SZ: Die ARD hat auch wegen turbulenter Geschichten einen schlechten Ruf - Schleichwerbefälle der Produktionsfirma Bavaria, dubiose Verträge mit Jan Ullrich oder Debatten über Verträge für Programmchef Günter Struve und Sport-Koordinator Hagen Boßdorf.

Anzeige

Plog: Man muss aber unterscheiden zwischen der ARD und den einzelnen Landesrundfunkanstalten. Im NDR hatten wir einen Schleichwerbefall: Der Mann ist fristlos rausgeflogen. Die ARD hatte Probleme bei der Bavaria, die von vier Anstalten getragen wird - die Sache ist geregelt. Verträge mit Sportlern wird es nicht mehr geben, das sind die Lehren aus dem Ullrich-Fall. Schwierigkeiten tauchen noch im Vorabendprogramm auf: Hier gibt es in Teilbereichen Unklarheiten bei der Zuständigkeit, insbesondere bei Programmfüllern wie den Neunzig-Sekunden-Einspielern Deutschland-Walk, die von einzelnen Sendern zugeliefert werden. Ich glaube, der Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen muss über den gesamten Vorabend volle Kontrolle haben - und volle Verantwortung.

SZ: Und wird mit einem neuen Vertrag belohnt, der ihn 18 Monate länger, bis Herbst 2008, arbeiten lässt.

Plog: Meine Güte, diese anderthalb Jahre - Günter Struve hat sich nicht unbedingt danach gedrängt. Die ARD war zu einer zügigen Nachfolgeentscheidung nicht imstande. 2007 und 2008 wird mit dem Saarländischen Rundfunk erstmals eine kleine Anstalt den ARD-Vorsitz inne haben - da erschien es allen als sinnvoll, ein paar Streben der Kontinuität zu erhalten. So kam es zur Entscheidung pro Struve. Er hat für die ARD erfolgreich Mehrheitsprogramme geschaffen.

SZ: Struve hat zum Beispiel in Eigenregie den gut dotierten Vertrag mit Harald Schmidt geregelt - an Rundfunkräten und den meisten Intendanten vorbei.

Plog: Es muss natürlich eine Rückkopplung mit den Gremien geben. Andererseits brauchen Sie, wenn Sie Leute wie Schmidt holen wollen, ein hohes Maß an Vertraulichkeit. Keiner dieser Protagonisten möchte, dass seine Einkommensdetails in Zeitungen dargestellt werden. Wir müssen den Stars in Bezug auf Diskretion die gleichen Bedingungen garantieren, die sie bei den Privaten haben.

SZ: Beruhigt das den RTL-Star Günther Jauch, der in einem Jahr für vermutlich viel Geld am Sonntag die Nachfolge von Sabine Christiansen antreten soll?

Plog: Bei Jauch wird man gar nicht anders können, als die wichtigsten Eckpunkte des Vertrags den Aufsichtsgremien vorzustellen. Der NDR hat die Federführung in der Sache, aber ich informiere die Intendantenkollegen im Detail.

SZ: Wann ist der Vertrag fertig?

Plog: Vermutlich im November. Es sieht so aus, als ob es klappt. Die Doll-punkte müssten in Kürze geklärt sein.

SZ: Wird Jauch über die Filmfirma Degeto bezahlt - so wie Harald Schmidt?

Plog: Nein, alle Sender bezahlen ihn. Das Grundprinzip muss Gemeinschaftsfinanzierung sein. Nur wenn einer nicht zahlen kann, werden andere helfen müssen. Das wird ein Vertrag wie bei Sandra Maischberger oder Reinhold Beckmann. Wenn einer der Protagonisten einen Werbevertrag eingehen will, darf das inhaltlich nicht mit der Arbeit für die ARD kollidieren. Wir müssen das genehmigen, alles muss transparent sein.

SZ: Ist der ARD-Talk für Jauch nur ein lukrativer Nebenjob? Immerhin will er bei RTL weiter groß im Bild sein.

Plog: Da müssen wir vom Ist-Stand ausgehen. Jauch macht Sendungen, die er wegen der ARD-Talksendung nicht sofort abgeben wird. Wie das in Zukunft weitergeht, wird man ihm und uns überlassen müssen. Lassen Sie es doch mal anlaufen! Ich verstehe, dass Jauch sagt, er sei bei RTL ordentlich behandelt worden und haue nicht gleich in den Sack.

SZ: Jauchs Vertrag für Stern-TV auf RTL endet Mitte 2008. Was wird daraus?

Plog: Das wird sicherlich Gesprächsthema sein. Jauch sollte woanders kein journalistisches Format haben. Mit Wer wird Millionär? haben wir kein Problem - außer, dass wir die Show mit ihren guten Quoten gerne bei uns hätten.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. "Das ist nicht darstellbar"
  2. Sie lesen jetzt "Das ist nicht darstellbar"
Leser empfehlen 

(Quelle: Süddeutsche Zeitung Nr.239, Dienstag, den 17. Oktober 2006)