Im Kino: Rammbock Die wollen beißen

Michael fährt nach Berlin, um seine Freundin zurückzugewinnen. Dummerweise wird die Hauptstadt von einem Virus heimgesucht, der die Infizierten in blutrünstige, dummbeutelige Menschenfresser verwandelt.

Von Patrick Bethke

Eigentlich ist Michael (Michael Fuith) den weiten Weg von Wien nach Berlin gekommen, um Gabi (Anka Graczyk) zurückzugewinnen. Die hat den schmusebärigen Trottel verlassen, beim letzten Besuch aber die Wohnungsschlüssel vergessen. Michael meint nun mit der Überraschungsvisite die freudige Wiedervereinigung einleiten zu können. Doch sein ohnehin wackeliger Plan erfährt die denkbar boshafteste Durchkreuzung: die Zombie-Apokalypse. Berlin wird von einem Virus heimgesucht und die Infizierten in blutrünstige, dummbeutelige Menschenfresser verwandelt. Michaels Verwandtschaft aus der Heimat drückt es am Telefon so aus: "Die san total durchdraht alle, die wolln bäßn."

Zombiefilme aus deutscher Produktion haben Seltenheitswert. Das Genre, das durch George A. Romeros "Nacht der lebenden Toten" von 1968 bis in die achtziger Jahre hinein extrem populär war und mit Danny Boyles "28 Days Later" 2002 eine bis heute anhaltende Renaissance feierte, lockt in Deutschland höchstens Amateurfilmer hinter die Kamera. Nun verlagert "Rammbock", der erste Kinofilm des in Wien geborenen Marvin Kren, das endzeitliche Geschehen aus einsamen Landhäusern, Malls und geheimen unterirdischen Militärbasen dieser Welt in ein muffiges Berliner Mietshaus, dessen gesundgebliebene Bewohner über die offenen Fenster zum Innenhof widerwillig und offenbar zum ersten Mal in nachbarschaftlichen Kontakt treten.

Alle Konventionen des Genres berücksichtigt - bis auf eine

In schnurgeraden sechzig Minuten arbeitet Kren gekonnt alle Konventionen des Genres ab. Mit einer Ausnahme - der geradezu unvermeidliche gesellschaftspolitische Subtext wird nicht angepackt. Der Zombie in "Rammbock" ist weder seelenloser Konsumjunkie noch wehrloses Opfer politischer Repression. Er ist einfach nur hässlich entstellt und lechzt nach Blut. Das macht ihn nicht sonderlich interessant. Dafür ist Hauptdarsteller Michael Fuith ein großer Gewinn. Seinen Michael, der stets ausspricht, was er denkt, und immer zu wissen glaubt, was andere denken, bekommt man nie ganz zu fassen. Ist er nur der lächerliche Versager? Oder doch ein romantischer Held?

Bis auf einen heillos verirrten Schluss, in dem Kren allen Ernstes eine Zombie-Liebesszene mit dem Lacrimosa aus Mozarts Requiem unterlegt, wandelt "Rammbock" schlafwandlerisch sicher zwischen Momenten intensiven klaustrophobischen Horrors und absurder Komik. "Freist di net?", fragt Michael, als er, gerade noch dem Tode entronnen, seine Gabi wiederfindet. Den Wohnungsschlüssel hat er inzwischen leider verloren. Aber das macht nichts. "Die Tür is eh kaputt."

RAMMBOCK, D 2010 - Regie: Marvin Kren. Buch: Benjamin Hessler. Kamera: Moritz Schultheiß. Mit: Michael Fuith, Anka Graczyk, Theo Trebs, Emily Cox. Filmgalerie 451, 64 Minuten.

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