Regisseur Joe Wright spricht über Actionkino, verlogenen Feminismus und seinen neuen Film "Wer ist Hanna?", in dem Cate Blanchett und eine kindliche Kampfmaschine die Hauptrollen spielen.
Bisher hat er Literatur von Jane Austen bis Ian McEwan verfilmt, demnächst wird er Tolstois "Anna Karenina" drehen. Dazwischen aber wagt der Brite Joe Wright einen Ausbruch: In seinem neuen Film "Wer ist Hanna?" arbeitet er zum ersten Mal mit einem Originaldrehbuch, das der Action-Phantasie von der weiblichen Killerin eine neue, beinah ätherische Dimension hinzufügt.
Bild vergrößern
Hanna (Saoirse Ronan) wird in der Wildnis von ihrem Vater zur Agentin ausgebildet. Sie ist eine Art "Wolfskind", das, in der Zivilisation angekommen, gleich einen Kampf auf Leben und Tod austragen muss. (© Sony)
Anzeige
SZ: Mr. Wright, wie passt dieser Film zu Ihren ganzen Literaturverfilmungen?
Joe Wright: Da muss ich gestehen - das Ganze war gar nicht meine Idee. Meine 17-jährige Hauptdarstellerin Saoirse Ronan hat mir das Skript geschickt und mich als Regisseur vorgeschlagen. Sie hat ja schon in "Abbitte" für mich gespielt und dafür eine Oscarnominierung bekommen - so was verbindet natürlich. Actionszenen zu inszenieren, war Neuland für mich. Das hat mich zunächst stark beunruhigt. Dann habe ich einfach beschlossen, von etwas auszugehen, was ich kenne - das waren die Tanzszenen in meinen Literaturverfilmungen.
SZ: Trotzdem müssen Sie doch auch eine eigene Faszination für das Thema entwickelt haben?
Wright: Jeder Film ist ein Experiment. In diesem Fall haben mich die Herausforderungen interessiert, die sich durch eine Figur wie Hanna ergeben, die zugleich Kind und Kampfmaschine ist. Außerdem habe ich ein besonderes Faible für Kaspar-Hauser-Figuren wie Mr. Chance in "Being There" oder auch E.T. - diese Figuren, bei denen man den Eindruck hat, jemand habe sie ohne Vorwarnung und Vorbereitung in die Welt geworfen, weshalb sie diesen besonderen Blick für all die Absurditäten und Wunder unserer Zivilisation haben.
SZ: Die Erschaffung einer Welt durch die Wahrnehmung eines Helden...
Wright: Genau. Ich mache das natürlich nicht bewusst, aber mir wird langsam klar, dass es in all meinen Filmen jemanden gibt, der in gewisser Weise Außenseiter ist, der versucht, sich in der Welt zurechtzufinden, mit den Widersprüchen zwischen dem inneren und dem äußeren Leben klarzukommen.
SZ: Sehen Sie sich auch selbst in dieser Position - als Außenseiter?
Wright: Ich bin in einem Puppentheater in Islington aufgewachsen, an einem sehr magischen Ort. Theater und Werkstatt waren direkt in unserem Haus. Das war ein sehr abgeschlossenes, kleines Königreich, aus dem man sich selten herauswagte, weil es dafür gar keinen Grund gab - es war ja alles da. Als ich dann in dieser rauen Gegend in die Schule kam, war das ein ziemlicher Schock. Ich kam aus dieser behüteten Welt mit kreativen, liebenswerten und gutmütigen Menschen in die harsche Realität. In meiner Arbeit versuche ich wohl noch immer, diesen Widerspruch aufzulösen.
Lesen Sie weiter auf Seite 2, warum Joe Wright wütend auf den Feminismus ist.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Im Kino: Wer ist Hanna? Androgyne Killerfee 26.05.2011
- Im Gespräch: Diane Kruger "Ich träume, also bin ich" 08.05.2011
- Jodie Foster über ihren Film "Der Biber" "Er ist eindeutig verrückt" 19.05.2011
- Im Gespräch: Emily Watson Vom Hunger nach Aufmerksamkeit 15.05.2011
- Regisseur Cyril Tuschi "Ich kann nicht immer Angst haben" 12.05.2011
Umweltstiftung WWF in der Kritik