Ob "Sommer vorm Balkon" oder "Alles auf Zucker" - Es vergeht kaum ein Tag in Berlin, an dem nicht an irgend einem Ort gedreht wird. Die Filmstadt kann wieder mit Hamburg und München mithalten.
Mehr als 200 Drehgenehmigungen erteilt die Stadt jedes Jahr für Filmarbeiten auf Straßen und Plätzen. Etwa 300 Kino- und Fernsehfilme werden in der Region Berlin-Brandenburg produziert, rund 1300 Unternehmen mit 13.000 Beschäftigten erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von 800 Millionen Euro. Inzwischen kann sich Berlin auch gegen die alt eingesessenen Konkurrenz in München und Hamburg behaupten.
Sorry, Tom: Mission Impossible III muss ohne den Reichstag auskommen. (© Foto: Reuters)
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Das war nicht immer so. Denn nach der Wende hatte die Filmwirtschaft große Probleme in der Region. Im West-Teil der Stadt waren bis dahin eher raue, avantgardistische Filme produziert worden, im Osten gab es die Staatsfilmkunst aus den Defa-Studios von Babelsberg. Vergebens träumte man von den großen UFA-Zeiten des deutschen Films in den zwanziger und dreißiger Jahren.
Investitionen, die sich nicht nur künstlerisch lohnen
Doch inzwischen sind viele Schwierigkeiten der Nach-Wendezeit überwunden, die Stadt ist zu einem kreativen Zentrum der Filmwirtschaft geworden. Kinoerfolge wie "Sommer vorm Balkon" oder "Alles auf Zucker" kommen von der Spree. "Die Erneuerung des deutschen Films ist von Berlin ausgegangen", sagt die Geschäftsführerin des Medienboards Berlin-Brandenburg, Kirsten Niehuus. "Es gibt Themen, die lassen sich hier einfach besser erzählen, als anderswo."
Im vergangenen Jahr hat das Medienboard insgesamt 21,3 Millionen Euro an Fördergeldern ausgegeben. Von den 55 deutschen Filmen, die auf der Berlinale gezeigt werden, wurden 15 vom Medienboard unterstützt - darunter auch einige, die in Berlin produziert wurden. Die Investitionen lohnen sich nicht nur künstlerisch. Durch die Fördermittel sind 69,3 Millionen Euro in die Region geflossen, zur Bezahlung von Regisseuren, Drehbuchautoren aber auch von Hotels, Autovermietungen und Handwerkern.
Berlin ist aber nicht nur für deutsche, sondern auch für internationale Produktionen immer attraktiver. Anders als andere Metropolen ist die Stadt als Kulisse noch nicht so verbraucht. Immer öfter taucht die Hauptstadt deshalb auch in Hollywoodfilmen auf. Derzeit sucht Ralph Fiennes in "Der ewige Gärtner" den Mörder seiner Frau in Berlin, vor ein paar Monaten machte sich Jodie Foster in "Fligth Plan" von ihrer Charlottenburger Wohnung auf zu einem Horrortrip im Flugzeug.
Und es ist noch nicht lange her, dass Matt Damon in "The Bourne Supremacy" von einer Brücke auf einen Spree-Dampfer sprang. Nur ein Star blitze ab: Als Tom Cruise in "Mission Impossible 3" in der Kuppel des Reichstags herumturnen wollte, erhob die Bundestagsverwaltung Einspruch. Dies sei mit der Würde des Hauses nicht vereinbar.
(SZ vom 09.02.2006)
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