Precious ist gefangen in ihrem massigen Leib, wird behandelt wie Dreck - doch tief drinnen weiß sie noch, dass sie kostbar ist. Damit triumphiert der Film über schwarze Kritiker.
Würde ist nicht angeboren, sie wird einem zugestanden, und je erbärmlicher diese Zugeständnisse ausfallen, desto härter ist der Kampf um etwas, was wenigstens nach außen hin so aussieht wie Selbstachtung.
Bild vergrößern
Stolziert mit viel Würde und Gelassenheit durch ihr trostloses Dasein: Precious (Gabourey Sidibe). (© Foto: Filmverleih)
Anzeige
Am Anfang des Films sitzt Precious im Klassenzimmer, ganz hinten, ein sehr dickes, ruhiges Mädchen. Vorn steht der Lehrer, ein Weißer, und versucht, durchzudringen in diesem Raum voller lärmender Halbstarker, und dann steht Precious auf, verpasst einem von ihnen eine Kopfnuss und sagt: Ich höre hier zu.
Mit wie viel Würde und Gelassenheit sie durch ihr trostloses Dasein stolziert - sie wird kurz darauf zur Direktorin gerufen, die wissen will, warum sie schon wieder schwanger sei, und antwortet: "Ich hatte Sex" -, das erscheint einem immer erstaunlicher, je mehr man über sie erfährt.
Sie lebt in einer Bruchbude in Harlem, mit ihrer Mutter, die den ganzen Tag berauscht vor dem Fernseher sitzt und sich nur rührt, um ihre Tochter zu schikanieren, das ältere Kind hat sie zur Großmutter abgeschoben und zwingt Precious, die Frau von der Fürsorge zu belügen; beide Kinder sind von dem Mann, der auch Precious' Vater ist.
Precious ist gefangen in ihrem massigen Leib, der ihr aber auch ein Schutzwall ist. Sie wird von allen behandelt wie Dreck, doch tief in ihr drin muss sie noch ein Gefühl dafür bewahrt haben, dass sie precious ist - kostbar.
Lesen Sie weiter auf Seite 2, warum der Film nicht rassistisch ist.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Kritik an "Precious" Schwarze Stars, weiße Retter 10.03.2010
- Oscar 2010 Ein Rosenkrieg mit James Cameron als Verlierer 08.03.2010
- Oscar 2010 Waltz, der Goldjunge 08.03.2010
- Im Kino: Agora und Die Fremde Der Wunsch, sie zu knechten 11.03.2010
- Oscar-Nominierungen 2010 Schieflagen der Wahrnehmung 02.02.2010
- Alexandra Maria Lara im Kino Rehauge, sei wachsam 19.05.2010
- Filmfestival Cannes Rückkehr der Plünderer 15.05.2010
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
"Die Würde ist antastbar"
Geht es in dem Film um Hartz4?
habe Precious gestern in der Preview gesehen und bin immer noch völlig geplättet und begeistert von diesem Film. Die Gewalt, die dem Mädchen widerfährt, ist nur sehr schwer zu ertragen, gleichwohl hat der Film auch durchaus seine heiteren Szenen. Das wichtigste Aber: es gibt ein starkes Element der Hoffnung, ein Licht am Ende des Tunnels. Man sollte ihn auf jeden Fall im Original ansehen, nur so kommt der authentische Harlem-Slang richtig rüber.
... gemeint ist wohl was die Amerikaner als "male nurse" bezeichnen bei uns nennt man solche Leute "Krankenpfleger".