Sicherlich werden wir auch konkrete Anleitungen geben. Nach dem Erdbeben in Kaschmir haben wir ein Handbuch für erdbebensicheres Bauen für lokale Hilfsorganisationen und Gemeinden entwickelt. Das sollten wir jedem Mitarbeiter einer Hilfsorganisation auf seinen Kindle spielen. Wir müssen aber genauso die freiwilligen Helfer und die Mitglieder der betroffenen Gemeinden weiterbilden. Nicht zuletzt, weil es nicht nur um Unterkünfte geht, sondern auch um Jobs.

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Deswegen ist es auch wichtig, dass man sobald wie möglich die Schulen wiederaufbaut. Mal abgesehen vom Grundrecht der Kinder auf Bildung, ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor beim Wiederaufbau. Wenn es keinen Ort gibt, an dem die Kinder tagsüber untergebracht sind, können die Eltern nicht arbeiten, und die Wirtschaft wird sich nie stabilisieren.

Aber die Menschen in Haiti brauchen jetzt nicht Ideen, sie brauchen Unterkünfte. Unsere Aufgabe ist es, Häuser zu bauen, die nicht nur sicher sind, sondern auch den Bedürfnissen und Wünschen der Familien gerecht werden, die in ihnen leben sollen. Wir bauen ja nicht nur ein Dach über den Kopf, wir schaffen Kapital. In Ländern wie Haiti gibt es keine Rentenversicherung, keine Investmentfonds.

Wenn wir die Gebäude aber einfach nur rekonstruieren, schaffen wir lediglich die Grundlage für die nächste Katastrophe. All dies müssen wir im freien Austausch tun. Wenn man ein Bauvorhaben plant, um einen gesellschaftlichen Wandel zu erreichen, und nicht, um Geld zu verdienen, kann das Projekt nur innovativ sein, wenn man es teilt. Deswegen ist unsere Arbeit, sind unsere Pläne und Konzepte nach dem Creative-Commons-Prinzip des offenen Urheberrechts jedem zugänglich.

Langfristige Planung

Wenn wir uns mit anderen Hilfsorganisationen zusammenschließen und unsere Pläne und Unterlagen nach dem "Open-Source"-Prinzip öffentlich machen, können wir das Bauwesen in schwierigen Regionen nachhaltig verbessern. So können wir innovative Lösungsmodelle schaffen, die den jeweiligen Anforderungen vor Ort gerecht werden oder ihnen angepasst werden können, um die Menschen vor künftigen Katastrophen zu schützen.

Vor allem aber müssen wir planen, über diese neu geschaffenen Gemeindezentren langfristig und in Kooperation mit den Gemeinden selbst am Wiederaufbau zu arbeiten. Denn nur die Menschen die dort leben, wissen, welche Möglichkeiten und Materialien, welche Anforderungen und Wünsche es dort gibt. Die Katrina Studios, über die von lokalen Partnern Hilfsorganisationen und Bauprofis gemeinsam betrieben wurden, waren integraler Bestandteil dafür, dass Hunderte Familien in Mississippi und Louisiana wieder ein Heim bekamen.

In Haiti müssen wir genauso vorgehen. Es kann keinen Besitzanspruch auf den Wiederaufbau von Existenzen geben. Hilfsorganisationen müssen wie Schlepper funktionieren, die es möglich machen, dass der Wiederaufbau Haiti stabiler macht, als es zuvor war. Wir können es uns nicht erlauben, die Spendengelder zu verpulvern, indem jeder von uns sein eigenes Süppchen kocht. Haiti hat schon genug durchgemacht.

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  1. Bloß kein Bullshit nach der Katastrophe
  2. Sie lesen jetzt Ein stabileres Haiti
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(SZ vom 21.01.2010/aho)