SZ: Wird 2009 ein großes Talkshowjahr?

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Illner: Aber klar. Werte, Grundüberzeugungen werden in Frage gestellt, von denen wir vor drei Jahren nicht glaubten, dass wir sie in Frage stellen würden. Mit wem werden wir noch solidarisch sein? Warum gehören Wohlstand und Demokratie in der Welt nicht mehr zwangsläufig zusammen?

SZ: Hilft Ihnen bei der Behandlung solcher Grundsätze, dass Sie in der DDR aufwuchsen und schon einmal, 1989, einen Systemwechsel erlebt haben?

Illner: Bestimmt. Das relativiert manches. Es macht mich nicht so erschrocken über die eine oder andere tiefe Veränderung.

SZ: Kann Politik, wie sie in Talkshows vermittelt wird, überhaupt noch etwas bewirken?

Illner: Wir wollen doch nicht die Welt verändern! Wir konfrontieren Politiker mit dem Leben, mit ihren Wählern.

SZ: Was ganz anderes: Demnächst wird Maybrit Illner zeitgleich bei YouTube gestreamt. Rechnen Sie mit relevanter Resonanz?

Illner: Natürlich. Da kommt zusammen, was zusammengehört. Unsere Versuche, so etwas wie eine direkte Bindung zum Fernsehpublikum aufzubauen, sind bisher grandios gescheitert. Mit Google/YouTube, der erfolgreichsten Internet-Plattform der Welt, werden wir das schaffen. Keine hundert Zettel mehr auf dem Schoß der Moderatorin. Wir haben einen Maybrit-Illner-Kanal, auf dem unsere Zuschauer ihre Fragen als Videoclip hochladen und mitdiskutieren können. In der kommenden Woche wird es die erste Sendung dieser Art geben. Wir machen nach Web 2.0 jetzt TV 2.0.

SZ: Sehr plebiszitär.

Illner: Ja, das ist kaum zu toppen. Natürlich werden wir nicht alle Clips in die Sendung nehmen können, aber wir sind froh, wenn drängende Fragen ein Gesicht bekommen oder wenn Fragen auftauchen, auf die wir selbst nicht gekommen sind.

SZ: Wie wichtig nehmen Sie Konkurrenzvergleich?

Illner: Wichtig. Natürlich messen wir uns aneinander. Das ist sportlich und fair.

SZ: Wie schneiden Sie ab?

Illner: Prächtig. Wir trauen uns was und haben damit auch noch Erfolg. Wir hatten ein sehr gutes Jahr 2008, konnten unseren Marktanteil auf 12,7 Prozent verbessern, lagen damit nur 0,1 Prozent hinter Anne Will und nennenswert vor Frank Plasberg. Im Übrigen ist die Konstellation, die die ARD für die beiden Kollegen gewählt hat, nicht wirklich gut.

SZ: Anne Will möchte Volkshochschule sein. Frank Plasberg will Politiker, Manager, eigentlich jeden mit sich selbst konfrontieren. Was wollen Sie?

Illner: Antworten. Also frage ich so lange, bis ich sie kriege. Politiker, Funktionäre, Manager haben Verantwortung, und in "Verantwortung" steckt "antworten".

SZ: Beschweren sich Politiker nach der Sendung über den Umgang mit ihnen, Ihren Umgang mit ihnen?

Illner: Das kommt vor.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Maybritt Illner von Ihrem Lebensgefährten René Obermann gelernt hat.

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