Im Kino: Salt Versalzen

Eine kräftige Prise Paranoia, Kalter Krieg und der Kampf um die Weltherrschaft machen aus Angelina Jolie noch keinen James Bond: Dem Film "Salt" fehlt es leider an Humor.

Von Susan Vahabzadeh

Frauen verhalten sich anders als Männer, egal, ob das Sozialisation ist oder echte weibliche Eigenheit. Sie finden nicht dieselben Dinge erstrebenswert, und die Gesetze, nach denen Attraktivität funktioniert, sind auch verschieden. Wie müsste also ein weiblicher James Bond sein, würde eine Frau die Absolutheit akzeptieren, mit der 007 alles zu jeder Zeit seinem Job unterordnet, sich an seiner totalen Bindungslosigkeit berauscht - und würden wir gerne einer Frau zusehen, die so ist?

Es ist, obwohl es inzwischen einige Action-Heldinnen gegeben hat, immer noch selten, dass ein Filmemacher diese Fragen berücksichtigt. Man muss eine solche Figur anders gestalten, findet Phillip Noyce - Salt, die Heldin seines neuen Films, verkörpert von Angelina Jolie, funktioniert zunächst einmal ganz anders als vergleichbare männliche Figuren:

Sie praktiziert Multi-Tasking auf höchster Ebene, versorgt unter Einsatz ihres Lebens ihren vierbeinigen Kinder-Ersatz, und in einem Moment, in dem die nationale Sicherheit in Gefahr ist und sie die zu schützen hat, plant sie nebenher noch ihren Hochzeitstag.

Der australische Regisseur Phillip Noyce hat einige ruhige politische Filme gemacht, "The Quiet American" beispielsweise und "The Long Walk Home", über Aborigine-Kinder, die ihren Familien entrissen wurden. Er ist trotzdem ein Action-Profi - so richtig bekannt wurde er mit den Tom-Clancy-Verfilmungen "Die Stunde der Patrioten" (1992) und "Das Kartell" (1994), mit Harrison Ford als Agent Jack Ryan -, aber er ist einer, dem die Hintergründe seiner Geschichten wichtig sind, die Motivation seiner Charaktere. Er macht Thriller, aber die ständige Bewegung war eigentlich bisher nicht sein Ding.

Er hat schon einmal mit Angelina Jolie gedreht, "Der Knochenjäger", 1999 - da folgt sie den Anweisungen von Denzel Washington, dem eigentlichen Ermittler, der ans Krankenbett gefesselt ist. In "Salt" fehlt dieser Ruhepol, Angelina Jolie, die inzwischen um ein Vielfaches berühmter ist als vor zehn Jahren, steht im Zentrum fast jeder Szene - und ist immer in Bewegung, der ganze Film ist eine einzige nicht endenwollende Jagd.

Das Feingefühl, mit dem Noyce die Geschichte anfangs inszeniert, bleibt dabei irgendwann auf der Strecke - als habe er, vor lauter Action, irgendwann das Innenleben seiner Hauptfigur aus den Augen verloren.

So geht auch flöten, was ihren Charme ausmacht - das ist schon unglaublich cool, wie sie auf der Flucht, ganz beiläufig im Vorübergehen, ohne mit der Wimper zu zucken klaut, was sie gebrauchen kann als Verkleidung oder Waffe. Ursprünglich hat Kurt Wimmer das Drehbuch für einen männlichen Schauspieler geschrieben, erst als klar war, dass Jolie Salt spielen würde - die Sony-Chefin Amy Pascal hatte sich auf die Suche gemacht nach einer entsprechenden Rolle für Jolie -, wurde die Figur überarbeitet, und was dabei herauskommt, ist ein Zuviel an Gender Equality: Männliche Heldenfiguren, allen voran James Bond, sind ein zweifelhaftes Ideal.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, was fehlt.

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