Investoren, denen der Profit wichtiger ist als das Kino, verändern die künstlerischen Standards. Gefördert wird nur, was dem Mainstream entspricht - mit Kreativität hat das wenig zu tun.
Der klassische Hollywood-Mogul alten Schlags war ein Kino-Süchtiger mit dickem Bauch, Zigarre im Mund und breiter Besetzungscouch.
Szene aus "Black Hawk Down": Mit Hilfe von Computerprogrammen wollen die Geldgeber das Risiko an den Kinokassen reduzieren. (© Foto: AP)
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Er ließ schon mal - so zum Beispiel Harry Cohn von Columbia - Wanzen in der Garderobe eines Stars wie Rita Hayworth platzieren, um auf diese Weise Erotisches beim Liebesspiel (hier: mit dem jungen Glenn Ford) mitzubekommen.
Oder er ordnete an, das ganze Studiogelände abzubrennen, um die echten Flammen für ein großes Werk nutzen zu können.
So entstand Vom Winde verweht, der Hit des Film-Produzenten David O. Selznick für Metro-Goldwyn-Mayer.
Heute aber werden Hollywood-Filme mit Kalkulationstabellen, Risikominimierungs-Software und viel Investmentkapital gemacht - und oft genug auch mit den vielen, vielen Millionen der Hedgefonds, die weltweit in sehr ertragsträchtige, aber auch riskante Felder investieren.
Von einem "neuen Goldfieber" schreibt die Fachzeitschrift Screen International. Das deutsche Blatt Blickpunkt Film urteilt: "Noch nie strömte so viel privates Kapital nach Hollywood."
Mehr als vier Milliarden Dollar seit 2003
Noch vor etwa 20 Jahren legten die Japaner im großen Stil Geld in der Filmmetropole an der Westküste an. In den neunziger Jahren floss deutsches Kapital nach Hollywood, gespeist aus Börsengängen und steuerbegünstigten Fonds. Von den Managern der Studios wurde es als "silly money" belächelt und doch gerne genommen. Mittlerweile sind es zum einen Finanzinstitute wie Credit Suisse und Dresdner Bank, die für die Produktion von Filmen neue Fonds in dreistelliger Millionen-Euro-Höhe gebildet haben.
Zum anderen sind es Hedgefonds-Größen, zum Beispiel Stark Investments oder der Private-Equity-Ableger der Bank of America. Von ihren Dollars hängen Kinowerke der Studios Warner Bros. oder 20th Century Fox ab. Mehr als vier Milliarden US-Dollar sollen aus solchen Quellen seit 2003 insgesamt in Produktionen gesteckt worden sein.
Eine neue Welt prallt ganz offensichtlich auf eine alte, und es ist ein riskantes Spiel - selbst wenn in Hollywood auch bisher oft weniger an Filmkunst als an Profit gedacht wurde. Denn der Erfolg eines Films ist alles andere als planbar: Während sündteure Werke wie Waterworld mit Kevin Costner entgegen aller Erwartungen absoffen, spielten Low-Budget-Produktionen wie Blair Witch überraschend Millionen ein. Die Finanzbranche aber will maximale Rendite, und das nach nachvollziehbaren Kriterien.
Schon existieren ausgefeilte Computerprogramme, die genau darlegen, wie wahrscheinlich der Kino-Erfolg mit einer bestimmten Schauspielerin oder einem bestimmten Regisseur ist. Wer in der Vergangenheit zu oft floppte oder auf dem Set zickig war, hat keine Chance mehr- zu viel Risiko.
Auch drängen die Finanziers darauf, dass die großen Studios ("Majors") , die zunehmend mit unabhängigen Produktionsfirmen kooperieren, garantiert hohe Beträge in das Marketing der Filme investieren. "Aus einem Unikat-Geschäft soll eine standardisierte Kalkulation werden", sagt ein deutscher Filmchef verwundert. Gefördert werde auf diese Weise nur, was dem Mainstream entspreche. Mit Kreativität habe das wenig zu tun.
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