"Germany's Next Topmodel" läuft wieder im Fernsehen: Die auf Pro Sieben auftretenden Mädchen sollen, so der Laufsteg-Trainer, den Hintern bewegen und sexy sein. Doch das misslingt.
Das Wort der Stunde heißt sexy. Alle sollen "sexy" sein. Meint auf jeden Fall Bruce Darnell. Der Amerikaner ist Laufsteg-Trainer bei Heidi Klums Castingshow auf dem Sender Pro Sieben und so etwas wie die eigentliche Hauptfigur. Bruce brüllt die ihm anvertraute Mädchenschar gerne mal an. "Sexy, sexy, sexyyyyyyy", schreit er dann und fordert in recht ungelenkem Deutsch: "Sie mussen jetzt für mich die Arsch bewegen."
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Nicht für "Germany's Next Topmodel", sondern für eine Werbekampagne: Heidi Klum gibt einen Osterhase (© Foto: dpa)
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Was aber offenbar niemand versteht, denn kurz danach staksen 25 Girlies vor 70.000 Zuschauern über die Mittellinie des Dortmunder Fußballstadions und sehen aus, als versuchten sie imaginäre Kröten zu treffen. Währenddessen steht Bruce am Spielfeldrand und beschwört die Rasentreterinnen mit Verzweiflung in der Stimme: "Sexy, sexy, yeah, come on."
Um es mal deutlich zu sagen: Nichts war sexy beim Auftakt der neuen Staffel von "Germany's Next Topmodel". Manches war lustig, vieles skurril - aber sexy? Wer mag schon an Sex denken, wenn Heidi Klum die Kandidatinnen mit einem derart fröhlich gequiekten "Guten Tag" begrüßt, dass der Schluss nahe liegt, sie synchronisiere in ihrer Freizeit heimlich die Mainzelmännchen.
Sexy wirkt es auch nicht, wenn die blutjungen Bewerberinnen holprig von ihrem großen Traum auf dem Laufsteg berichten und dann Sätze sagen wie: "Ich hoffe, diesen Traum erfüll ich mich hier" oder "Ich möchte auch eine Vorbildfunktion kriegen."
Mehr als 16 000 Mädchen haben sich für die zweite Staffel beworben, gerade mal hundert sind bis in die erste Sendung vorgestoßen. Nur 15 davon haben es am Ende in die nächste Runde geschafft. Dazwischen liegen die immer gleichen Fragen der Marke "Warum willst du Topmodel werden?", jede Menge Vorstellungsroutine, Kritik an zu kurzen und zu lahmen Kandidatinnen.
Da hört der Spaß auf
Misstrauen erregt ein Mädchen, das dünner wirkt als auf ihren Vorstellungsfotos. Sofort heben die Juroren den Zeigefinger und wittern gestörtes Essverhalten. "Da hört der Spaß irgendwann auf", sagt einer, und es ist deutlich zu spüren, dass sich die Magersucht-Debatte entlang der ersten Staffel, in der einer recht dünnen Dame unterstellt wurde, sie sei zu fett für den angestrebten Beruf, keinesfalls wiederholen soll.
Da passt es bestens ins moralisch einwandfreie Bild, dass direkt vor dem Start des Topmodel-Contests die Doku-Soap "Liebe isst" programmiert wurde. Besser kann Pro Sieben seinen guten Willen, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, kaum unterfüttern
Am Ende sagt die 21-jährige Anni, die es in die Runde der letzten 15 geschafft hat und es noch sehr weit bringen wird: "Hammer, echt Hammer." Sie zeigt damit, dass sie schon viel gelernt hat von Bruce, der perfekt zwischen seinen Rollen als dunkler Master Of Ceremonies und Mutter der Kompanie oszilliert.
Sexy ist auch er nicht, aber es ist halt zum quieken, wenn er den Möchtegernmodels betont tuntig vormacht, wie man über den Catwalk zu schleichen hat. Der Mann ist die wandelnde Emotion und weiß, wie man Charme und grenzenlose Naivität gekonnt paart.
Zudem sind seine Sätze große Werke der deutsch-amerikanischen Wortgemeinschaft. "Das ist keine Urlaub, das ist eine Competition" herrscht er seine Schutzbefohlenen an. Die sind indes nicht immer durchweg begeistert vom telegenen Auslesespiel. Als eine Kandidatin von der Jury zurückkehrt, wird sie von einer Mitbewerberin gefragt: "Und, wie war's?" Die Antwort fällt eindeutig aus: "Es war Kacke." Gottseidank hat Bruce das nicht gehört. Er hätte das kaum sexy gefunden.
(sueddeutsche.de)
Venizelos kritisiert IWF-Chefin
Ist doch erst mal süss, wie eine Monroe-Verschnitte als Medienamazone des Laufsteg-Exhibitionismus gepuscht wird, damit ein Money-Sender seine Phantasien von TV-Unterhaltung den pubertierenden Mädels verkaufen kann. Wahrscheinlich entspricht das dem Frauenbild der ProSieben-Verantwortlichen, die von Showbiz, Besetzungscouch und "Baby, ich mach aus dir nen Star" träumen. Das ist kränker als jedes bulemische Mädchen, dass sich auf eine derartig abgelutschte Prostitution einlässt, weil ihm vorgegaukelt wird, als Model die Welt erobern zu können.
