Von SZaW

"Ich bin stolz auf die deutsche Kultur", sagt Sir Peter Jonas, der Direktor der Bayerischen Staatsoper in München. Und das, obwohl sich sein vor den Nazis geflohener Vater weigerte, je wieder Deutsch zu sprechen. Ein Interview von Willi Winkler

Sir Peter Jonas, 1946 in London geboren, stammt väterlicherseits aus einer jüdischen Familie. Sein Großvater nahm 1939 Gift, als ihn die Gestapo holen wollte. Sein Vater konnte rechtzeitig entkommen und weigerte sich fortan, je wieder Deutsch zu sprechen. Nach seinem Literatur- und Musikstudium wurde Jonas Assistent des Dirigenten Sir Georg Solti beim Chicago Symphony Orchestra, zu dessen künstlerischem Leiter er bereits 1976 aufstieg. Anschließend wurde er Direktor der Englischen Nationaloper. Seit 1993 ist Jonas Direktor der Bayerischen Staatsoper in München. Nebenbei unterrichtet er an der St. Gallener Hochschule Kulturmanagement und zieht in München für seine Oper den Sponsoren das Geld aus der Tasche.

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"Es gibt ein Geheimnis, ich weiß es genau - und vielleicht komme ich noch drauf." (© Foto: dpa)

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SZaW: Sir Peter, man kann als Deutscher nicht stolz sein auf sein Land. Ist das nicht unfair?

Sir Peter: Natürlich ist es unfair, aber auch nicht zu ändern. Die Engländer können bei der "Last Night of the Proms" Tausende von Fähnchen schwenken und "Rule Britannia" singen; die Italiener oder Franzosen dürfen bei jedem Fußballspiel mit ihren Fahnen wedeln und hinterher Autokorso fahren, ganz zu schweigen von den Amerikanern, aber Sie werden nicht so einen Deutschen mit dem deutschen Adler oder der deutschen Fahne sehen. Selbst die Fußballnationalmannschaft tritt in Schwarzweiß statt in Schwarzrotgold auf.

SZaW: Das ist ungerecht.

Sir Peter: Diese Erfahrung habe ich bereits gemacht, als ich mit sechs Jahren in ein Benediktiner-Internat kam. Die beste Stunde war immer der Kunstunterricht, wenn ich Flugzeuge und Schlachtschiffe malen durfte. Der Kunsterzieher kam immer zu spät, und in der Zwischenzeit haben ein paar Jungs herumgetobt. Der Lehrer streckte seinen Zeigefinger aus und machte: "Du, du und du!", und die Angesprochenen wurden dann verprügelt. Immer war ich dabei, dabei war ich der ruhigste. "Das ist nicht fair!" rief ich, worauf er nur erwiderte: "Life is not fair, my boy!"

SZaW: Diese rüden Erziehungsmethoden verbindet man ja eher mit dem wilhelminischen Deutschland.

Sir Peter: England war der Meister darin. Die Deutschen sind nicht so hart.

SZaW: Aber sie waren es.

Sir Peter: Die Deutschen sind ziemliche Mimosen. In Deutschland wurde viel früher als in England die Zentralheizung installiert, und noch heute lebt es sich in Deutschland angenehmer als in England.

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