"Viel Geschrei um einen Eierkuchen": Dieter Hildebrandt erklärt, warum er dem Parodisten Mathias Richling die Verwendung des Titels "Scheibenwischer" verbietet.
1980 brachte die ARD den "Scheibenwischer" ins Programm, ein politisches Kabarett, für das Dieter Hildebrandt stand. Nun wird der Parodist Mathias Richling die Sendung verantwortlich fortführen, allerdings unter anderem Titel. Hildebrandt, 81, ließ "Scheibenwischer", seine Erfindung, verbieten. Richling, meint Hildebrandt, öffne sich zu sehr der Comedy.
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Dieter Hildebrandt: Vorzeigekabarettist der ARD. (© Foto: dpa)
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SZ: Herr Hildebrandt, Ihr Kollege Mathias Richling wirft Ihnen "Humor-Fundamentalismus" vor - und sieht Sie als Kabarett-Papst. Was sagen Sie?
Dieter Hildebrandt: Es gibt ein Drama von Shakespeare mit dem schönen Titel "Much Ado About Nothing", sehr frei übersetzt: Viel Geschrei um einen Eierkuchen. Der Anlass für meinen Entschluss, den Titel Scheibenwischer einzukassieren, kam doch von ihm. Unvorsichtigerweise hat Mathias Richling ja vor der Sendung mitgeteilt, was er damit vorhat. Ich hab' das aufmerksam gelesen und dann gesagt: Okay, dann brauchen sie diesen Titel nicht mehr. Und weil ich weiß, dass so was nur mit Anwalt geht, hab' ich das eben mit Anwalt gemacht.
SZ: Das fand Herr Richling nicht nett.
Hildebrandt: Er hat mich angerufen, als der Anwalt eingeschritten war - das hat ihn sehr erregt. Und ich habe ihm meinen Entschluss erklärt: "Ich finde es falsch, dass du die Grenzen des politischen Kabaretts, die früher ja auch nicht immer so eng waren, in Richtung Comedy öffnest." Wer diese Grenzen noch weiter aufmacht, schafft eine unsägliche Mischung aus Kasperei und Aussage. Das hat den Richling sehr, sehr getroffen. Ich versteh' das nicht. Er hätte sich ja gleich einen neuen Titel einfallen lassen können, von mir aus Scheibenkleister oder irgendetwas Originelles.
SZ: Vielleicht wollte Richling mit dem Streit Aufmerksamkeit provozieren?
Hildebrandt: Dann hat er aber Pech gehabt, weil er mir auch einen PR-Effekt beschert hat! Ich bin gerade unterwegs auf Tournee mit meinem Buch "Nie wieder achtzig!" und brauche ebenfalls volle Säle für mein Programm.
SZ: Im neuen Satiregipfel wird auch Ingolf Lück auftreten.
Hildebrandt: Ja, der nie von sich behauptet hat, ein politischer Kabarettist zu sein. Ich habe Ingolf Lück immer als hervorragenden Comedian angenommen. An ihm habe ich gar nichts auszusetzen. Ich mag nur nicht, dass man diesen Leuten jetzt politische Texte aufdrängt, die sie vielleicht gar nicht wollten. Das wäre dann die Vercomedianisierung des Kabaretts, obwohl ich auch das nicht so unglaublich schlimm finde. Ich hege keine päpstlichen Gefühle für die Reinheit der Lehre - mir geht es nur darum, zu verhindern, dass ein Titel, der seit 1980 für politisches Kabarett steht, einen komplett anderen Inhalt bekommt.
Erfahren Sie auf der nächsten Seite, wo die Grenzen zwischen Kabarett und Comedy liegen.
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65. Filmfestspiele Cannes
Bei Bruno Jonas wartete man immer minutenlang auf Pointen, aber er landete regelmäßig im Nichts, obwohl er weit weit ausgeholt hatte. Und Hildebrandt ist nur für die SPD akltiv, macht dieselben Sprüche gegen Union, FDP und Linke wie die SPD-Parteizentrale, wird von der SPD als Wahlmann für Schwan aufgestellt. Ein derart einseitiges Kabarett wie seines haben wir lange genug ertragen. Wahlwerbung für die SPD im öffenlich.-rechtlichen TV, ganze 45 Minuten lang und das von gebührengeldern: Das ist die Folge, wenn sich die SPD einen Sender Untertan gemacht hat. Ich bin froh, dass Hildebrandt endlich weg ist!
