Von Hans Hoff und Christopher Keil

Der ARD-Entertainer soll künftig nur noch mittwochs zu sehen sein, dafür aber eine ganze Stunde lang. Zuletzt hatte sich die Quote seiner Sendung kontinuierlich verschlechtert.

Derzeit ist Günter Struve wieder häufiger außer Haus. Anrufe in München, wo sein Büro im 15.Stock den Blick auf die Schienenstränge im Münchner Westen öffnet, beantwortet sein höfliches Büro mit dem Satz: Der Chef sei unterwegs.

Schmidt, ddp

Harald Schmidt: Die Quoten haben sich kontinuierlich verschlechtert. (© Foto: ddp)

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Wahrscheinlich ist Struve, 66, Mister ARD. Im gebührenfinanzierten Telekolleg des Ersten steuert er aus München seit 1992 als zentraler Programmdirektor die Unternehmenskultur.

Die einen behaupten, die ARD sei unter Struve ins Seichte abgeglitten mit Volksmusik, Fußball und Heile-Welt-Filmchen, sei beinahe mehr privater Kanal geworden als RTL.

Die anderen, vornehmlich sind das Konkurrenten, äußern sich lobend über Struves Geschick, die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) für den täglichen Quotenkampf in Form zu halten.

Der einstige Redenschreiber von Willy Brandt und langjährige Büroleiter des früheren Berliner Bürgermeisters Klaus Schütz ist ein ebenso großer Rhetoriker wie Zyniker, und seine Managerkunst besteht darin, die neun ARD-Intendanten für seinen Programmkurs zu gewinnen.

In diesen Tagen muss er deshalb auch mit Harald Schmidt sprechen. Schmidts Vertrag steht zur Verlängerung an. 2005, im ersten Arbeitsjahr für die ARD, bekam er geschätzte Schmidt 9,7 Millionen Euro - natürlich brutto, die Zusammenarbeit wurde damals über die ARD-Produktionstochter Degeto abgewickelt. Nun soll Struve beabsichtigen, Schmidt künftig nicht mehr zweimal wöchentlich antreten zu lassen, sondern nur noch einmal, dafür allerdings eine ganze Stunde lang. Man könnte also von einer weekly sprechen, einer klar definierten und fest platzierten wöchentlichen Show.

Schmidt ist in brancheninterner Aufmerksamkeit zu messen

Genau das, fest platziert und klar wieder erkennbar, war die Sendung Harald Schmidt bisher nicht. Mal kam sie um 22.45 Uhr, mal nicht. Stattdessen rollte plötzlich der Ball (mittwochs), weil Länderspiel oder DFB-Pokal war. Donnerstags stand ohnehin der ständige Wechsel mit dem Scheibenwischer an.

Vielleicht liegt es ja an dieser erschwerten Ausgangslage, dass die Quoten sich kontinuierlich verschlechtert haben. Obwohl Harald Schmidt nicht in Quoten, sondern in brancheninterner Aufmerksamkeit zu messen ist, demokratisieren schlechte Zahlen, zumal in der vielstimmigen Bürokratie ARD, offenbar jedes Format. 2005 erreichte Schmidt im Jahresdurchschnitt noch 10,4 Prozent aller Zuschauer, 2006 sind es bislang 9,3 Prozent, von den zurückliegenden zehn Sendungen blieben vier unter neun Prozent.

Die Entscheidung über Schmidts künftigen Auftritt ist noch nicht gefallen. Die Intendanten werden sich damit befassen, Schmidt wird sich damit befassen, sein Partner Fred Kogel wird die neue ARD-Offerte prüfen, und für Struve bietet sich ganz nebenbei die Chance auf ein Reförmchen des ARD-Programmschemas.

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