Grafikdesigner Storm Thorgerson Auf der dunklen Seite des Mondes

Albumcover von Genesis' "The Lamb Lies Down On Broadway"

Er designte die Plattencover legendärer Alben der Musikgeschichte, zu seinen Auftraggebern zählten Pink Floyd, Genesis und Muse. Nun ist der britische Grafikdesigner Storm Thorgerson im Alter von 69 Jahren gestorben.

Von Bernd Graff

Irgendwann gegen Ende des Jahres 1974 brachte die damals noch sehr britische Band Genesis um den da gerade von der Phase seiner Haupthaarauffälligkeit in die der generellen Auffälligkeit übertretenden Peter Gabriel ein Konzept-Doppelalbum heraus. "The Lamb Lies Down On Broadway" hieß es, und es wollte irgendwie Bedeutung vermitteln.

Natürlich wollte die gesamte Pop-Welt damals irgendwie Bedeutung vermitteln, aber klar war auch: Es musste eine rätselhafte Bedeutung sein, irgendwas mit Fleisch, etwas opernhaft Surreales, Psychedelisches, was unter anderem an den toxischen Substanzen lag, die man damals in Popmusikerkreisen schon zum Frühstück einwarf. Nur, wie rasselt man aus dem Parallel-Universum des Pop auf Plattencovern mit Bedeutung?

Die Band bat also den britischen Grafik-Designer Storm Thorgerson, sich etwas einfallen zu lassen. Thorgerson war, das muss man wissen, schon eine Berühmtheit. Er hatte 1968 mit Aubrey Powell - die beiden waren so etwas wie der René Magritte und der Max Ernst der Cover-Kunst - die Designgruppe "Hipgnosis" gegründet, und war seit dem Cover der zweiten Platte von Pink Floyd, "A Saucerful Of Secrets", der Hausdesigner dieser Band.

Albumcover zu Pink Floyds "The Dark Side Of The Moon"

Thorgerson kam also zu Gabriel mit jenem Kunstwerk, auf dem dreimal derselbe Mann zu sehen ist, der sich selbst betrachtet und bekämpft. Irgendwas mit Bedeutung eben, aber glasklar im Design. Gabriel war glücklich. Wie auch die Abnehmer der mehr als 200 Cover, die Hipgnosis zwischen 1968 und 1983, dem Jahr der Firmenauflösung, vorgelegt hat.

Fast alle Bands von Rang haben in diesen quirligen Jahren Thorgerson engagiert, um ihre Platten von ihm gestalten zu lassen: T. Rex, 10cc, The Nice, Climax Blues Band, Emerson, Lake and Palmer, Wishbone Ash, AC/DC, Paul McCartney, Black Sabbath, Scorpions, Led Zeppelin - und natürlich immer wieder Pink Floyd, für die er seine berühmtesten Cover gemacht hat: Das für "The Dark Side of the Moon", natürlich, und das für "Wish You Were Here".

"Man kann ohnehin nicht 45 Minuten Musik in ein Bild zwängen", hat Thorgerson mal gesagt. Darum habe er eben etwas anderes abgebildet. Manchmal habe er es selbst nicht verstanden, was aber auch egal gewesen sei: "Das machte die Leute in den Plattenfirmen verrückt, aber die Künstler mochten es." Jetzt ist Storm Thorgerson im Alter von 69 Jahren in London gestorben. Zuletzt arbeitete er für die Biffy Clyro und Muse sowie für die australische Gruppe Pendulum.

Albumcover zu "Black Holes And Revelations" von Muse