sueddeutsche.de: Apropos Sido auf Pro7: In dem Song "15 Minutes of Fame" teilen Sie Seitenhiebe auf Castingshows aus. Ihr Manager, Bär Läsker, ist allerdings Jurymitglied bei DSDS - wie passt das zusammen?

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Thomas D.: Der Bär hat ja eigentlich nur die Aufgabe, uns mit der Industrie zusammenzubringen, er verbindet Musik und Marken. Das hat rein gar nichts mit Kunst zu tun. Er macht das Geschäft und redet uns nicht in die Kunst rein. Ich würde auch nie da sitzen können, in so einer Jury, denn ich könnte nur das Künstlerische beurteilen und nicht, ob sich etwas verkaufen lässt. Aber ich sag ja auch gar nicht, dass man zu solchen Castingshows nicht hingehen soll, ich sage nur, dass man es nicht zu ernst nehmen soll. Eine Karriere ist lebenslange Arbeit und jeder Schritt ist entscheidend, nicht nur der erste. Aber ich guck die Shows schon gerne und amüsiere mich immer königlich.

sueddeutsche.de: Im Dezember gehen Sie alleine mit dem neuen Album auf Tour. Was wird der Unterschied zu einer Tour mit der Band sein?

Thomas D.: Ich habe viele kleinere Klubs gebucht. Ich will eine Atmosphäre haben, die man als Zuschauer auch greifen kann. Da gibt's kein Konzept. Die Leute sollen danach einfach verschwitzt und leicht angetrunken in die Nacht taumeln und hoffentlich ein bisschen mehr, als nur einen schönen Abend mitgenommen haben. Ich bin gespannt und freue mich schon riesig darauf, zum Beispiel "Rückenwind" so oft zu performen, bis es mir zum Hals raushängt.

sueddeutsche.de: Wird es auch im Alter von 60 Jahren einen Thomas D. geben, der oben ohne auf der Bühne herumspringt und seine neuesten Tattoos präsentiert?

Thomas D.: Bestimmt, aber da gucken dann alle weg! Ich will definitiv so lange Musik machen, wie ich mich danach fühle. Vielleicht wollen mich die Leute irgendwann nicht mehr sehen, oder ich kriege im Altersheim keinen Ausgang mehr.

sueddeutsche.de: Im Dezember werden Sie 40. Ist dieser Geburtstag etwas Besonderes für Sie?

Thomas D.: Eigentlich ist es nicht so besonders. Obwohl ich mal gehört habe, dass alle Leute, die einen runden Geburtstag haben, so tun, als sei es nichts Besonderes. Nein, ich will schon ganz groß feiern. Es soll eine mehrtägige Mottoparty werden. Ich weiß nur noch kein Motto ...

sueddeutsche.de: Sie leben in einer ländlichen Kommune in der Eifel - wie kann man sich das vorstellen? Kümmert sich jeder um die Kinder des anderen?

Thomas D.: Schön wär's. Das habe ich letztens vorgeschlagen! Wir sind drei Kinder und vier Erwachsene, da könnte doch immer ein Erwachsener alle Kinder haben. Aber nein, die anderen waren dagegen. Es ist sehr ländlich dort, wir haben zwei Schweine, einen Stall und eine Scheune, die jetzt allerdings gerade zum Musikstudio umgebaut wird. Die anderen Jungs von den Fantastischen Vier verbringen übrigens auch ganz gerne Zeit bei uns auf dem Land. Das erste Probenwochenende vor einem neuen Album findet traditionell in der Eifel statt.

sueddeutsche.de: Nächstes Jahr feiern Sie 20-jähriges Band-Jubiläum mit den Fantastischen Vier. Wenn Sie zurückblicken, welcher Moment in Ihrer Karriere ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Thomas D.: Uh, schwer. Schwimmbadclub in Heidelberg kurz nach "Die da" vielleicht. In das Teil passen normalerweise 300 Leute rein und 1500 standen davor. Das war so ein Moment, in dem wir gedacht haben: "Wow, jetzt haben wir's geschafft!". Oder das erste Mal in der Stuttgarter Schleyerhalle vor 8000 Menschen. Vier Jahre davor war ich nämlich selbst dort bei einem Konzert von Peter Gabriel und hatte eine Vision: Ich wusste, dass ich auf der falschen Seite stand! Der Peter Gabriel hatte frische Luft, Getränke und alle haben ihn angeguckt. Und ich stand in der schwitzigen Menge, war viel zu klein, konnte nichts sehen und wusste: Ich muss auch da hoch. So ist es dann auch gekommen.

Thomas D. heißt mit bürgerlichem Namen Thomas Dürr und wurde am 30. Dezember 1968 in Ditzingen geboren. Anfang der neunziger Jahre wurde er mit der Hip-Hop Band "Die fantastischen Vier" bekannt und verhalf dem deutschen Rap zur Mainstream-Tauglichkeit. Dürr ist seit 2003 verheiratet und lebt mit seiner Frau und den Kindern Lya (5) und Max (acht Monate) in einer Kommune auf dem Land in der Eifel. Sein drittes Soloalbum "Kennzeichen D" ist soeben erschienen.

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(sueddeutsche.de/rus/bgr)