Günter Wallraffs Undercover-Film "Schwarz auf Weiß" zeigt die Fragwürdigkeit seiner Methoden und bereitet gewaltige Kopfschmerzen - was nicht nur an den schlechten Aufnahmen liegt.
Zunächst einmal bereitet einem der Dokumentarfilm über die Deutschlandreisen des Reporters Günter Wallraff in der Verkleidung als somalischer Einwanderer gewaltige Kopfschmerzen. Buchstäbliche Kopfschmerzen, denn ein Großteil des Filmmaterials für "Günter Wallraff: Schwarz auf Weiß" wurde mit versteckten Kameras gedreht.
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Wallraff in der Maske: auf dem Weg zum somalischen Einwanderer. (© Foto: filmstarts.de)
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Die liefern Bilder, die von extremen Weitwinkeln, matten Kontrasten, ungefederten Kamerastößen und unnatürlichen Kamerapositionen bestimmt sind, was rasch zu einer Art visuellem Schleudertrauma führt. Das Tragische an diesen Aufnahmen ist jedoch, dass sie keinerlei Material liefern, das einen solchen Qualitätsverlust rechtfertigen würde.
Da lässt sich Wallraff dunkelbraun einfärben, zieht sich eine Kraushaarperücke über und ein Hemd aus jenem bunten Stoff, aus dem in Afrika die Kleider der Marktfrauen geschneidert sind. So weit bleibt er sich treu. Seine Verkleidungen als Gastarbeiter, Bild-Zeitungs-Reporter und Penner waren ähnlich aufwendig.
Allerdings ist es ein großer Unterschied, ob man im Dienste der Aufklärung die soziale Leiter hinabsteigt, oder sich als ethnische Minderheit maskiert. Das beginnt schon mit der unglaubwürdigen Maskerade selbst. Man erwartet von Wallraffs somalischem Alter Ego Kwami Ogonne eher, dass er "Viva Colonia" anstimmt, als einen afrikanischen Folkloregesang.
So marschiert er dann in Schrebergärten und Hundezüchtervereine, auf Volksfeste und Fußballspiele, er legt sich mit Kneipengästen und Türstehern an, vornehmlich in der ostdeutschen und bayerischen Provinz.
Dabei wirkt er wie der Antipode eines pathologisch Liebesbedürftigen: Wallraff will unbedingt gehasst werden. Doch selbst die betrunkenen ostdeutschen Fußballhools in ihren Nazi-shirts pöbeln ihn nur mit vorhersehbaren "Deutschland-ist-weiß"-Sprüchen an. Da bleibt ihm dann nichts anderes übrig, als im Schminkstuhl noch einmal zu referieren, was für eine bedrohliche Stimmung das gerade gewesen sei.
Immer penetranter geriert sich Wallraff ohne jede Dramaturgie als humorloser Borat. Als er sich auf einem Volksfest zum Schunkeln aufdrängen will, fragt man sich, ob es nicht eher an seiner unangenehmen Person als an seiner künstlichen Hautfarbe liegt, dass ihn die Leute so schneiden.
Nein, was Wallraff hier mit diesem technisch und dramaturgisch unzulänglichen Film vorführt, ist weniger eine Anklage gegen den Rassismus als eine Inszenierung seiner eigenen Vorurteile. Er bestätigt seinem bildungsbürgerlichen Stammpublikum ihre vorgefassten Meinungen und bedient dabei einen Klassendünkel, der einen Großteil der Bevölkerung zum fratzenhaften Pöbel degradiert.
Beweisen kann Wallraff mit solchen Szenen nicht viel. Noch schlimmer ist aber, dass er offensichtlich auch nichts verstanden hat. Denn letztlich krankt der Film ja daran, dass sich Wallraff hier einer Methode bedient, die traditionell ein Mittel des Rassismus war - des "Blackface". Von den europäischen Metropolen des Kolonialzeitalters bis zum Amerika des frühen 20. Jahrhunderts spielten zu Schwarzen umgeschminkte weiße Schauspieler das rassistische Klischee als Schmierenkomödchen. Wallraff mag es gut gemeint haben. Letztlich hat er sich mit diesem Film nur geschadet - denn er stellt auch seine Arbeit als Autor in Frage.
GÜNTER WALLRAFF: SCHWARZ AUF WEISS, D 2009 - Regie: Pagonis Pagonakis, Susanne Jäger, Produzent: Gerhard Schmidt, Kamera: Frederik Walker, Ralf M. Mendle. X-Verleih, 86 Min.
