SZ: Er konnte seinen Feinden vergeben - nicht aus Berechnung, sondern aus Einsicht heraus. Sehen Sie das auch so?
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Freeman: Mandela verbrachte 27 Jahre im Gefängnis. Er wusste von Anfang an, dass er seine Wächter für sich gewinnen musste. War das Berechnung? "Sie werden mich als ,Mister' anreden", hat er gesagt. Jedenfalls gab es seiner Meinung nach keine andere Möglichkeit, gegen das System anzukommen. Wenn er im Gefängnis erfuhr, dass ein Wächter ein krankes Kind hatte oder eine Frau, der's nicht gut ging, dann prägte er sich das ein und fragte die Wachen stets danach. Verstehen Sie: da unterscheiden sich Berechnung und praktisches Vergeben noch nicht. Aber Sie sahen ja im Film, wie er sich am Tag seines Amtsantritts den Weißen gegenüber verhielt. Das war mehr als bewundernswert; schon fast ein Wunder, eines, das heilende Wirkung hatte. Kann ich das nachvollziehen? Ich selbst kann durchaus vergeben. Vergessen - das fällt mir schwer.
SZ: Schleicht sich nach Unforgiven - das ist ja schon 17 Jahre her - und Million Dollar Baby bei Ihrer Zusammenarbeit mit Eastwood eine Art Routine ein?
Freeman: Kann ich Ihnen genau sagen. Das geht so: Morgan erscheint pünktlich am Drehort. Eastwood fragt: "Wie geht's?" Ich sage: "Okay." Er sagt: "Okay, dann weiß du ja, was das ist." Dabei deutet er auf eine Szene im Script. Ich antworte: "Weiß ich." Clint sagt: "Dann lass uns drehen." Wir filmen die Szene, und Clint ruft: "Stop. Okay, die nehmen wir." Sie sehen, wir machen nicht viel Worte.
SZ: Und so lief's zwischen Eastwood und Morgan schon immer?
Freeman: Nein. Erst seit Million Dollar Baby. Anfangs ... - mein Gott, er ist ja immerhin Clint Eastwood! -, anfangs hab ich wohl versucht, ihn auf meinen Hausaltar zu hieven. Aber da wollte er nicht rauf. Clint ist keiner, der sich von Mitarbeitern vergöttern lässt. Als ich das endlich kapiert hatte, lief alles problemlos. Wir juxten viel rum zwischen den Takes. Ich hielt wegen des Unfalls die Linke in den Himmel, um die Schwellung zu lindern. Damit zog er mich endlos auf.
SZ: Hatten Sie den Arm gebrochen?
Freeman: Stammt vom August 2008. Da verlor ich die Kontrolle über den Wagen. Ich war am Steuer eingeschlafen, oder hatte kurz das Bewusstsein verloren, ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls überschlug sich der verdammte Wagen mehrere Male in verschiedene Richtungen und beschädigte vor allem die linke Körperhälfte. Aber das war damals. Reden wir von jetzt. Reden wir vom Film.
SZ: Nelson Mandela erhielt 1993 den Nobelpreis. Obama nahm ihn letzten Dezember entgegen ...
Freeman: Das läuft auf eine politische Frage raus. Sie werden mich in Schwierigkeiten bringen. Ich bin nur ein Wanderschauspieler und sollte mich in der Öffentlichkeit politischer Urteile enthalten.
SZ: Dabei haben Sie Kollegen, die beide - Mandela und Obama - vergleichen.
Freeman: Na, hören Sie mal: da enden alle Vergleiche. Die Mandelas der Weltgeschichte kann man an einer Hand abzählen. Mahatma Gandhi fällt mir, wenn ich zurückdenke, als Nächster ein. Wir reden von Menschen, die die Welt nicht mit Gewalt, sondern kraft ihrer Persönlichkeit verändert haben. Über Obama ist in dieser Hinsicht noch nicht zu urteilen. Ich glaube, man gab ihm den Nobelpreis für seine Absichten, seine Gesinnung. Nicht für errungene Taten. Uns bleibt nur zu hoffen, dass er den Kurs hält.
SZ: Sie kennen Südafrika gut. Was ist aus Mandelas Vermächtnis geworden?
Freeman: Dieses Erbe lebt - und es besitzt immer noch Wirkung, bringt die Menschen zusammen. Ich selbst habe inzwischen meinen eigenen Traum, was Südafrika angeht.
SZ: Und der wäre?
Freeman: Ein weißer Präsident. Damit würde sich der Kreis schließen. Jemand, der ganz Südafrika davon überzeugen könnte, dass er der richtige Mann ist. Wie es hier, in Amerika, geschehen ist.
Im Video: Tausende haben in Kapstadt mit einem symbolischen Marsch den 20. Jahrestag von Nelson Mandelas Freilassung aus dem Gefängnis wiederholt.
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(SZ vom 11.02.2010/kred)
Venizelos kritisiert IWF-Chefin
Nelson Mandela hat Südafrika mehr gegeben, als alle anderen Staatsmänner jemals zuvor - seine persönliche Freiheit für die Demokratie und Menschenrechte. Sein politisches Engagement für die Abschaffung der Apartheid, die jahrzehntelange Gefangenschaft und seine Politik der Versöhnung wiegen als gewichtige Erben. Jedoch erachte ich es als sehr traurig an, dass Mandelas Nachfolger nicht durch gute Taten von sich sprechen machen konnten, sondern eher durch Misstaten, etwa Vorwürfe hinsichtlich von Vergewaltigung, Untreue, Korruption etc. Für weitere Hintergrundwissen bitte folgende URL anklicken:
http://2010sdafrika.wordpress.com/