SZ: "Max Payne" hat ja auch was von "Ein Mann sieht rot" mit Charles Bronson.
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Wahlberg: Der ist eins der Vorbilder für den Film, außerdem Steve McQueen, die "Dirty Harry"-Filme mit Clint Eastwood. Das sind auch die Helden, mit denen ich aufgewachsen bin. Mit den Clark Gables oder Cary Grants dieser Welt konnte ich mich nie identifizieren. Sie waren nicht die Sorte Mensch, die ich kannte. Clark Gable oder Cary Grant hauten einem nicht in die Fresse. Sie hätten einem auch nicht die Freundin weggenommen.
SZ: Sie wirken ruhig und beherrscht. Da kann man sich auch vorstellen, dass Sie sich bewusst vom Leben als Krimineller verabschiedet haben.
Wahlberg: Ich war einfach nicht gern im Gefängnis. Ich konnte es nicht ertragen, dass mir jemand sagt, wann ich ins Bett muss oder wann ich aufstehen oder wann ich essen soll. Es gefiel mir nicht, dass ich nicht mit meiner Freundin zusammen sein durfte. Am wenigsten hatte ich Lust darauf, mit Kerlen zusammen eingesperrt zu sein.
SZ: Verständlich.
Wahlberg: Das sagen Sie, aber es gibt Leute, die fühlen sich im Gefängnis bei den Jungs wohler. Alle, die ich damals bewunderte, die eine gutaussehende Freundin hatten und ein tolles Auto besaßen, ein unrechtmäßig erworbenes Auto natürlich, saßen im Knast. Ich hatte mein Ziel früh erreicht: Ich war einer von den Jungs geworden, einer von den harten Burschen. Ich wurde respektiert, weil ich schnell einen Kampf anfangen konnte, weil ich zuschlagen konnte, aber als ich es dann so weit gebracht hatte, sagte ich mir: "Verdammt noch mal, das ist doch kein Leben!"
SZ: Das klingt wie ein Erweckungserlebnis.
Wahlberg: Ich liebe die Freiheit. Als ich dann aufwachte und lang genug nüchtern war, wurde mir klar, dass ich Leuten wehtat, die unschuldig waren, die nichts dafür konnten, dass ich meine Eltern verletzt hatte. Da habe ich mein Leben geändert. Natürlich hatte man mir beigebracht, dass ich ein guter Mensch sein sollte, aber ich war immer leicht durch die Aufregung zu versuchen, die sich an der Straßenecke bot.
SZ: Diese Versuchung besteht nicht mehr?
Wahlberg: Nein.
SZ: Es ist ganz vorbei?
Wahlberg: Ja.
SZ: Denken Sie manchmal an Kate Moss zurück, mit der Sie bei Calvin Klein Reklame gemacht haben?
Wahlberg: Kate hatte eine tolle Karriere, seit wir die Unterwäsche-Werbung gemacht haben. Aber ich war immer etwas enttäuscht. Dieser Modellook entsprach nie meinem Geschmack. Ich mag mehr die kräftigeren Frauen, die was vorzeigen. Bei ihr dachte ich immer: "Wer ist dieser zwölfjährige Knabe?" Aber sie hat ein sehr schönes Gesicht. Ich weiß schon, dass sie damals alle diesen Typ haben wollten, aber ich hoffte die ganze Zeit auf Fotoaufnahmen mit einer halbnackten Frau, die mich mehr anziehen würde. Nein, Kate ist eine sehr schöne Frau, allerdings scheint sie, obwohl sie ein Kind hat, noch immer mit dem Lifestyle der Models zu kämpfen: Rockstars, Partys, Drogen.
SZ: Sie haben was aus sich gemacht und sich für den richtigen Weg entschieden: nicht Gangster, nicht Musiker, nicht Model, sondern Schauspieler.
Wahlberg: Ich komme mir nicht wie ein Model vor. Ich habe genau zweimal Fotoaufnahmen gemacht, beide dauerten jeweils ungefähr eineinhalb Stunden.
SZ: Mehr nicht?
Wahlberg: Und dann noch einen Werbefilm, was mehr oder weniger wie ein Videoclip war. Ich stand da, sagte ein paar Worte, und das war's auch schon. Das mache ich noch heute jedes Mal, wenn ein neuer Film rauskommt. Ich frage Sie: Macht mich das zu einem Model?
SZ: Sie wurden doch weltberühmt durch die Werbung.
Wahlberg: Das bisschen Werbung, ja. Einmal bin ich noch bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung für Calvin Klein über den Laufsteg getapert. Kate Moss war auch da. Mir war sehr unwohl dabei. Eine Horde Jungs in Unterhosen - furchtbar! Ich bin einfach raus und durch. Aber da hat mich eben auch die Regisseurin Penny Marshall gesehen, und sie engagierte mich dann für ihren ersten Film.
SZ: Und somit waren Sie endlich auf dem richtigen Weg.
Wahlberg: Ja, es war schon richtig. Das Modeldasein hat mir bei meiner weiteren Karriere geschadet, aber auch geholfen. Nichts geschieht ohne Grund. Alles folgt einem großen Plan. Wenn man ein ernsthafter, ein respektierter Schauspieler werden will, tut man sich mit derlei Altlasten natürlich schwer. Aber man kann sich langsam nach oben arbeiten und allmählich zum Erfolg kommen, Rolle um Rolle.
SZ: Mit Jimmy Cagney im Rücken.
Wahlberg: Yeah. "Ma, top of the world!"
Mark Wahlberg wurde 1971 im Bostoner Arbeiterviertel Dorchester geboren und war auf dem Weg, eine Karriere als Gangster einzuschlagen, als ihn ein Gefängnisaufenthalt zur Vernunft brachte. Als Marky Mark gelangte er mit dem Song "Good Vibrations" zu frühem Ruhm. Sein Bild ging um die Welt, als er nur mit einer Unterhose bekleidet für den Fotografen Herb Ritts posierte. Spätestens seit "Boogie Nights" (1997) gilt Wahlberg als seriöser Schauspieler. In Erinnerung an seine verkorkste Jugend gründete er die "Mark Wahlberg Youth Foundation". Wahlberg lebt mit dem Fotomodell Rhea Durham zusammen; die beiden haben drei Kinder. Im Kino ist er derzeit in dem Film "Max Payne" zu sehen.
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(SZaW vom 22./23.11.2008/jb)