Im Kino: Precious Dünnes Eis

Precious ist gefangen in ihrem massigen Leib, wird behandelt wie Dreck - doch tief drinnen weiß sie noch, dass sie kostbar ist. Damit triumphiert der Film über schwarze Kritiker.

Von Susan Vahabzadeh

Würde ist nicht angeboren, sie wird einem zugestanden, und je erbärmlicher diese Zugeständnisse ausfallen, desto härter ist der Kampf um etwas, was wenigstens nach außen hin so aussieht wie Selbstachtung.

Am Anfang des Films sitzt Precious im Klassenzimmer, ganz hinten, ein sehr dickes, ruhiges Mädchen. Vorn steht der Lehrer, ein Weißer, und versucht, durchzudringen in diesem Raum voller lärmender Halbstarker, und dann steht Precious auf, verpasst einem von ihnen eine Kopfnuss und sagt: Ich höre hier zu.

Mit wie viel Würde und Gelassenheit sie durch ihr trostloses Dasein stolziert - sie wird kurz darauf zur Direktorin gerufen, die wissen will, warum sie schon wieder schwanger sei, und antwortet: "Ich hatte Sex" -, das erscheint einem immer erstaunlicher, je mehr man über sie erfährt.

Sie lebt in einer Bruchbude in Harlem, mit ihrer Mutter, die den ganzen Tag berauscht vor dem Fernseher sitzt und sich nur rührt, um ihre Tochter zu schikanieren, das ältere Kind hat sie zur Großmutter abgeschoben und zwingt Precious, die Frau von der Fürsorge zu belügen; beide Kinder sind von dem Mann, der auch Precious' Vater ist.

Precious ist gefangen in ihrem massigen Leib, der ihr aber auch ein Schutzwall ist. Sie wird von allen behandelt wie Dreck, doch tief in ihr drin muss sie noch ein Gefühl dafür bewahrt haben, dass sie precious ist - kostbar.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, warum der Film nicht rassistisch ist.