"Hell" im Kino Licht, das dich verbrennt

Ein Platz an der Sonne ist ein Platz in der Hölle. Tim Fehlbaum gelingt ein grandioses Regiedebüt. Der junge Absolvent der Münchner Filmhochschule verpackt einen Kannibalenschocker in einer ganz eigenen Poesie des Schreckens.

Von Tobias Kniebe

Die Scheiben sind verklebt, mit Pappe und altem Zeitungspapier. Durch schmale Sehschlitze dringt weißes Licht, es frisst sich hinein, so gnadenlos überstrahlt es den dämmrigen Innenraum. Dort werden Gestalten erkennbar, in schmutzige Tücher gehüllt, kein Zentimeter Haut darf freiliegen, Schweißerbrillen schützen die Augen. Da draußen lauert der Feind, und der Feind ist die Sonne.

Ein Filmemacher, der die Sonne zum Feind erklärt, das hat was. Oft muss ihre Kraft ja beim Drehen erst gebändigt werden: durch schützende Blenden und schnelle Verschlusszeiten, durch das Filmen am frühen Morgen oder am Abend kurz vor Sonnenuntergang. Andernfalls ätzt sie sich durch das Filmmaterial, bleicht alle Farben, zerreißt die Konturen, vernichtet die Kontraste, macht alles weiß.

Ein Filmemacher, der nach Korsika in die Berge geht, wo ein Waldbrand das Leben verdorrt hat, der dort in die größte Mittagshitze hineinfilmt, der seine Blenden öffnet und die Welt erbleichen lässt, der seine Bilder ganz bewusst anfressen lässt von der Gewalt des Lichts - so ein Filmemacher spielt mit dem Feuer.