Ein Reiter von links, ein Reiter von rechts - so kommt auch schon die Kavallerie: Die ARD setzt mit einem Vierteiler historische Schlachten in Szene. Angesichts des eigenen Anspruchs ein nicht zu vermeidendes Fiasko. Heute Abend schlachten sich Völker bei Leipzig.
Einer der Reize des Fernsehens ist seine Anschaulichkeit. Das gilt vor allem für historische Dokumentationen, die in Übereinstimmung mit der Forderung des Historikers Leopold von Ranke zeigen wollen, "wie es eigentlich gewesen" ist. Um das zu leisten, können sich die beim Publikum beliebten TV-Beiträge zur Zeitgeschichte des in vielerlei Hinsicht höchst fragwürdigen Vorrats an Wochenschau-Filmen bedienen, die ausnahmslos auf propagandistische Wirkung abgestellt waren. Diese Bilder - zumeist als kritiklose Illustration mit Aussagen so genannter "Zeitzeugen" gegengeschnitten - ermöglichen ein ebenso simples wie eingängiges Erzählmuster, wie es beispielsweise von Guido Knopp im ZDF seit langem erfolgreich praktiziert wird.
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Das Grauen des Gemetzels immerhin naturalistisch zur Geltung gebracht. (© Foto: ARD)
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So einfach können es sich TV-Dokumentationen nicht machen, wenn sie ältere historische Zusammenhänge, die noch nicht in "Zappelbildern" eingefangen sind, veranschaulichen wollen. Als Aushilfe ist hier das so genannte Reenactment in Mode gekommen, also die dem Theater abgeschaute und in "lebenden Bildern" nachgestellte Inszenierung. Für das Gelingen solcher Umsetzung gilt die Faustregel: Je komplexer und personenreicher die Handlung, desto aufwendiger und folglich kostenintensiver muss ein solches Reenactment angelegt sein, damit es überzeugend rüberkommt. Konkret: Eine Gesprächssituation im Haus der Frau von Stein in Abwesenheit Goethes lässt sich leichter und preiswerter auf die Guckkastenbühne des TV stellen, als das wechselvolle Geschehen einer Schlacht mit Hunderttausenden von Soldaten.
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