Ein siebzehnjähriges Mädchen ist keine exzentrische alte Dame: Heike Makatsch über ihre Rolle der Hildegard Knef.
Wie es Heike Makatsch gelingen wird, sich in Hildegard Knef zu verwandeln - das macht die Spannung von Kai Wessels Filmbiographie "Hilde" aus. Der historische Bogen spannt sich von der siebzehnjährigen Knef als Ufa-Entdeckung bis zur gefeierten Chansonnière Mitte der Sechziger.
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Heike Makatsch spielt Hildegard Knef in "Hilde". Der Film soll im Frühjahr 2009 erscheinen. (© Foto: dpa)
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Neben Makatsch, die hier ihre Herangehensweise an die Rolle erläutert, stehen unter anderem Monica Bleibtreu als Knefs Entdeckerin Else Bongers, Michael Gwisdek als Knefs Großvater und Hanns Zischler als legendärer Produzent Erich Pommer vor der Kamera.
"Wer von Hildegard Knef erzählt, erzählt auch notwendig von der Geschichte Deutschlands. Sie hat die sprichwörtlichen neun Leben gelebt - ihre vielfachen Verwandlungen und Ambivalenzen spiegeln die Verwandlungen unseres Landes, vom Dritten Reich bis in die musikalischen Subkulturen der achtziger, neunziger Jahre hinein. Als Nachwuchstalent der Ufa zum Beispiel hatte sie eine Liaison mit einem hochstehenden Nationalsozialisten - zwei Jahre nach Kriegsende heiratete sie dann einen amerikanischen Juden.
Darin sehe ich eine Zerrissenheit, die ihr Leben immer wieder prägt, die auch eine Zerrissenheit Deutschlands ist. Bei meiner Annäherung musste ich allerdings erst einmal das öffentliche Bild ihrer letzten Jahre überwinden, diese exzentrische alte Dame aus den Talkshows. Dann habe ich gemerkt, dass sie wirklich immer sehr intensiv gelebt hat, leidenschaftlich getrieben, in der Liebe wie in der Kunst; dass sie zwar vom Publikum heiß geliebt werden wollte - aber dabei eine Integrität und Besonderheit besaß, die sich dann gerade nicht von irgendwelchen Erwartungen verbiegen ließ. Diese Art von Stärke, aber auch von Einsamkeit und Schwäche würde ich gern in meiner Darstellung sichtbar machen.
Ihre Musik und ihre Texte und die Art, wie sie beides interpretiert hat, waren ein Schlüssel dazu, sie kennenzulernen. Da liegt alles drin. Beim ersten Erleben klingt sie rau, dunkel, leicht atonal, ruppig. Beim zweiten Hinhören spürt man schon eine Weichheit, Brüchigkeit, Weiblichkeit, auch eine Zärtlichkeit. Beim dritten Hinhören schließlich ist da Sexualität, man hört ein Verlangen, eine Sehnsucht; eine tiefe Trauer vielleicht auch, Melancholie, Weisheit, Abgeklärtheit, Poesie.
All das schwingt in dieser Stimme und in diesen Texten mit, das hat mich sehr beeindruckt. Und ich bin ihrer Musik wirklich nahegekommen - als ich die Songs mit der WDR-Bigband neu aufgenommen habe, ist sie mir ins Herz und in die Ohren hineingekrochen, und ich habe mehr verstanden als vorher.
Interpretation einer Ikone
Den Film "Hilde" würde ich als ein Mosaik beschreiben, mit verschiedensten Farbtupfern, Episoden und Erzählsträngen, die auch die Chronologie durchbrechen. Man könnte fast sagen ein Mosaik aus verschiedenen Leben - in Südafrika drehen wir zum Beispiel einige Szenen, die Hilde in Hollywood zeigen, unter anderem ihre Begegnung mit David O. Selznick. Aber das ist dann auch die Herausforderung - dass da kein einfacher emotionaler Bogen gespannt wird, quer durch den ganzen Film. Stattdessen funktioniert diese Geschichte eher wie eine Achterbahnfahrt mit Kurven und Windungen, mit starken Ausschlägen nach oben und unten.
Was die Gesten und Manierismen der Knef betrifft, ist mir klar, dass sie im Gedächtnis sehr vieler Menschen lebendig ist. Ich spüre da eine positive Aufregung um den Film, und natürlich geht es mir darum, diese Essenz zu treffen. Auf der anderen Seite denke ich, dass sie als siebzehnjähriges Mädchen nicht unbedingt so war wie später als reife, medienerfahrene Frau. So habe ich die junge Knef viel freier interpretiert. Ich denke, man wird Hilde in Teilen des Films sehr gut wiedererkennen. In anderen Teilen sieht man dann eine junge Frau, die keinem bekannten Medienbild entspricht - sozusagen meine eigene Hilde."
(SZ vom 21.08.2008/sst)
Brasiliens Präsidentin Roussef