Hugh Grant im Gespräch "Das Leben ist in Wahrheit scheiße"

Hollywoodstar Hugh Grant spricht über maßgeschneiderte Filmrollen, ein Leben mit Geld und vielen tollen Autos und die Angst vor dem Alter.

Interview: Dirk Peitz

Hugh Grant, lässig gekleidet mit halboffenem Hemd, sitzt in einem Salon des Hotel de Rome in Berlin. Er lächelt. Das ist schon mal bemerkenswert. Denn Hugh Grant, Star von brutal erfolgreichen Liebeskomödien, Mann der Frauen, gilt privat eigentlich als launisch, grummelig, unausstehlich. Beim Abschied lächelt er noch immer und sagt: "Danke, dass Sie so nett zu mir waren." Man weiß bei Grant einfach nie, wann er mal nicht schauspielert. Und wann er bloß die Wahrheit sagt.

SZ: Mister Grant, es gibt offenbar einen eigenen Zweig der Filmindustrie, der ausschließlich damit beschäftigt ist, Sie mit Vorlagen für Hugh-Grant-Liebeskomödien zu versorgen. Ziemlich einmalige Position, die Sie da innehaben, oder?

Hugh Grant: Überhaupt nicht, das passiert mit vielen Schauspielern, auf verschiedenste Arten.

SZ: Wirklich? Marc Lawrence, der bei Ihrem neuen Film "Haben Sie das von den Morgans gehört?" das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat, gibt offen zu, dass er das Skript von Anfang an allein auf Sie zugeschneidert hat.

Grant: Marc Lawrence hat diesen Film für sich gemacht. Nicht für mich. So einfach ist das. Mich dafür zu engagieren, war nichts anderes, als ein Stück Ausrüstung zu mieten.

SZ: Sie untertreiben maßlos. Sie sind als Star ein sicherer Kassenmagnet. Und es ist das dritte Mal, dass Sie mit Lawrence arbeiten, nach "Ein Chef zum Verlieben" und "Mitten ins Herz". Der Mann wird Gründe dafür haben, warum er nur sie will.

Grant: Mag sein. Es ist aber nicht ungewöhnlich, als Schauspieler mehrmals mit den gleichen Drehbuchautoren und Regisseuren zu arbeiten, und das gilt auch umgekehrt. Weil man einander vertraut. Weil man ein gutes Team ist. Weil man die gleiche Leidenschaft fürs Handwerk des Filmemachens hat.

SZ: Sie haben davor drei Filme gemacht, die Richard Curtis geschrieben hat, "Vier Hochzeiten und ein Todesfall", "Notting Hill", "Tatsächlich ... Liebe", und an den beiden "Bridget Jones"-Filmen hat Curtis immerhin mitgeschrieben. Sie spielen die Typen, die die Schreiber gern selbst wären.

Grant: Ich erfülle wirklich nur eine Funktion. Nennen wir es, bloß der Argumentation wegen, einfach mal, hehe: Schauspielen. Doch das Schauspielen ist nebensächlich im Vergleich zur Drehbuchentwicklung und dazu, die richtige Besetzung neben mir zu finden. Schauspielen ist wichtig, aber es ist nicht das Wichtigste, was ich bei meinen Filmen tue.

SZ: Sie reden vor allem den Autoren und Regisseuren in ihre Arbeit rein?

Grant: Ich arbeite mit. Sehen Sie: Mein Rollenfach als Schauspieler ist extrem eng, dafür bin ich darin mittlerweile Experte. Es würde auch überhaupt keinen Sinn haben, mich zum Beispiel in einer tragischen Rolle zu besetzen. Weil ich nicht gut darin bin. Ich wäre auch eine komplette Fehlbesetzung in einer Slapstick-Komödie, in der ich über einen Weihnachtsmann stolpern oder etwas ähnlich Albernes tun müsste. Es gibt viele Leute, die das besser können als ich. Doch in dem etwas altmodischen Genre, das man leichte, charmante Liebeskomödie nennen mag, bin ich relativ gut.

SZ: Die Dramaturgie von Hugh-Grant-Komödien aber...

Grant: Halt, ich weiß, was Sie jetzt sagen wollen, und ich bin absolut nicht Ihrer Meinung.

SZ: Was wollte ich sagen?

Grant: Dass die Dramaturgie dieser Filme vorhersehbar sei.

SZ: Nein, ich wollte sagen, dass das Ende immer gleich ist: Die Liebe siegt, der Mann kriegt die tolle Frau. Ist also die wichtigste handwerkliche Aufgabe des Drehbuchautors, dass die Handlung bis zum vorhersehbaren Ende überraschend ist und sich gleichzeitig natürlich anfühlt?

Grant: Das Grundproblem jeder romantischen Komödie ist sozusagen die letzte Kurve vorm Ziel, es sind die letzten Meter. Es ist gar nicht so schwer, den zentralen Erzählstrang ans Laufen zu bringen, der meist aus "Junge trifft Mädchen" besteht, und dann noch zwei, drei Subplots mit Nebenfiguren zu konzipieren. Da bedient man sich der ganz normalen Logik, in der menschliche Beziehungen ablaufen: Der erste Schritt führt zum zweiten, der zweite zum dritten und so weiter. Wirklich schwierig wird es erst, alles kurz vor Schluss zusammenzuführen, die Erzählstränge elegant aufzulösen. Etwas Unwahrscheinliches muss passieren. Der Trick ist, das dann aber gut zu tarnen. Der Zuschauer darf es nicht merken.

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