Nina Ruge darf noch mal ran und alles wird gut: Lilo "Knallcharge" Pulver und Pierce "Rettet die Wale" Brosnan werden für ihr Lebenswerk geehrt.
Das mit dem Alter und dem Fernsehen ist so eine Sache: Erst ist man zu jung dafür, die richtig interessanten Sachen zu gucken - und dann ziemlich schnell zu alt, um noch im Fernsehen auftreten zu können. Irgendwo dazwischen trifft man sich, um vom Zweiten Deutschen Fernsehen und von der Hörzu total überraschend eine Goldene Kamera verliehen zu bekommen. So auch am Donnerstag Abend in Berlin.
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Zackig, zackig
Dass die meisten Preisträger der Fernseh-Gala "Goldene Kamera" längst nicht mehr zur werbereleveanten Zielgruppen-Altersklasse gehören, ist beim ZDF nicht so schlimm: Der Kinoklassiker "Das Boot" ist 25 Jahre alt. Macht ja nichts, wenn die Truppe Gelegenheit bekommt, noch einmal, vor Stolz ganz steif, in den Festsaal einzumarschieren und "zum Appell" anzutreten, wie Schauspieler Jürgen Prochnow überaus zackig anregt. Untertitel hätten dabei geholfen, sich daran zu erinnern, wer nochmal wer ist.
Untertitel sollten aber auch gut überlegt sein: "Spezial - Umwelt" auf die Bauchbinde eines Ex-James-Bond-Darstellers zu schreiben, wollte so gar nicht zu der eleganten Erscheinung eines Pierce Brosnan passen, sollte aber bedeuten, dass dieser Mann nicht nur Bumm-Bumm-Filme macht, wie Laudatorin Nina Ruge zu erklären versuchte, sondern nebenberuflich auch noch Wale rettet.
"Es macht nicht nur Bumm, es macht sogar Super-Bumm", ist neben "Alles wird gut" einer der denkwürdigen Sätze, mit denen TV-Lady Ruge auf den letzten Drücker noch Fernsehgeschichte schreiben könnte.
Nicht getraut
Super-Bumm wäre ein super Stichwort für ein paar launige Wortwitze des Super-Moderators Thomas Gottschalk gewesen. Er traute sich aber nicht, wie er auf der anschließenden Leute-Heute-Aftershow-Party verriet, auf der Nina Ruge und ihre Nachfolgerin Karen Webb nochmal die Stars zum Talk abgriffen: "Du hast uns nicht enttäuscht, Du warst lustig - aber ich habe den Eindruck, dass Du schon ein bisschen guckst wie die Goldene Kamera", so Ruge. "Ich hätte mir gewünscht, dass was passiert", verriet Gottschalk, für seine Verhältnisse erstaunlich konservativ gekleidet. Aber auf einer solchen Veranstaltung wäre es wohl besser, wenn nichts passiere.
Nichts passiert kann man so aber auch nicht sagen: Olli Kahn, dem zusammen mit Waldemar Hartmann eine Goldene Kamera für den besten Promi-Spot verliehen werden sollte, erschien erst gar nicht, schickte aber seine Freundin Verena vor, die man beinahe nicht erkannt hätte: "Mach Du mal", haucht sie im weißen Walle-Gewand auf der Bühne zu Hartmann. "Sie ist sehr aufgeregt", erklärt dieser altväterlich.
"Gar nicht verdient"
Nicht so überraschend war, dass von den Nominierten Polit-Magazinen ausgerechnet das ZDF-Format "Frontal 21" bei einer ZDF-Veranstaltung ausgezeichnet wird. Da hilft es auch nicht, dass lange erklärt wird, dass die Hörzu-Leser sogar mit Postkarten dafür abgestimmt hätten. Nominiert war auch das ARD-Magazin "Monitor".
Und während die Weltstars sich vornehm zurück hielten (Nicolas Cage), ein paar Phrasen zum Dank sagten und ansonsten Kaugummi kauten (Pierce Brosnan), war die Bühne frei für deutsche Gesichter, die man nicht unbedingt kennen musste, die sich dafür aber umso länger bedankten.
Echte Emotionen gab es an genau zwei Stellen: Als der körperbehinderte Bassbariton Thomas Quasthoff eine Laudatio für Simon Rattle hielt - und man merkte, dass das Publikum ihn immer noch eher als Behinderten denn als Erfolgsmenschen wahrnimmt. Und als Lilo Pulver für ihr Lebenswerk geehrt wurde - blendend gerührt und vom Saalpublikum dafür geliebt, dass sie mit 77 immer noch zauberhaft mädchenhaft wirkt. "Ich war ja eigentlich die Knallcharge des deutschen Films. Ich habe diesen Preis gar nicht verdient", verrät sie nach der Show. Für solche Sätze lohnt es sich dann doch, drei Stunden Goldene Kamera zu gucken.
