Jugendliche Pop-Rebellen aus dem Arbeiter- und Bauernstaat auf einem Road-Trip durch die USA: "Friendship!" mit Matthias Schweighöfer ist nicht die übliche Ostalgie-Komödie.
"Friendship!" ist ein Von-allem-ein-bisschen-Film. Ostalgie, Mauerfall-Komödie, Ost-West-Culture-Clash, Roadmovie, Vatersuche. Wie bei einem Cocktail, der aus zu vielen, standardmäßigen Ingredienzen gemixt und mit guter Laune überzuckert ist. Aber "Friendship!" enthält auch ein Element, das durchaus gelingt, und das von Regisseur Markus Goller in vielen bunten Nuancen aufgefächert wird: das Buddy-Movie.
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Auf Weltentdeckung und Ich-Erkundung: Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke in "Friendship!". (© Foto: Filmverleih)
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Zwei beste Freunde namens Tom und Veit, gespielt von Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke. Zwei Darsteller, die mit ihrem spielerischen Witz auch noch aus Albernheiten und Medium-Jokes hübsche Nummern zaubern können. Zwischen ihnen entwickelt sich auf der Leinwand eine funkensprühende Chemie, die dann doch alles zusammenhält und vieles zum Leben erweckt.
Zu Beginn, wenn die DDR-Vorgeschichte von Tom und Veit erzählt wird, sieht es nach der üblichen, ironisch servierten Ostalgie-Komödie aus. Jugendliche Pop-Rebellen contra Arbeiter- und Bauernstaat. Zuerst Archivaufnahmen mit Plattenbau-Tristesse, Trabikult, NVA-Soldaten, Aufmärschen, winkenden Parteivorsitzenden. Dazu Tom und Veit als Freunde, die sich schon aus der Schulzeit kennen, als charakterliche Gegensätze - Tom ist der abenteuerlustige Draufgänger, Veit der stille Typ - und als muntere Nonkonformisten, die sich für Super8-Filmerei und Popmusik, aber nicht unbedingt für den Aufbau des DDR-Sozialismus interessieren.
Aber das war nur der Prolog zu einem Roadmovie, das die klassischste aller Roadmovie-Routen nimmt: von New York durch den Mittleren Westen nach San Francisco. Pfad der Pioniere. Go West! Als 1989 die Mauer fällt, beschließen Tom und Veit, sich den Wind der Freiheit in dem Land um die Nase wehen zu lassen, in dem die Freiheitsstatue steht. Sie wollen den westlichsten Punkt der westlichen Welt aufsuchen: San Francisco. Weil das BRD-Begrüßungsgeld nur für einen Flug nach New York reicht, müssen sie den Weg durchs Land der unbegrenzten Möglichkeiten per Anhalter on the road absolvieren.
Jim Jarmusch hat Roadmovies als Genre definiert, in dem das Kino am besten zu sich selbst finden könne: Bewegung im Raum, moving pictures, der Trip als Befreiungsakt, Initiationsritus, Unterwegssein zu sich selbst. Weltentdeckung und Ich-Erkundung. Das sind die Koordinaten dieses mythenträchtigen Genres. In "Friendship!" heißt Roadmovie: zwei naive, unbedarfte Jungs mit Ossi-Sozialisation im Gepäck gehen auf Abenteuerreise und staunen erst mal über die Errungenschaften der Neuen Welt: riesige Wolkenkratzer, endlose Highways, prall gefüllte Supermärkte, Pornokinos.
DDR-Hymnen-Techno-Pop
Ihr Trip entfaltet sich episodisch als Abfolge kurioser Begegnungen. Ein hippiesker Freak, eine Biker-Gang, eine Kneipe voller Truckdriver wie im Country-Song, und es gibt natürlich diesen Augenblick auf dem Highway, wo die Polizei im Rückspiegel gerade dann auftaucht, wenn die Fahrt ausgiebig als Freiheitseuphorie zelebriert wird. Manche Episoden spulen die Standards uninspiriert ab, andere gestalten sich einfallsreicher, verrückter, unerwartet. So der Auftritt als Stripper in einem Schwulenclub. In russischen Uniformen erscheinen sie auf der Bühne und reißen sich zu einer Techno-Pop-Version der DDR-Nationalhymne "Auferstanden aus Ruinen" die Kleider vom Leib.
Der Aufenthalt in einem Provinzstädtchen des Mittleren Westens wird zum Highlight des Trips. Dort führen Tom und Veit ihre mitgebrachten Super8-Filme vor, wagen es, den verblüfften US-Provinzlern, die die DDR für ein Phantasieland halten, ihren "Heimatfilm" zu zeigen. Als Botschafter einer eigentümlich bizarren und dem Untergang geweihten Zivilisation werden Tom und Veit sogar vom Bürgermeister empfangen - "Friendship!" erzählt von einem geheimen Einverständnis zwischen DDR-Provinz und US-Provinz.
Wenn sich die Reise schließlich San Francisco nähert, wird ein ernsterer Akkord angeschlagen. Denn will Veit nur deshalb nach San Francisco, weil sein Vater, der vor vielen Jahren aus der DDR floh, sich dort aufhalten soll. Das dramatische und politische Potential dieser Vatergeschichte wird allerdings nur angetippt. Die für "Friendship!" typische Szene spielt sich bei der Ankunft der Freunde in New York am Schalter der Passkontrolle ab.
Der Beamte stellt fest, dass die beiden aus Germany kommen und folgert sogleich: "You're Nazi!?" Die verblüfften Germans, immer noch erfüllt von Mauerfall-Partystimmung, antworten mit dem Genossen-Gruß und stottern: "Nein wir sind keine Nazis, wir sind Kommunisten, freie Kommunisten, free communists, friendship!" Woraufhin sie in einer Zelle zur erkennungsdienstlichen Behandlung landen. In der Anlage eigentlich eine reichlich alberne Szene. Schweighöfer und Mücke aber gelingt es, sie in einen fröhlichen Aberwitz zu treiben.
FRIENDSHIP!, D/USA 2009 - Regie: Markus Goller. Buch: Oliver Ziegenbalg. Kamera: Ueli Steiger. Musik: Martin Probst. Schnitt: Olivia Retzer. Mit: Matthias Schweighöfer, Friedrich Mücke, Alicja Bachleda, Kimberly J. Brown, Cameron Goodman. Sony, 108 Minuten.
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(SZ vom 14.01.2010/iko)