Von Bernd Graff

Statt Anruf "Klick": Mit den neuesten Handys kann man fernsehen. Und, ja, sie werden unser Leben ändern.

"Interaktive Telefonie". Aha. Das ist jetzt also mal das Neueste. Man möchte in Tränen ausbrechen. Denn interaktive Telefonie ist als Neuigkeit so brisant wie "Wasser mit der Nassformel"- eine glasklare Tautologie. Denn wenn eine technische Errungenschaft jemals interaktiv genannt werden durfte, dann das Telefon. Andernfalls wären sogar Echos fortschrittlicher.

Wenn Sie wissen wollten, wer dieser Spieler ist, dann klicken Sie ihn einfach an! Dermaleinst auf dem Handy, natürlich. (© Foto: Bernd Graff)

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Doch jetzt geht es um eine neue Generation von Mobiltelefonen. Und dabei geht es um's Telefonieren zuletzt. Denn der Schlüssel zu den annoncierten Neuerungen ist merkwürdigerweise das Fernsehen. Merkwürdigerweise, weil dieses klassische Medium bislang als das Gegenteil von Interaktion betrachtet werden muss - immer nur vom Sender zur Sofa-Kartoffel. Tatsächlich aber wird sich dieses erschöpfte Medium revolutionieren, wenn es denn digital über Handys zu empfangen ist. Die Möglichkeit dazu besteht jetzt schon, in Deutschland etwa seit der WM. Allerdings noch nicht überall. Erstmal muss nämlich hierzulande neben dem existierenden ein weiterer Übertragungsstandard für digitale Fernsehbilder freigeschaltet werden. Derzeit existiert ein Fernsehnetz nach dem DMB-Standard (Digital Multimedia Broadcasting). Erwartet wird das DVB-H -Netz (Digital Video Broadcasting for Handhelds), das zwar schon in einigen Städten im Test betrieben wird, für das auch schon Prototypen von Empfangs-Geräten existieren, die aber noch nicht im Handel erhältlich sind.

Damit aus dem seit eh und je interaktiven Telefon und dem bislang nie interaktiven Fernsehen so etwas wie "mobiles Interaktiv-TV" werden kann, akzentuieren die Technik-Visionäre drei Aspekte, die aus dem Zusammentreffen von digitalem Fernsehen und Handy resultieren. So macht man sich zunutze, dass jedes Handy einer einzelnen Person zugeordnet und das Gerät lokalisierbar ist. Das ermöglicht personalisierte Dienste in Abhängigkeit vom Aufenthaltsort. Man kombiniert dann die bislang unverbunden nebeneinander existierenden Anwendungen und Services - von Adressbuch und Terminkalender über GPS-Navigation bis zur Internet-Anbindung mit allen darin vorhandenen Diensten. Und man profitiert schließlich vom "Rückkanal" des neuen digitalen Fernsehens, der die ominöse Interaktivität möglich machen soll - wobei Fernsehen für Handys sich nicht darauf beschränken wird, die Programme des Wohnzimmer-TVs wiederzugeben. Was Technik-Experten nun daraus zusammenrühren, kommt einer Kultur-Revolution der mobilen Kommunikation zumindest nahe.

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