Von Fritz Göttler

Blut, Schweiß und Sperma und ein Held, der um seine nackte Existenz kämpft: In Mark Neveldines zweitem "Crank"-Film hat Jason Statham mal wieder Herzprobleme.

Höchstleistungssport in der High Society bietet dieser Film. Schießereien und Prügeleien natürlich am laufenden Meter, Verfolgungsjagden und einen Akt von Gerontophilie. Als Höhepunkt einen deftigen Liebesakt auf der Rennbahn von Hollywood, richtig auf freier Strecke, der zum Finish kommt, als die Pferde heranrasen und über das vom Publikum bejubelte Paar hinwegsetzen.

Bild vergrößern

Kein menschliches Herz mehr in der Brust: Jason Statham kämpft als Chev ums Überleben. (© Foto: dpa)

Anzeige

Blut, Schweiß und Sperma also, und ein Held, der um seine nackte Existenz kämpft. Am Anfang wird Chev Chelios von den Mitgliedern einer Triadengang vom Asphalt einer Straße in Los Angeles gekratzt - dort schlug er erwartungsgemäß auf, nachdem wir ihn am Ende des ersten "Crank"-Films im freien Fall aus einem Hubschrauber zurücklassen mussten. Drei Monate später kommt Chev wieder zu sich, man verwendet ihn nun als lebende Organspendebank und hat ihm fürs Erste das Herz herausoperiert - es schlägt nun in der Brust des rüstig-geilen alten Triadenopas Poon Dong, den David Carradine verkörpert.

Chev hat derweil ein mechanisches Herz eingesetzt bekommen, das er mit allen möglichen Tricks elektrisch immer wieder aufladen muss. Am einfachsten durch einen Griff in eine Starkstromleitung, zur Not auch durch Reibung mit anderen Menschenkörpern. Schön, dass er ziemlich bald seine Freundin Eve wieder trifft und ein paar Nutten, darunter die unverwüstliche Bai Ling, und andere Kumpel aus dem ersten Film, auf die er sich verlassen kann. Und die Filmemacher Mark Neveldine und Brian Taylor schaffen es tatsächlich, in Sekundenschnelle all diesen Figuren - so nervig und neurotisch, gedemütigt und geschunden sie auch sein mögen - Profil und Lebendigkeit zu verschaffen, wie in den großen Volksromanen, von Cervantes bis Dickens.

Den modernen Ritter von der traurigen Gestalt gibt erneut Jason Statham, das Unikum des postmodernen Actionkinos - neben ihm erscheint einem sogar Vin Diesel, der soeben im vierten "Fast & Furious"-Film brilliert, als ein Muster an Eleganz und Wendigkeit. Statham, der einst als Model zum Kino kam, ist nun der Prototyp des Actionprolls, ungestüm, ungeschlacht, unrasiert, unverschämt, in schlabbrigen Klamotten.

Blindlings stampft er durch seine Filme, ohne Gespür für die Beherrschung von Raum und Zeit, nimmt seine Gegner als Punchingball. Er hat einfach keine Zeit für die Spielregeln der Genres, für die Kunst des Vorspiels ... In einem der erbitterten Zweikämpfe verwandeln sich die Gegner in archaische Kämpfer aus der japanischen Godzilla-Furankenshutain-Horror-Factory, die mit müden, beinah resignativen Bewegungen ein paar Strommasten abknicken. Diese Monster, das waren schon immer die großen Loser der Kinogeschichte.

CRANK 2: HIGH VOLTAGE, USA 2009 - Regie: Mark Neveldine, Brian Taylor. Kamera: Brandon Trost. Schnitt: Marc Jakubowicz, Fernando Villena. Mit: Jason Statham, Amy Smart, Corey Haim, Bai Ling, Dwight Yoakam, Efren Ramirez. Universum, 95 Minuten.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Modernisierung der Tomaten

In seinem Roman „Canale Mussolini“ erzählt Antonio Pennachi von der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe im italienischen Faschismus. Jetzt lesen ...

(SZ vom 17.04.2009/irup)