Das türkische Pendant zur deutschen Bild-Zeitung feiert Geburtstag. Sein Einfluss in Deutschland ist groß - nicht nur, weil Kai Diekmann ein Freund und Beirat von Hürriyet ist.
Bei einem Glas Rotwein, mit Blick auf die flackernden Lichter Istanbuls, stießen Kai Diekmann und Ertugrul Özkök auf ihre Freundschaft an. Es war die Verbrüderung der Chefredakteure der größten deutschen Zeitung, Bild, und der größten türkischen, Hürriyet. Das ist schon länger her.
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"Damals begann ich Hürriyet zu verstehen, zu kennen, und, ja, zu lieben", schreibt Diekmann jetzt in einem offenen Brief an Hürriyet und gratuliert zum Jubiläum - am 1. Mai feiert das Blatt seinen 60. Geburtstag.
Die beiden Boulevardblätter verbindet mehr als herzliche Liebesbekundungen. Hürriyet ist so etwas wie das türkische Pendant zu Bild. Die Zeitungen arbeiten pragmatisch zusammen, tauschen untereinander Bilder. Und Kai Diekmann sitzt im Beirat der Hürriyet, einem einflussreichen Verbündeten in Deutschland.
Der Dogan-Medienkonzern, zu dem Hürriyet gehört und an dessen Fernsehgeschäft wiederum Springer beteiligt ist, ist nicht nur der größte in der Türkei - er erreicht auch in Deutschland viele der 2,6 Millionen Türkischstämmigen. Hürriyet ist hierzulande mit einer verkauften Auflage von 40 000 Exemplaren der türkischsprachige Marktführer. Sein täglicher Leserkreis wird auf 200 000 geschätzt - jeder Türke in Deutschland kennt das Blatt. Neben dem Hürriyet-Logo ist ein Bild von Atatürk zu sehen, dem Gründer der türkischen Republik, das Blatt ist nationalistisch geprägt.
Die Zeitung, die an deutschen Kiosken verkauft wird, enthält vor allem Nachrichten aus der Zentrale in Istanbul. Doch die Europa-Ausgabe unterscheidet sich von der in der Türkei: Eine Redaktion im hessischen Industriegebiet Mörfelden-Waldorf ergänzt spezielle Nachrichten, nach einem eigentlich simplen Prinzip: Alles, was Türken in Europa betrifft, ist von Belang. Alles, was sie nicht betrifft, nicht.
"Kommen Sie zum Trockenaprikosen-Fest nach Mannheim", lautet etwa der Titel eines ausführlichen Reports. Parkplatzprobleme türkischer Ladenbesitzer in Köln gehören ebenso in die Zeitung wie die Rezension einer Rockband, die Lieder über Döner singt. Im Fokus steht jedoch immer eines: Die angeblich nicht enden wollenden Ungerechtigkeiten gegenüber Türken und ihr Leid in der Fremde.
Täglich türkische Identität
Vor 40 Jahren folgte Hürriyet, was übersetzt Freiheit heißt, den ersten anatolischen Gastarbeitern nach "Almanya". Und bis heute arbeitet sie hier nach dem Diaspora-Schema: Die speziellen Sorgen der Auslandstürken sollen das Verbundenheitsgefühl revitalisieren. In Hürriyet wird täglich türkische Identität gestiftet. Stoff findet sich dafür jede Menge: Verhandlungen über den EU-Beitritt der Türkei, islamfeindliche Aussagen deutscher Politiker oder fremdenfeindliche Übergriffe auf Türken - immer wird den Hürriyet-Lesern bewiesen, dass sie ausgegrenzt werden.
So geschehen im Februar, als in Ludwigshafen ein Haus abbrannte und neun türkische Bewohner starben. Hürriyet betonte das Wir-Gefühl, obwohl nicht feststand, dass es sich um einen fremdenfeindlichen Anschlag, ja überhaupt um Brandstiftung handelte. Sie schrieb über einem Foto von weinenden Überlebenden: "Warum tun sie uns das an?" Die Zeitung erinnerte an die Schreckensbilder von Mölln und Solingen Anfang der neunziger Jahre, an Brandruinen, in denen damals Türken starben, weil Rechtsradikale die Häuser anzündeten.
Das Boulevardblatt steht im Ruf, Meinungsmache zu betreiben. Deutsche Medien bezeichnen Hürriyet als "geistigen Brandstifter" (Spiegel) und als einen "Pranger" (Tageszeitung), an den jeder gestellt werde, der den Vorstellungen des nationalistischen Mediums nicht entspricht.
Hürriyet funktioniert nach den Prinzipien der Sensationspresse und beugt sich dem Diktat der Auflage, die allerdings wie bei fast allen Boulevard-Medien stetig sinkt. Der Nachwuchs vieler Türken beherrscht die Sprache seiner Eltern nur mäßig, außerdem verdrängen Fernsehen und Internet das Printmedium. In den vergangenen zehn Jahren sank die Auflage um mehr als ein Drittel.
Da Hürriyet überwiegend vom Straßenverkauf lebt, erfordert die Boulevard-Logik brüllende Aufmacher und reißerischere Stories. Hürriyet-Redakteure zögern deshalb nicht lange, zweifelhafte Assoziationen zu wecken: NRW-Erziehungscamps heißen hier "Konzentrationslager" und deutsche Türkeikritiker manchmal "Nazis".
"Die Freiheit, die sie im Titel trägt, nimmt sie wörtlich", schreibt Bild-Chef Kai Diekmann in seinem Jubiläums-Brief. Als Lohn für diese "klare Nähe zum Leser" und die "journalistische Qualität" wünscht er dem Boulevardbruder im Geist, dass es weiterhin das Leitmedium der Türken bleibt. Und: "Alles, alles Gute von Bild."
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(SZ vom 29.4.2008/rus)
Zwangsaus weisung solcher medien und der leuten die jammern,da es ausserhalb Deutschland beseres gibt .Bitte dahin aber mit Eile
"Im Fokus steht jedoch immer eines: Die angeblich nicht enden wollenden Ungerechtigkeiten gegenüber Türken und ihr Leid in der Fremde."
ich bin an dieser Stelle mal so frei, und zitiere aus einer Rede von John Howard (australischer Premierminister a.D)
Aber wenn ihr euch ständig beschwert, Mitleid sucht,
unsere Fahnen verbrennt, unseren Glauben
verurteilt, unsere christlichen Werte missachtet,
unseren Lebensstil verurteilt, dann ermutige ich euch
einen weiteren Vorteil unserer großartigen
australischen Demokratie und Gesellschaft zu
nutzen:
DAS RECHT DAS LAND ZU VERLASSEN!
..dann sollte doch die Hürriyet mal so nebenbei erwähnen, daß niemand gezwungen wird in einem solch bösen Land wie Deutschland zu leben..... das dürfte aber eher geschäftsschädigend sein. Dann lieber Hetzparolen gegen das Land, das sie ernährt - die Bild unterstützt das ganze noch mit entsprechenden Headlines in die andere Richtung und das gesamte türksiche und deutsche Volk wird den Kiosken die jeweiligen Ausgaben aus der Hand reißen... Erfolgsgeschichten, wie sie Deutschland "schreibt".