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(SZ vom 29.10.2009/iko)
Brasiliens Präsidentin Roussef
Es verwundert sehr und lässt zugleich doch tief blicken, dass Sie es in ihrem Artikel noch nicht einmal schaffen das Wort "Penner" in Anführungszeichen zu setzen und es somit gleich eine ganz andere, Bedeutung beigemessen bekommt- nämlich die eines SCHIMPFWORTES. War das Absicht? Wenn ja, kann ich Ihnen nur zu ihrem Straßenjargon unter der Gürtellinie gratulieren und frage mich, ob dieses einstmals seriöse Blatt jetzt auch schon in der Not ist, Menschen mit nur unzulänglicher Kinderstube und Bildung, in der Mitarbeiterriege zu beschäftigen. Ausserdem fragt man sich- auch bei Ihrem Artikel- ob Sie sich eigentlich für den Inhalt und den vermittelten Alltagsrassismus dieses Werkes interessieren? Sie versuchen leider, wie viele andere gleichgeschaltete Journalisten, von dem eigentlichen Thema abzulenken und nur über die oberflächliche wertenden Weise dem Thema Rassismus ( in einer leider dem Grundschulniveau ähnelnden Manier) in einer sinnleeren Art zu begegnen. Leider spiegeln Sie auch den Zeitgeist unsere Mehrheitsgesellschaft wieder. Keiner will es hinter her gewusst haben..... Die Ängste, die sich auf beiden Seiten der Gesellschaft hinter dem Thema Rassismus verbergen werden gar nicht erst zur Debattengrundlage gemacht. Klar, geht auch nicht, da ja nur vierundsechzig Jahre zwischen dem Holocaust und dem JETZT liegen. Schweigen, verdrängen und ablenken- ist das was unsere meinungsbildende "Elite" der Medienzunft heute nur noch kann???? Wachen Sie bitte auf und schauen sich doch einmal um oder gehören Sie zu denjenigen die wegschauen oder gar die Flucht ergreifen, wenn Alltagsrassismus gelebt wird. Ich kann nur noch abschließend sagen, dass es ein Trauerspiel ist, wie hier in Deutschland mit kritischen Themen umgegangen wird und wie wenig die Medien sich Ihrer Vorbildfunktion bewusst sind.
Rassismus ist ein Problem. Und auch kein kleines, weshalb eine Auseinandersetzung mit der Thematik bitter nötig ist.
Aber: Ist Wallraff der Erste, der auf Rassismus in Deutschland aufmerksam macht? Warum brauchen wir einen weißen Journalisten, der sich mit Schuhcreme bemalt, um der Gesellschaft das Problem des Rassismus nahezubringen?
Warum hört niemand die in Deutschland lebenden People of Colour, die seit Jahren und Jahrzehnten versuchen, auf die strukturellen und offenen Rassismen in der Gesellschaft aufmerksam zu machen?
Offenbar hätte sich der von mir ansonsten sehr geschätzte Autor schon sehr gewünscht, dass Wallraff zum Wohle der Dramaturgie am Ende des Films von den ostdeutschen Fußballhools zumindest ins Koma oder aber darüber hinaus gestiefelt wird. Sehr befremdlich.
Ich kann gut verstehen was sie meinen. Und der Anteil der Alltagsrassisiten hierzulande ist nicht gerade klein. Sieht man sehr gut an den vielen Beiträgen hier, die sich von Wallraff angepisst fühlen.
Andrian Kreye? Komisch, gestern hieß der der Autor noch Anya. lol
Übrigens:
Pöhser, pöhser Günther! Tu den Deutschen nicht so veräppeln. Voll unfair Dich als Neg.., - oooops - Schwarzer auszugeben. Da muß man ja seinen Rassismus zeigen, wenn da einfach son' Neg..äh verdammt ja Farbiger völlig unverblümt dahergelaufen kommt. Oder nicht, ist doch echt so!
Und was fällt dem überhaupt ein mit pigmentierten Gesicht wie jeder andere auch einen Jagdschein zu beantragen. Das geht doch gar nicht. Und in den Schrebergartenverein geht schon dreimal nicht. Ich glaub jetzt gehts los! Sind wir hier in Ouagadoudou?
Und überhaupt, daß ist ja total rassistisch von Dir Günther das blackfacing zu verwenden. Das darfst Du ja gar nicht. Ist echt pfui! Ausserdem sagt das die Anya Kreye!
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