Hochwasser in Venedig Ein Sarkophag schwimmt

La Serenissima - "Die Durchlauchtigste" - kämpft mit dem Hochwasser.

(Foto: dpa)

Die Kulturgüter Venedigs sind bedroht - das Hochwasser gefährdet vor allem Kirchen und historische Bauwerke. Fresken und Mosaiken werden von Salzwasser zerfressen. Auf Dauer ist dieser Zustand für "La Serenissima" nicht tragbar.

Von Henning Klüver

An normalen Tagen steht Venedig das Wasser bereits bis zum Hals. Wenn eine Flut dann höher steigt als gewöhnlich, droht schnell "Land unter". In diesem Herbst ist es ganz schlimm gekommen. Wenn Touristen auf Fotos lachend ihre Koffer durch die Fluten tragen, finden die Venezianer das weniger lustig. Anfang November stieg das Hochwasser auf 1,63 Meter über dem mittleren Meeresspiegel, nur drei Zentimeter unter der Rekordflut von 1966. In den Wochen danach gab es bis in den Dezember immer wieder Wasserstände von mehr als einem Meter über normal. Und mit jedem Zentimeter mehr wächst die Bedrohung für die Kulturgüter der Stadt.

Das Salzwasser greift die Fundamente der historischen Bauwerke an, die Feuchtigkeit steigt noch Meter hoch durchs Mauerwerk und bedroht nicht nur die Statik. Kristallisiertes Salz drängt Mörtel aus den Wänden hinaus und bringt Fresken oder Mosaiken der Kirchen in Gefahr. Manchmal werden diese sogar abgenommen und nach der Konsolidierung des Mauerwerks wieder angebracht wie in der Basilika San Marco. Das Salz der Lagunenwasser frisst sich auch in Kapellenböden und macht sogar Marmor brüchig - betroffen ist zum Beispiel San Simeone Grande im Santa-Croce-Viertel. Und zu dem Hochwasser kommt noch der Wellendruck, den riesige Kreuzfahrtschiffe erzeugen, die durch die Bucht von San Marco fahren.

Was bleibt ist eine helle Salzkruste

In der Basilika von San Marco kämpft man seit Jahrzehnten um den Erhalt von Teilen der Inneneinrichtung, denn der Markusplatz und die Kirche gehören mit 0,67 Metern unter null zu den besonders tief liegenden Gebieten der Lagunenstadt. Rund 200 Mal im Jahr, so berichtet der Architekt Ettore Vio, der als Proto (Prokurator) für den Erhalt der Basilika verantwortlich ist, fließt Wasser in das berühmteste Gotteshaus Venedigs. Meist bleibt das auf die Winkel des Atriums beschränkt.

Doch oft genug breitet es sich im ganzen Bau aus. Kunstwerke, wie etwa der Bronzesarkophag in der Kapelle, die der Kardinal Giambattista Zen um 1500 gestiftet hat, ruhen deshalb bereits auf Holzkonsolen. Doch im Novemberhochwasser schien der schwere Sarkophag des Kardinals leicht wie ein Boot in den Wellen zu schwimmen. Nach Ablauf der Flut blieb eine helle Salzkruste etwa auf halber Höhe seines Sockels, der kurz zuvor restauriert worden war, sichtbar. Auch wenn die betroffenen Teile inzwischen wieder gereinigt werden konnten, sei der Zustand, so Proto Ettore Vio, auf Dauer nicht tragbar.