Der Verkleinerungswahn hat endlich auch das Fernsehen erfasst. Doch so richtig funktioniert Handy-TV noch nicht - ein fast leidvoller Feldversuch.
Der Mensch ruht nicht, bis er alles klitzeklein gemacht hat. Die Welt und ihre Dinge mögen riesig sein. Und die Taten der Menschen gewaltig. Doch bezwungen, wirklich bezwungen sind Welt und Dinge erst, wenn sie in die Hosentasche passen. Gut: Autos und Fußballstadien und texanische Cowboyhüte sind auszunehmen. Aber sonstiger technischer Fortschritt will sich in Miniaturisierung äußern. Man denke nur an die Notebooks, deren Tastatur mit Lupe und Zahnstochern zu bedienen ist. So traf es, das musste kommen, jetzt auch das Fernsehen.
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Mal läuft es, mal nicht, dann hoppen die Standbilder. (© Foto: Heddergott)
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Das Fernsehen, so lautete mal ein sentimentaler Spruch, ist ein Fenster zur Welt. Das brummende Wirtschaftswunderdeutschland konnte, weil ja vor lauter Wirtschaftswunderbetriebsamkeit sonst kaum etwas ging, aus diesem Fenster heraus Dinge sehen, die es noch nie gesehen hatte - die ganze Welt eben, und seit der Mondlandung auch noch mehr. Nach Belieben war dieses Fenster zu öffnen, zu schließen und auf beliebige Programm-Panoramen zu richten. Im Grunde genommen war schon das eine unerhörte Miniatur der Ereignisse. Doch der Mensch in seinem Verkleinerungswahn, er ruhte nicht. Denn die Flimmerkiste stand unverrückbar wie ein Aquarium im Wohnzimmer, nur ab und zu stiegen darin Blasen auf, das waren die Talkshows mit Sabine Christiansen. Und so nimmt es nicht wunder, dass der Schrumpfungswahn auch hier ansetzte, zumal mobile Menschen ihr Weltfenster immer dabei haben wollten. Und so tüftelten denn Ingenieure und Techniker und Salesmanager und Marketingexperten bis zur letzten Woche. Und siehe da...
Es musste erst ein Prozess gewonnen werden. Denn kaum waren die innovativen Kräfte mit ihrer Fernsehschrumpfung fertig, stellten sie fest: Uuupps, es gibt jetzt zwei konkurrierende Systeme. So geschah es denn, dass die Einführung des Mobilfernsehens fürs Handy in Deutschland mit einem Rechtsstreit begann, den das Verwaltungsgericht Stuttgart Anfang Mai mit einer Eilentscheidung beendete. Eilentscheidung deshalb, weil man das Handy-TV unbedingt noch vor der Fußball-Weltmeisterschaft am Start haben wollte. Bei dem Streit ging es um das Recht, die Sende-Frequenzen für mobiles Fernsehen nach dem neuen DMB-Standard nutzen zu dürfen. DMB steht für "Digital Multimedia Broadcast", ein Format für Bewegtbild und Radio, das digital terrestrisch ausgestrahlt wird. Denn Handy-TV wird nicht wie bei UMTS über das Mobilfunknetz, sondern über Fernsehantenne übertragen.
Gewonnen hat den Streit die "Mobiles Fernsehen Deutschland GmbH" (MFD), die ihr Guck- und Lausch-Paket nun über den Mobilfunkanbieter Debitel vertreibt. Seit Mittwoch letzter Woche sind erste Geräte im Handel, auch wenn die Kleinstglotze vorerst nur in fünf Städten: München, Stuttgart, Berlin, Frankfurt und Köln tatsächlich Fernsehbilder empfängt. Bis Ende des Jahres sollen aber schon 80 deutsche Städte auf Empfang gehen können.
Es klingt absurd, Fußball-Übertragungen auf einer Fläche mitverfolgen zu wollen, die wenig mehr als vier Briefmarken, genauer: 240x320 Pixel auf einem Mini-TFT-Display, groß ist. Abseits-Entscheidungen möchte man so kaum treffen. Dennoch - man will dieses Liliput-TV wenigstens einmal ausprobiert haben. Also zogen wir los.
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Brasiliens Präsidentin Roussef