(sueddeutsche.de)
Brasiliens Präsidentin Roussef
ich hatte spass beim lesen des artikels von frau schneeberger und kann gut verstehen, dass die angeblichen steilvorlagen eines betrunkenen herrn sander nicht wesentlich vom üblichen verlauf solcher galaübertragungen abweichen. waldi war sehr amüsant und nina babyface ruge hat jedem zuschauer glaubhaft vermittelt, dass es höchste zeit für sie wird, die mattscheibe zu verlassen.
das highlight des abends war, wie schon erwähnt, die sympathischste aller knallchargen...lilo pulver. man denke nicht nur an piroschka, sondern immer an ihr strahlendes lächeln.
Also, bei uns lief die Sendung 'im Hintergrund'. Ab und zu sah ich dann bewußt zu, wenn jemand mir interessant genug erscheinender aufgerufen wurde. Solchermaßen die Gala nicht sonderlich ernst nehmend, konnte ich mich herzlich amüsieren über den Auftrieb mir weitgehend unbekannter Y-Promis. Bei Otto Sanders 'Auftritt' erhoffte ich insgeheim die 'Sensation des Abends', auf die wohl auch Tommy vergeblich gewartet hatte. Leider wurde er von seinen Bodyguards zu gut kontrolliert, so dass nicht mehr als die Bestätigung für seinen alkoholisierten Zustand herauskam. Schade, ich hätte der Gala gerne einen kleinen Skandal gewünscht. So aber war das alles wieder mal viel zu brav und deutsch. HÖR ZU eben. Das ist alles so unbedeutend, dass man bei drei Viertel der Geehrten aus deren Dankesbezeugungen regelrecht heraushören konnte, für wie unwichtig sie die erhaltene Auszeichnung tatsächlich halten. Bei so viel heißer Luft lohnt es sich dan auch wirklich nicht, den o.e. SZ-Artikel zu 'rezensieren'.
Auch ich habe den schlimmen Verdacht, dass obige Autorin allenfalls mit einem Auge auf den Fernseher gelinst hat. Wenn schon einen Verriss, dann nicht die Hälfte vergessen!
Abseits der von meinem "Vorredner" schon aufgezeigten "Verständnisschwierigkeiten" waren peinliche Höhepunkte der "Gala" der volltrunkene Otto Sander, der beim Auftritt der "Das Boot"-Crew von Jan Fedder und Claude-Oliver Rudolph gestützt werden mußte und es trotzdem schaffte irgendetwas Unverständliches ins Mikro zu brabbeln.
Verena "Kahns" Auftritt war unterirdisch und der absolute Klimax des Fremdschämens. Waldemar Hartmanns Schlußsatz war jedoch zutiefst ironisch und damit lustig und hätte einer Erwähnung bedurft.
Auch die, ganz crazy, durch den Zuschauerraum, auftretenden Kinder des "Educational Sonstwas-Programms" von Herrn Rattle, verwiegerten sich auf "Rütli-Schulen-Niveau" mit einem "weiß isch doch nisch" den immer selben Tommy-talkt-mit-Kindern-Phrasen. Lediglich No-Angels-Sandy rettete einigermaßen die Situation, indem sie ein zu ihr hinbefohlenes Kind "auf seinen Wunsch" hin ableckte.
Wichtiger ist da natürlich der "Wahnsinns-Aufreger", dass Frontal 21 von den HöRZU-Lesern als Politmagazin ausgezeichnet wurde, wo doch die Ikone des investigativen Journalismus, "Monitor", zur Auswahl stand. Das überrascht halt einfach mal niemanden, der die SZ liest. Die wirklich zum Schreien komische Laudatio des HöRZU-Chefredakteurs hingegen, ganz wichtig mit "Chefredakteurs-Intelektuellen-Brille", bei der aus dem Publikum bereits laute Lacher zu hören waren, findet natürlich keine Erwähnung.
Schade, genug Vorlagen waren da, leider keine verwandelt!
Das im Namen der Süddeutschen so ein Text kommt fand ich doch sehr enttäuschend. Das klingt alles sehr frustriert aber auf keinen Fall objektiv. Schon die Einleitung mit 'zu jung interessantes zu schauen, zu alt aufzutreten' - he?? Erstens: komische These und zweitens: was hat das eine mit dem anderem zu tun. Heiße Luft! Ich habe gestern nur ab und zu mal reingezappt, weil ich auch kein Gala-Fan bin. Aber ich habe das Gefühl mehr mitbekommen zu haben als Frau Schneeberger. Super Boom bezog sich meiner Meinung nach nicht auf den neuen James Bond, der ja auch nicht viel mit Brosnan zu tun hat, sondern auf eine Sonarbombe die von England entwickelt wurde um "feindliche" U-Boote aufzuspüren und nebenbei Wale und andere empfindliche Lebewesen tötet. Wenn sich dann ein Prominenter wie Brosnan für die Wale einsetzt ist das auf jeden Fall positiv und hat keinen sarkastischen Namenszusatz verdient. Wer Galas nicht mag sollte einfach nicht einschalten. Ich musste auch oft schmunzeln und halte so eine Veranstaltung nicht länger als zehn Minuten am Stück durch. Cordula Stratmann hat bereits den Job übernommen um als Preisträgerin die Veranstaltung (zurecht) etwas ins lächerliche zu ziehen.