Kino: Exit Through The Gift Shop Der Kapuzenmann geht um

Realität oder brillante Verarschung: Die Dokumentation "Exit Through The Gift Shop" des britischen Provokateurs Banksy verwirrt: Wer ist eigentlich Thierry? Und kann ein Plot so gut und trotzdem wahr sein?

Von Tobias Kniebe

Die dümmste Ansage ist natürlich die, dass die Frage nach Wahrheit und Fiktion hier gar keine Rolle spielt.

Banksy ist einer der bedeutendsten Graffiti-Künstler weltweit. Seine wahre Identiät kennt kaum jemand. Dieses Versteckspiel setzt er jetzt in der Dokumentation "Exit Through the Gift Shop" fort.

(Foto: dpa)

Jeder zweite Text über "Exit Through The Gift Shop" zieht spätestens im letzten Drittel diesen großen, irre bequemen Pseudotrumpf aus der Tasche.

Vielleicht, heißt es dann, ist dies ein authentisch verwackelter Videoblick in die geheimen Werkstätten jener Sprayer, Popvandalen und Graffitigurus, die man heute unter dem Label "Street Art" so hübsch verkäuflich zusammenfasst.

Vielleicht aber auch nicht. Dann kann es nur ein irrer, herrlich inszenierter Großversuch zur Verführbarkeit - und ja, auch zur Dämlichkeit - der internationalen Kunstszene sein.

So oder so sehr lustig, heißt es. Ein echter Banksy halt.

Dabei ist diese Frage doch eigentlich hochspannend: Hat hier das Leben selbst einen aberwitzigen Plot geschrieben, der praktisch zu schön ist, um wahr zu sein? Oder ist der Künstler Banksy selbst als Debütant ein Autor und Regisseur von solcher Souveränität, dass er so ein Superding einfach zwischen zwei Rattenzeichnungen mal raushaut?

Man würde es doch zu gerne wissen. Aber einfach ist die Sache in der Tat nicht.

Der Film, der von nächster Woche an in den deutschen Kinos laufen wird, beginnt mit einer Einführung von Banksy. Auch hier, wie schon in seiner ganzen Künstlerkarriere, will er seine Identität auf keinen Fall preisgeben. Er setzt sich also im schwarzen Kapuzenshirt und mit schwarzen Hosen vor die Kamera. Auch das Gesicht ist völlig schwarz, die Stimme elektronisch verzerrt. Dennoch hört man einen harten Bristol-Akzent und einen staubtrockenen britischen Humor heraus. Banksy erklärt in knappen Worten, dass es gleich nur am Rand um ihn selbst gehen wird, der Star dieses Films sei nämlich ein französischer Video-Maniac aus Los Angeles namens Thierry Guetta.

Und Schnitt.

Thierry trägt schräge Hütchen und riesige Koteletten. Er kann nicht richtig Englisch. Er redet höchst prägnanten Unsinn daher. Entweder ist er ein genialer Naiver mit einem sehr großen Herzen - oder aber ein Reality-Komiker, der niemals aus der Rolle fällt und selbst "Borat"-Erfinder Sacha Baron Cohen wie einen Anfänger aussehen lässt. Erster Impuls: Dieser Thierry muss echt sein.