Hackerkongress Die Elite im Bällebad

Teilnehmer des diesjährigen Hackerkongresses: In Workshops und Vorträgen ging es auch um die Gesellschaft der Zukunft.

(Foto: Patrick Lux/Getty Images)

Der Chaos Computer Club lud nach Hamburg zur 29C3. Auf dem Hackertreffen war Platz für Kreativität - aber auch für ernsthafte Kritik an gesellschaftlichen Entwicklungen. Außerdem bewiesen die Computerfans: Sie haben ihren ganz eigenen Humor.

Von Johannes Boie, Hamburg

Zum Beispiel Tilo Müller. Tilo ist ein junger Mann, der Festplatten hackt. Das heißt, er verschafft sich Zugriff auf Daten, die ihm nicht gehören.

Hamburger Kongresszentrum, zwischen den Jahren. Vier Tage lang treffen sich Hacker und Computerfans, Bürgerrechtler und Juristen auf der 29. Chaos Communication Camp-Konferenz (29C3) des Chaos Computer Clubs im Hamburger Kongresszentrum. In über 100 Vorträgen und Workshops diskutieren sie miteinander und schießen nebenbei erfahrungsgemäß ein paar rechtsradikale Webseiten aus dem Internet. Das gehört zum guten Ton, ebenso wie möglichst schwer verständliche Anspielungen und Witze auf dem T-Shirt zu tragen.

Auch 2012 sind nur sehr wenige Frauen unter den Besuchern des 29C3, dafür sehr viele junge Männer, die meisten in Schwarz gekleidet. Das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier eine Elite tagt. Hier treffen sich Menschen, die wissen, wie Computer und digitale Technik, vom Smartphone bis zur Drohne, funktionieren. Sie haben die Hoheit über die Verbreitung von Informationen, sie sind die Buchdrucker, die Königsberater, die Chefredakteure, die Professoren des 21. Jahrhunderts. In Hamburg diskutieren sie unter anderem über Themen wie "Cyberwar statt Cyberpeace", "Privacy and the Car of the Future", "Hacking Cisco Phones" und "Meine Kleidung funkt - Tracking von Menschen durch in Kleidung integrierte RFID-Chips".

Ein Besucher trägt ein T-Shirt, auf dem steht: "Ich bin /root, ich darf das". Eine Anspielung, auf die besonderen Rechte eines Administrators.

Mangelhafte Computersicherheit weit verbreitet

Tilo Müller knackt Festplatten übrigens ganz legal als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Erlangen, und auf dem 29C3 erklärt er, wie das geht. "Der linke ist jetzt der Opferrechner", sagt Müller und zeigt ein kurzes Video von zwei Computern. Es dauert keine zehn Sekunden und eine Textdatei vom linken PC ist plötzlich auf dem Bildschirm des rechten Rechners zu sehen. Müller hat das System überlistet. Große Freude im Publikum. Johlen, jauchzen, einerseits, andererseits seufzt ein Dicker im Kapuzenpullover "Aua, aua, man, man, man". Jede Dosis von Club Mate-Limonade ist für einen echten Hacker in Ordnung, aber bei mangelhafter Computersicherheit wird ihm schlecht.

Weil der Hacker weiß, was passieren kann. Müller, zum Beispiel, kennt ein paar Zahlen: Allein an amerikanischen Flughäfen gehen Woche für Woche 5000 Rechner verloren. Unternehmen beziffern den Verlust eines Dienstlaptops durchschnittlich mit circa 35 000 Euro, vor allem, weil die Daten auf den Geräten oft viel wert sind. Nicht gut also, dass von den zwölf handelsüblichen Notebooks, die sich Müller vorgenommen hat, elf bereits bei einem der ersten Angriffe versagen.