Von Hans Hoff

"Germany's Next Topmodel" läuft wieder im Fernsehen: Die auf Pro Sieben auftretenden Mädchen sollen, so der Laufsteg-Trainer, den Hintern bewegen und sexy sein. Doch das misslingt.

Das Wort der Stunde heißt sexy. Alle sollen "sexy" sein. Meint auf jeden Fall Bruce Darnell. Der Amerikaner ist Laufsteg-Trainer bei Heidi Klums Castingshow auf dem Sender Pro Sieben und so etwas wie die eigentliche Hauptfigur. Bruce brüllt die ihm anvertraute Mädchenschar gerne mal an. "Sexy, sexy, sexyyyyyyy", schreit er dann und fordert in recht ungelenkem Deutsch: "Sie mussen jetzt für mich die Arsch bewegen."

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Nicht für "Germany's Next Topmodel", sondern für eine Werbekampagne: Heidi Klum gibt einen Osterhase (© Foto: dpa)

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Was aber offenbar niemand versteht, denn kurz danach staksen 25 Girlies vor 70.000 Zuschauern über die Mittellinie des Dortmunder Fußballstadions und sehen aus, als versuchten sie imaginäre Kröten zu treffen. Währenddessen steht Bruce am Spielfeldrand und beschwört die Rasentreterinnen mit Verzweiflung in der Stimme: "Sexy, sexy, yeah, come on."

Um es mal deutlich zu sagen: Nichts war sexy beim Auftakt der neuen Staffel von "Germany's Next Topmodel". Manches war lustig, vieles skurril - aber sexy? Wer mag schon an Sex denken, wenn Heidi Klum die Kandidatinnen mit einem derart fröhlich gequiekten "Guten Tag" begrüßt, dass der Schluss nahe liegt, sie synchronisiere in ihrer Freizeit heimlich die Mainzelmännchen.

Sexy wirkt es auch nicht, wenn die blutjungen Bewerberinnen holprig von ihrem großen Traum auf dem Laufsteg berichten und dann Sätze sagen wie: "Ich hoffe, diesen Traum erfüll ich mich hier" oder "Ich möchte auch eine Vorbildfunktion kriegen."

Mehr als 16 000 Mädchen haben sich für die zweite Staffel beworben, gerade mal hundert sind bis in die erste Sendung vorgestoßen. Nur 15 davon haben es am Ende in die nächste Runde geschafft. Dazwischen liegen die immer gleichen Fragen der Marke "Warum willst du Topmodel werden?", jede Menge Vorstellungsroutine, Kritik an zu kurzen und zu lahmen Kandidatinnen.

Da hört der Spaß auf

Misstrauen erregt ein Mädchen, das dünner wirkt als auf ihren Vorstellungsfotos. Sofort heben die Juroren den Zeigefinger und wittern gestörtes Essverhalten. "Da hört der Spaß irgendwann auf", sagt einer, und es ist deutlich zu spüren, dass sich die Magersucht-Debatte entlang der ersten Staffel, in der einer recht dünnen Dame unterstellt wurde, sie sei zu fett für den angestrebten Beruf, keinesfalls wiederholen soll.

Da passt es bestens ins moralisch einwandfreie Bild, dass direkt vor dem Start des Topmodel-Contests die Doku-Soap "Liebe isst" programmiert wurde. Besser kann Pro Sieben seinen guten Willen, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, kaum unterfüttern

Am Ende sagt die 21-jährige Anni, die es in die Runde der letzten 15 geschafft hat und es noch sehr weit bringen wird: "Hammer, echt Hammer." Sie zeigt damit, dass sie schon viel gelernt hat von Bruce, der perfekt zwischen seinen Rollen als dunkler Master Of Ceremonies und Mutter der Kompanie oszilliert.

Sexy ist auch er nicht, aber es ist halt zum quieken, wenn er den Möchtegernmodels betont tuntig vormacht, wie man über den Catwalk zu schleichen hat. Der Mann ist die wandelnde Emotion und weiß, wie man Charme und grenzenlose Naivität gekonnt paart.

Zudem sind seine Sätze große Werke der deutsch-amerikanischen Wortgemeinschaft. "Das ist keine Urlaub, das ist eine Competition" herrscht er seine Schutzbefohlenen an. Die sind indes nicht immer durchweg begeistert vom telegenen Auslesespiel. Als eine Kandidatin von der Jury zurückkehrt, wird sie von einer Mitbewerberin gefragt: "Und, wie war's?" Die Antwort fällt eindeutig aus: "Es war Kacke." Gottseidank hat Bruce das nicht gehört. Er hätte das kaum sexy gefunden.

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(sueddeutsche.de)