Im Kino: Ohne Limit Eine Tüte Geistesblitze

Die Welt könnte so schön sein, wenn man eine Pille nimmt und plötzlich ein Hugo-Boss-Model wird: "Ohne Limit" mit Bradley Cooper und Robert De Niro ist ein Mischmasch aus Thriller, Action und einer Überdosis zeitgemäßer Gesellschaftskritik.

Von Susan Vahabzadeh

Es gibt mindestens zwei Arten der Überforderung - das Gefühl, dass man etwas unter keinen Umständen überhaupt kann, und die Ahnung, etwas müsste zu schaffen sein, könnte man sich nur richtig konzentrieren. Eddie Morra (Bradley Cooper) macht letzteres zu schaffen. Er hatte eine Idee für einen Roman, die gut genug war, ihm den langersehnten Vertrag mit einem Verlag zu verschaffen - aber er schafft es nicht, ihn nun zu schreiben. Er versucht es gelegentlich, endet dann frustriert in seiner Stammkneipe und lässt sich volllaufen. Am nächsten Tag ist er dann viel zu verkatert zum Schreiben. Eine Endlosschleife des Versagens.

Das war wohl schon immer so, Eddie ist ein gewohnheitsmäßiger Loser, diesen Eindruck hat zumindest wohl der smarte Typ, mit dessen Schwester er mal verheiratet war - sie hat Eddie verlassen, weil er nichts auf die Reihe kriegt. An einem seiner sinnlos vertrödelten Tage begegnet Eddie diesem Ex-Schwager - er arbeite jetzt für einen Pharmakonzern, sagt er, und gibt Eddie gönnerhaft eine Pille. Sie sei noch nicht zugelassen, ein Mittel, mit dem man nahezu 100 Prozent seines Gehirns nutzen kann.

Eddie zögert erst und nimmt sie dann doch, und erlebt ein Brainstorming der besonderen Art. Der neue Eddie räumt erst mal seine verkommene Bude auf, verführt die Nachbarin, schreibt ihre juristische Seminararbeit um und haut dann fix einen halben Roman hin, in ein paar Stunden. Er hat plötzlich alle Informationen parat, die er je bekommen hat, und er hat die märchenhafte Fähigkeit, sie zu vernetzen. In ein paar Tagen verwandelt sich der langhaarige, abgerissene Typ in ein vielsprachiges, shakespearezitierendes Hugo-Boss-Model. Die Welt könnte so schön sein.

Das ist die Grundidee, die Neil Burgers "Ohne Limit" zugrunde liegt, der Film spielt im New York der Gegenwart, und Eddie ist ganz eindeutig ein Mann von heute. Er will sich mehr Pillen bei seinem Ex-Schwager holen und erbeutet eine ganze Tüte, während der mit einer Kugel im Kopf auf dem Sofa sitzt. Die Tüte voller Geistesblitze will Eddie nicht auf Literatur verschwenden - er will an die Wall Street, ans ganz große Geld.

"Ohne Limit" ist ein Genremischmasch, Thriller und Action mit einer Überdosis zeitgemäßer Gesellschaftskritik. Auftritt Robert De Niro als Carl Van Loon, so eine Art Warren Buffet from hell. Eddie kämpft an mehreren Fronten, versucht, mit Van Loon einen Mega-Deal einzufädeln, will seine Ex-Freundin (Abbie Cornish), auch ohne chemische Hilfsmittel erfolgreich, wiedergewinnen, er wird des Mordes verdächtigt, und die Drogen entwickeln hässliche Nebenwirkungen. Das ist alles ganz spannend - und die Idee, dass wir versuchen, alle menschlichen Schwächen pharmazeutisch wegzukriegen, ist in Zeiten von Prozac, Viagra und Amphetaminen ja auch gar nicht so absurd.

Wie dann aber die Geschichte zur Verschwörungstheorie mutiert und eine These entwickelt, nach der die Wall-Street-Moguln mit den kleinen durchsichtigen Pillen die Welt beherrschen, und die recht abrupte Auflösung - das wirkt ein wenig, als wäre der Drehbuchautorin Leslie Dixon beim Schreiben die künstliche Intelligenz ausgegangen. Aber vielleicht liegt ja auch dem ganzen Konstrukt "Ohne Limit" ein Denkfehler zugrunde, oder mindestens ein ziemlich trauriger Gedanke: Wenn es eine Droge gäbe, die alle Möglichkeiten eines Hirns freisetzt und kluge Menschen zu Genies macht- wäre das Ergebnis dann tatsächlich nichts weiter als die Gier nach Macht und Geld?

LIMITLESS, USA 2011 - Regie: Neil Burger. Drehbuch: Leslie Dixon. Nach dem Roman von Alan Glynn. Kamera: Jo Willems. Mit: Bradley Cooper, Robert De Niro, Abbie Cornish, Andrew Howard, Anna Friel. Concorde, 105 Minuten.