Es ist eine Generation voller Neuanfänge. Wir hören Geschichten vom Krieg und vom Lichterfelder Turnverein, vom Verlust der Heimat und von der Heimat im Friseursalon. Da ist der einstige Ausstatter am Berliner Friedrichstadtpalast, der Gustaf Gründgens einkleidete, da ist der Schlosser, der zufällig Karl Marx heißt und daher von der DDR-Grenzpolizei "nie schlecht behandelt" wurde, und da ist die Hausfrau, die gar nichts Exotisches zu berichten hat.

Natürlich ist es sehr rührend, wenn ein hundertjähriger Mann über seine verstorbene Frau sagt: "Ich habe nie ein anderes Mädchen geküsst." Manchmal aber fragt man sich: Warum finden wir eigentlich noch die banalsten Erinnerungen bewegend, wenn sie aus dem Mund eines sehr alten Menschen kommen? Wird sich das ändern, wenn das Alter in der Gesellschaft gewöhnlicher wird?

Buchcover/Foto: Andreas Labes

28. April 2010, 13:312010-04-28 13:31:00 ©