buch: Petra Lüschow, Bettina Oberli. Kamera: Stephane Kuthy. Mit: Julia Jentsch, Monica Bleibtreu, Volker Bruch, Brigitte Hobmeier, Filip Peeters. Constantin, 97 Minuten.

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  1. Exzessive Waldeswildheit
  2. Sie lesen jetzt Die Leiche hinter der Tür
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(SZ vom 19.11.2009/iko)