Im Kino: Source Code Ich bin der andere

Jake Gyllenhaal spielt einen Mann, der sich in andere Körper hineinversetzen kann - natürlich wird seine Fähigkeit von Militärs und Politikern ausgenutzt in Duncan Jones' Reisethriller "Source Code".

Von Fritz Göttler

Alles wird okay, sagt beruhigend die junge Frau zu dem jungen Mann, der neben ihr am Fenster steht, er ist sichtlich verwirrt und verunsichert. Genau in diesem Moment fliegt der Zug, in dem die beiden sich befinden, in die Luft, in einer feurigen Explosion. Ein erstaunlicher Anfang, es sind noch nicht mal zehn Minuten des Films vergangen.

Ein Zeitreisefilm, der sein Genre ironisiert - aber dieses Genre ist von Anfang an, von der "Zeitmaschine" bis zum "Murmeltier", weit offen gewesen fürs lustvolle Experiment. In "Source Code" stecken zudem Reste aus einem anderen Genre, von Filmen über geheime Kommandounternehmen und den Teamgeist, den sie produzieren. Einen solchen Film würde er unbedingt noch machen wollen, hat der Regisseur Duncan Jones - der Sohn von David Bowie - bekannt, in einigen Jahren vielleicht, wenn die Erinnerung an Tarantinos "Inglourious Basterds" ein wenig verblasst sei.

Man kann nicht erzählen von Duncan Jones' aktuellem Film - seinem zweiten, nach dem erstaunlichen "Moon" -, ohne seine Atmosphäre, seine Unschuld, seinen wunderlichen Somnambulismus zu beschädigen. Diesen Schwebezustand, in dem der ganze Film sich bewegt, zwischen diversen Realitäts- und Zeiträumen, verschiedenen Bewusstseins- und Traumebenen.

Das erinnert ans junge amerikanische Kino der Siebziger, an die frühen Filme von Brian de Palma und ihre schwindelerregenden Splitscreen-Eskapaden - der legendäre Paul Hirsch, der sie damals montiert hatte, ist auch der Schnittmeister bei "Source Code". Das Kino fängt an, vom Ursprung des Erzählens selbst zu erzählen, vom Ursprung des Bewusstseins und der Identität.

Man wird nicht ohne Spoiler auskommen, wenn man über diesen Film schreibt, wird unwillkürlich mehr verraten, als man schon wissen sollte, wenn man ihn sehen will. Die Explosion ist jedenfalls schon der zweite Schockmoment für den Zuschauer - und für den jungen Mann (Jake Gyllenhaal). Er ist offenbar im Pendlerzug nach Chicago aufgewacht, stoppelbärtig und in einem Sportjackett, wurde von der jungen Frau gegenüber angesprochen (Michelle Monaghan), als wären sie einander bekannt, dann hat er die Zugtoilette aufgesucht und in den Spiegel geschaut - und ein fremdes Gesicht blickte daraus zurück. Im Jackett hat er einen Ausweis gefunden mit diesem Gesicht und dem Namen Sean Fentress, Lehrer. Aber der Mann ist sich sicher, dass er Captain Colter Stevens ist, Helikopterpilot in Afghanistan.

Nach der Explosion wacht Sean/Colter (Jake Gyllenhaal) langsam wieder auf, in Pilotenjacke nun, angeschnallt in einer düsteren Kabine. Auf einem Monitor sieht er eine andere Frau, in einer properen Uniform (Vera Farmiga). Sie ist seine Reisebegleiterin auf dem merkwürdigen Trip, auf dem er sich befindet.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, was der junge Mann kann, was andere nicht können.

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