Schon interessant, wie hier um Moralisches diskuiert wird und Heidi Klums standing. Dass dieses Sendeformat ungefähr genauso viel mit der Entdeckung eines neuen Model-Superstars zu tun haben dürfte wie die vergleichbare Vorgängershow zur Entdeckung einer neuen Girlgroup mit "wirklichen" Superstars des show-biz sollte eigentlich klar sein. Warum nicht einfach den Slogan von P7 an dieser Stelle ausnahmsweise mal ernst nehmen (wenn auch sonst nicht allzuviel ernst zu nehmendes bei diesem Sender läuft): We love to entertain you! Es ist einfach NUR Unterhaltung, sonst nichts....
andfi, deine Anforderungsliste mag vielleicht das sein, was einem inzwischen durch den Kopf schwirrt, wenn man "Topmodel" hört, aber abgesehen vom "gut Aussehen" hat das nichts, gar nichts, überhaupt nichts damit zu tun, was eine junge Frau sein und können muß, um Topmodel im eigentlichen Sinne zu sein, d.h. Höchstgagen für Auftritte auf dem Laufsteg zu kassieren. Die kriegt man dafür, Kleider effektvoll zu präsentieren. Also dafür, gut auszusehen, sich gutaussehend zu bewegen, und eine hohe Streßtoleranz zu haben damit man das auch noch unter Belastung schafft.
Der Persönlichkeitskult, dessen Anforderungen Du beschreibst, entsteht erst, wenn Models die es schon geschafft haben es sattkriegen, bewegliche Kleiderständer zu sein und aus dem Bekanntheitsgrad ihres Gesichts auch anderweitig Kapital schlagen wollen.
Natürlich ist es fragwürdig, wie reflektiert diese jungen Mädchen das ganze Geschehen um diesen Modelcontest aufnehmen. Sicher ist aber dass zumindest Fr. Klum sehr gut weiß, was sie da tut und wie es effektiv (d.h. Produkt fördernd) umzusetzen ist. Das dürfte sie in Amerika gelernt haben, wo solche Shows noch viel öfter auf dem Tagesplan stehen als bei uns und wo Sie auch das Original der Modelshow moderiert hat.Dass sie sich auch noch alleine zu einem der bestbezahlten Models hochgearbeitet hat spricht auch eher für sie.
Natürlich stellt sich die Frage inwieweit Ihr Auftreten in moralischer Hinsicht Bedenken auslösen sollte. Nun, da sie nur den offensichtlich bestehenden Markt bedient sollte man Ihr noch den geringsten Vorwurf machen. Hätte niemand die erste Staffel dieser Fleischbeschau geguckt, wäre jetzt nicht über die zweite zu diskutieren.
Letzlich stimmt doch Andy Warhol's Satz der "15 minutes of fame" heute mehr denn je. Wer weiß denn heute noch wie die 3 "Siegerinnen" der ersten Staffel heißen? (Aber jeder kennt Heidi)
Zugegeben es sind wieder ein paar sehr hübsche Mädels dabei. Doch ich fürchte dass gerade die Teilnahme an dieser Show eine Topmodell Kariere verhindert.
Denn mal überlegen, was macht für mich ein Topmodell aus:
- Sieht toll aus.
Dieser Punkt mag bei Klumps Mädels vielleicht noch hin hauen, halt Geschmackssache.
- Ist geheimnisvoll und unnahbar
Jegliches Geheimnis dürfte nach dem Staffelmarathon gelüftet werden.
-Ist Respektsperson
Auch Fehlanzeige, wer wie in der letzten Sendung einen Kreischanfall bekommt weil Heidi den Rasen des Westfalenstadions betritt, wird von mir bedauert nicht respektiert.
-Hat Ausstrahlung und Lebenserfahrung
Klappt auch nicht. Dafür sind die meisten einfach zu jung. Würde vielleicht noch kommen, aber sie werden nun mal jetzt durch die Medienmangel gedreht.
-Interessiert sich für mehr als Gewicht und Schminke
Kann ich noch nicht beurteilen, werde das verfolgen
Insgesamt also unwahrscheinlich das daraus ein Topmodell für mich entsteht. Aber vielleicht bin ich einfach zu anspruchsvoll. Schließlich arbeiten auch die Damen Klum und Schiffer durch zweifelhafte Medienauftritte an ihrer Supermodellentzauberung. Ich denke da an Claudia Schiffers letzen auftritt bei Wetter Dass!!
Also wirds wohl nur ne weitere 0815 Castingshow, die wie andere, mit jeder weiteren Staffel weniger anschließenden Erfolg ihrer Sieger bringen wird.
Paging