Mit dem Ausscheiden Hildebrandts sank die Qualität des Scheibenwischers. Herr Jonas bremste den Fall des nachdenklichen Kabaretts noch - aber jetzt ist er da angekommen, wo er dem Klamauk der Moderatoren und Filme der "Privaten" ähnelt.
Ich sehe im Sinn des Lebens nicht nur Fun. Meine Freizeit ist mir zu schade, um mich im TV mit schrägen Vögeln zu langweilen. Zum Nachdenken veranlassen und Satire hat im vorigen Jahr "Neues aus der Anstalt" übernommen. Priol und Schramm erinnern im besten Sinne an die einst großartige Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Ursula Herking, Klaus Havenstein, Hans Jürgen Diedrich, Ursula Noack und Jürgen Scheller haben unter Sammy Drechsel & Hildebrandt kaum zu überbietendes Kabarett geboten. In der Mannschaft der "Anstalt" fehlt mir nur als i-Tüpfelchen ein weibliches Pendant. Hierfür könnte ich mir Monika Gruber vorstellen.
Mit dem Zweiten lacht man nicht nur (und herzhaft!) besser. Die Anstalt bietet humoristisch-satirisches und politisch-gesellschaftskritisches Fernsehen mit Niveau.
Nichts gegen Komödie. Im Interesse des Kabaretts begrüße ich Hildebrandts Entscheidung.
Hildebrandts Einschreiten gegen den geplanten Etikettenschwindel war dringend notwendig. Wir haben uns ja schon daran gewöhnt, dass Demokratie- und Sozialabbau jetzt "Reform" heißen, Reallohnverluste für die breite Masse als "Aufschwung" bezeichnet werden und eine gleichgeschaltete Presse uns diesen neoliberalen Neusprech täglich tausendfach um die Ohren haut. Uns dann noch weitgehend sinnfreie und hirnlose Comedy als politisches Kabarett verkaufen zu wollen, entspricht zwar dem Interesse der herrschenden Kreise an einer weiteren Entpolitisierung der Gesellschaft, nicht aber dem der Menschen, die auch weiterhin ihren eigenen Kopf gebrauchen wollen, um die gesellschaftlichen Verhältnisse zu verstehen und gegebenenfalls zu verändern!
Wer seinen schönen alten Schreibtisch in einem Ramschladen aufstellt, braucht sich dann nicht wundern, wenn die wertvollen Kleinode mit der Größe der dort üblichen Klunker verglichen werden.Dieter Hildebrandt hat aus dem Scheibenwischer eine Schatzkiste für profiliertes und tiefgründiges Kabbaret gemacht, die es nicht verdient hat, einfach vermarktet zu werden. Die Vorwürfe verraten übrigens den Angreifer, was er denkt und aus seiner Sicht für "machbar" hält.
An dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön an Dieter Hildebrandt. Er ist in bester Erinnerung geblieben, immer noch "der Alte" und wohl auch noch "ein Bisschen" weiser.
das seinen Namen verdient hat und als das fungiert für was es eigentlich gedacht ist ,nämlich "herrschende Mißstände" in Politik +Gesellschaft in "lustiger" Weise anzuprangern und die geneigten Zuseher und Zuhörerzu reflexartigem Lachen und "Nachdenken" zu bringen ,unterscheidet sich in der Tat von Comedy ziemlich stark. Mögen die gut gemachten "Kostümrollen" des Richlings sich einer gewissen Beliebtheit beim Publikum erfreuen, hier muß man Altmeister Hildebrandt recht geben ein "Scheibenwischer" ist das nicht , sondern mit Verlaub gesagt ein "Lachwischer" von kurzer Dauer
Paging