Im Kino: R.E.D Manchmal kommen sie wieder

Der Durchhaltefilm für Ruhestandsverweigerer: Die Oldtimer Bruce Willis, Helen Mirren, John Malkovich und Morgan Freeman betreiben fröhlichen Unfug im Agentenfilm "R.E.D.".

Von Susan Vahabzadeh

Normalerweise werden Filmemacher ja nicht müde zu beteuern, dass sie sich an keinem Ort der Welt so geliebt und so verstanden fühlen wie in Frankreich. Robert Schwentke sollte mit seiner Agentenkomödie "R.E.D." trotzdem einen großen Bogen um das Heimatland des guten Filmgeschmacks machen. Sonst kriegt er es womöglich mit den erbitterten Gegnern der Rentenreform zu tun, die das Land derzeit in Aufruhr versetzen - denn Schwentkes Helden sind echte Ruhestandsverweigerer.

Bruce Willis, John Malkovich, Morgan Freeman, Helen Mirren - das klingt zunächst einmal eher nach der Besetzung einer Tschechow-Verfilmung als nach hübschem Agentenklamauk. Aber gute Schauspieler sind auch gute Komiker. Es geht um eine Truppe von ausgemusterten CIA-Agenten, die partout keine Ruhe geben wollen - und weil die Gesetze der Alterung in Hollywood immer noch knallhart sind, würde die Hälfte seiner ollen Stars nicht einmal in Frankreich schon Rente bekommen.

Älter ist besser

Es nützt ja sowieso nichts: Die demografische Entwicklung ist, wie sie ist. Darauf muss auch Hollywood sich einstellen. Wer will schon aussortiert werden? Und älter ist sowieso besser, vielleicht nicht mehr ganz so fit, aber dafür umso ausgebuffter. Den Wächter des Grals von Langley, dem heiligen, supergeheimen CIA-Archiv, spielt der 93-jährige Ernest Borgnine, der einzige echte Greis in der Geschichte, und der beschwört es immer wieder: Früher waren die Agenten aus viel besserem Holz geschnitzt.

Eigentlich hat "R.E.D." einen ziemlich genialen Ansatz. Der ältere Teil des Publikums ist immer froh, wenn ein paar Leute aus der eigenen Generation mitspielen, von denen man sogar schon mal gehört hat. Und für den jüngeren Teil - das sind ja die, die tatsächlich eines Tages werden arbeiten müssen, bis sie umfallen - ist das eine Art Durchhalte-Film.

Bruce Willis spielt den Frührenter Frank Moses, dessen Leben irgendwo in einer amerikanischen Vorstadt nun wirklich freudlos ist. Er sitzt einsam in seinem kleinen Haus, und der einzige Lichtblick sind die Telefongespräche mit Sarah (Marie Louise Parker), der Sachbearbeiterin, die für seine Rentenschecks zuständig ist, welche er zerreißt, damit er sie flugs wieder anrufen kann. Ins trostlose winterliche Suburbia kehrt aber nachts plötzlich Unruhe ein - ein Killerkommando ist im Haus, aber Frank ist immer noch schneller, haut alles kurz und klein und flieht nach Kansas, um Sarah zu retten, die bestimmt auch bedroht ist.

Verhältnismäßig klar im Kopf

Dann trommelt er seine alten Weggefährten zusammen, um herauszufinden, wer ihm nach dem bisschen Leben trachtet, das er noch vor sich hat. Da ist der Altersheiminsasse Joe (Morgan Freeman), Victoria, die Grande Dame des Agententums (Helen Mirren), und Marvin Bogg (John Malkovich), an dem jahrelang mit LSD herumexperimentiert wurde, und der dafür verhältnismäßig klar im Kopf ist. Man sollte ihn aber auf keinen Fall als Grandpa bezeichnen - denn jeglichen Hemmungen im Umgang mit Waffen und Sprengstoff hat das LSD wohl damals den Garaus gemacht. Die Jagd führt zurück in die Vergangenheit, zu einem Einsatz in Guatemala, bei dem damals alle dabei waren.

Das ist fröhlicher Unfug, so unbeschwert vorgetragen, dass man die Reihe von Leichen, die das Quartett bei den Recherchen hinterlässt, fast vergisst. "R.E.D." ist ein Schauspielerfilm, und die vier sind auch bei den hanebüchensten Wendungen mit so viel Energie und Lust bei der Sache, dass man ihnen das alles gerne abkauft.

Und was diese Akteure betrifft, hat Borgnine sogar recht mit den Frotzeleien, die er dem Nachwuchstalent Karl Urban mit auf den Weg gibt, der die ausgebüxten Alten wieder einfangen soll: Er kann ihnen nicht das Wasser reichen. Mirren und Malkovich erledigen ihren Job mit komplett unterschiedlichen Ansätzen und dennoch mit vergleichbar hervorragendem Ergebnis. Helen Mirren übt sich in Minimalismus, hochgezogene Brauen, regungslos vorgetragene Drohungen; Malkovich hingegen dreht so richtig auf. Auch einen gefährlichen Irren kann man sehr rührend gestalten; sein Plüschschwein, das sich dann später ohnehin als alles andere als ein Kuscheltier erweist, hält er am Schwänzchen wie ein Dreijähriger.

Rührend irre

"R.E.D." basiert auf einem weitgehend unbekannten Comic und steht für retired, extremely dangerous - in Rente und schwer gefährlich. Was da aufgedeckt wird, ist inzwischen Standard in Agentenfilmen - die CIA wird missbraucht, den Geheimdienst, die Regierung und das ganze Land hat ein fieser Großindustrieller (Richard Dreyfuss) im Griff, hier werden die Spuren eines Politikers verwischt, der eigentlich nur eine Marionette ist.

Wir hatten dieses Jahr schon "Salt", "Knight and Day" und "Das A-Team" mit ähnlichen Geschichten - man kann es dem amerikanischen Kino nicht verdenken, dass es die militärisch-industrielle Unterwanderung in den Jahren nach Cheney & Co zur Lieblingsphantasie auserkoren hat.

Dass hier schon wieder eine harmlose Normalbürgerin erstaunlich schnell davon zu überzeugen ist, dass sie an der Seite eines gejagten Killers besser aufgehoben ist als bei einer Regierungsbehörde - das sollte den amerikanischen Politikern vielleicht langsam zu denken geben. Aber "R.E.D." nimmt sein Misstrauen gegen alles und jeden wenigstens mit Humor.

Regie: Robert Schwentke. Drehbuch: Jon Hoeber, Erich Hoeber. Kamera: Florian Ballhaus. Schnitt: Thom Noble. Musik: David Holmes. Mit: Bruce Willis, Morgan Freeman, Marie Louise Parker, Helen Mirren, Karl Urban, Ernest Borgnine, Richard Dreyfuss. Concorde, 111 Minuten.

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