Hofspielhaus Wunder-Urin für Linderhof

Stefan Kastners "Die Sphinx von Giesing"

Von Sabine Leucht

Das Loch, in dem der Präsident des FC Giesing nach der Hafeneinfahrt von Alexandria gräbt, hat seinen Fußballacker nicht schöner gemacht. Vier Wochen war er unter Tage und bis Fürstenried ist er gekommen. Dort war die Halbe zwar teurer als bei Oma daheim, dafür aber der Wurstsalat umsonst. Und für den Acker, da gibt es ja heuer - also so um die Fußball-WM 1974 herum - den Wunder-Urin der schlesischen Witwen, die für das Wässern des Rasens von Schloss Linderhof sogar Vollpension kriegen. Und "Vollpension", das ist in "Die Sphinx von Giesing - 2. Teil" so spektakulär wie eine Tankstelleneröffnung mit Gratis-Ente, das Sich-Wiegen im Wind "wie schönes, kräftiges Gras" oder - ein Vortrag über Fruchtfliegen.

Das der wirklich toll ist, liegt an der Schauspielerin Isabel Kott als Ella. Und an der stoischen Ruhe von Rainer Haustein als Präsident und Inge Rassaerts nie totzukriegender Lust, Bagatellen zu Staatsaffären breitzutreten, liegt auch ganz Vieles. Als Stefan Kastner Anfang 2015 davon sprach, künftig Dreimannstücke schreiben zu wollen, hielt man das kaum für möglich. Waren doch in der "Germania"-Trilogie des gelernten Operntenors "im Gewurl" schon mal 40 Leute gleichzeitig auf der Bühne. Dann hat er kurz darauf im Bonsai-Theater Hofspielhaus den ersten Teil der "Sphinx von Giesing" eingerichtet. Kein Dreimannstück zwar, aber eines mit drei vitalen Zentren, das nun in die Verlängerung gegangen ist. Und die beweist, dass weniger Raum bei Kastner zwar vorerst auch schmalere philosophische Exkurse bedeutet, aber nicht weniger verrückte Ideen. Personell dagegen erreicht man nur beim finalen Einzug der Witwen knapp den zweistelligen Bereich - wenn man Kürbisse nicht als Personen zählt, worüber mit Kastner und der Kürbisfreundin Ella gewiss sehr schön gestritten werden könnte. Doch wer würde das wollen?

Die Sphinx von Giesing - 2. Teil; Donnerstag, 27. Oktober, 20 Uhr, Hofspielhaus, Falkenturmstraße 8