Der Film zum Lebensmittelskandal: "Good Food, Bad Food" zeigt alarmierende Fakten und verblüffende Lösungsstrategien für die moderne Landwirtschaft - passend zur Dioxindebatte.
Unbeirrbar wühlen sich die Stahlzähne des Pfluges ins Erdreich. Kaum ist die Ernte eingefahren, schon wird hier das Unterste nach oben gekehrt. Dieses vertraute Bild aus dem bäuerlichen Alltag wird alsbald als ökologischer Unsinn entlarvt. In Wirklichkeit verwandelt das Pflügen den weichen Humus nämlich in betonharte Krusten, die Erde verklumpt, unter der Oberfläche faulen die Strohanteile, statt zu verrotten, das Wasser kann nicht mehr einsickern, die Wurzeln können sich nicht ausbreiten.
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Das ist nur einer von vielen Missständen der modernen Landwirtschaft, in der aus jedem Schritt ein Geschäft gemacht wird. Weil es Konzerne gibt, die aus Saatgut, Düngemitteln, Schädlingsbekämpfung und Bewässerungsanlagen Kapital schlagen, geraten die natürlichen Prozesse der Natur, mitsamt ihren selbsterhaltenden Kreisläufen, in Vergessenheit.
So wie "Food Inc." oder "Fast Food Nation" prangert auch Coline Serreaus Dokumentation "Good Food, Bad Food" die Missstände der modernen Nahrungsherstellung an und trifft hierzulande mitten hinein in die Debatte um dioxinverseuchte Futtermittel.
Bekannt geworden ist Serreau mit Komödien wie "Drei Männer und ein Baby", in denen sie menschliche Beziehungen und Geschlechterrollen spielerisch auf die Probe stellte. Doch neben der komischen hatte die französische Regisseurin schon immer eine kämpferische Seite als Feministin, Konsumkritikerin und Umweltaktivistin.
Ein gewisses Gespür für Komik könnte auch im Umgang mit den Absurditäten der modernen Nahrungsherstellung nicht schaden. Doch bei der Beschäftigung mit den Missständen der Welt ist der Regisseurin offensichtlich nicht nur das Lachen, sondern auch die Lust an den Bildern vergangen. Weitgehend spröde reiht sie die Aussagen und Erfahrungsberichte aneinander, die sie drei Jahre lang in der ganzen Welt gesammelt hat, bei Biobauern, Agrarwissenschaftlern, Ökonomen und Umweltschützern in Indien, Brasilien, Marokko, in der Ukraine, der Schweiz und Frankreich.
Sie bombardiert den Zuschauer mit einer Fülle von alarmierenden Fakten und oft verblüffend simplen Lösungsstrategien. Und immer wieder nistet darin auch die subversive Kraft der Komödie, wenn beispielsweise ein friedlicher, französischer Umweltaktivist, der kostenlos Samen an Bauern der Welt verteilt, um die Vielfalt der Natur zu erhalten, aus der Perspektive der Industrie zum gefährlichen Kriminellen mutiert.
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(SZ vom 20.01.2011/rus)
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zu dem Pflügen: das stimmt so nicht - es wurde nicht einer Pfugschar der Boden umgewälzt,sondern nur mit einer nicht wendenden Schar der Boden gelockert, eher geritzt. Das macht einen Unterschied.
Und es ist richtig: Frischgrün gehört nicht unter die Erde - wer gärtnert weiss, dass damit auch Erdgrillen regelrecht angezogen werden mit Folgeschaden oder Frischgrün einfach im Kompost unter die Erde bildet in der Regel Schimmelpilze aus. Wie auch immer, wede mir den Film anschauen.
"In Wirklichkeit verwandelt das Pflügen den weichen Humus nämlich in betonharte Krusten, die Erde verklumpt, unter der Oberfläche faulen die Strohanteile, statt zu verrotten, das Wasser kann nicht mehr einsickern, die Wurzeln können sich nicht ausbreiten."
Jeder kann sich gerne die Resultate der "pfluglosen Bodenbearbeitung" ansehen: Klägliches Scheitern. Wäre ja auch komisch, wenn eine "Feministin, Konsumkritikerin und Umweltaktivistin" mehr wüsste als die Bauern dieser Welt. Die haben nämlich schon vor vielen tausend Jahren gepflügt, weltweit. Aber damals gab es auch noch keine Konzerne - und keine Feministen.