Von Interview: Christopher Keil

Für Männer in seinem Alter blieben nicht mehr viele Rollen außer dem blinden Klavierlehrer. Götz George spricht über den "Novembermann" und wie wichtig es ist, gut gelebt zu haben.

Der Schauspieler Götz George, 69, lebt auf Sardinien, in Berlin und Hamburg. Im September erhielt er für sein Lebenswerk den Ehrenpreis des Deutschen Fernsehpreises. Populär wurde George als Duisburger TV-Kommissar Horst Schimanski, heute steht er für eindringlichere Rollen wie den blinden Klavierlehrer in dem Liebesfilm Der Novembermann (Mittwoch, ARD, 20.15 Uhr).

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Götz George bei Dreharbeiten im Oktober 2007. (© Foto: ap)

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SZ: Herr George, Sie haben den Novembermann gewissermaßen zum Westdeutschen Rundfunk getragen. Das ist nicht der gewöhnliche Weg.

Götz George: Das Buch lag zwei Jahre bei mir. Ich habe so ein System. Nach einem halben Jahr schaue ich, was sich angesammelt hat an Stoffen. Wenn der Berg die Höhe eines Meters überschritten hat, rutscht er ab, weil die Drehbücher heute in Kunststoff eingefasst sind. Und dann muss ich aussortieren: Was kann ich wegschmeißen, und was ist noch offen. Der Novembermann war noch offen.

SZ: Und Gebhard Henke, der Fernsehspielchef des WDR, hat sofort zugesagt?

George: Der WDR ist ja mein Haussender, und die sagten: Machen wir.

SZ: Der Autor hat die Geschichte zunächst fürs Radio geschrieben. Vielleicht schreckte die Hörspiel-Vorlage ab?

George: Ich weiß nicht, warum die Bücher immer auf die lange Bank geschoben werden. Das ist so, als ob da eine künstliche Verstopfung vorliegt. Henke sagte mir damals: Toll, dass du mich überzeugt hast.

SZ: Sie genießen offenbar Privilegien.

George: Es hat wahrscheinlich mit meinem Alter zu tun, dass ich bei den Herren anklopfen darf. Ich habe ihnen ja auch nie Schlechtes angeboten.

SZ: Hat Sie an der Rolle des Novembermannes gereizt, dass er blind ist?

George: Nee. Zuerst einmal muss ich doch Rollen finden, die meinem Alter entsprechen. So viel gibt's für uns Herrschaften ja nicht.

SZ: Sie trugen dunkle Kontaktlinsen und waren damit blind. Hat Ihnen das geholfen?

George: Ich habe viele Kollegen gesehen, die Blinde gespielt haben, und die meisten hatten nur aufgerissene Augen und einen weißen Stock. Blinde zu spielen, ist ja Mode geworden.

SZ: Es hat Ihnen folglich geholfen, nichts zu sehen?

George: In meinem Fall war das wichtig. Der Henry, so heißt er, ist zwar blind, aber auch aufsässig. Er ist lustig, musisch, da passiert was. Ich wollte wissen, was der Typ für einen Schaden hat. Und dann sah ich natürlich die Insel nicht mehr, Sylt, auf die ich mich gefreut hatte. Die anderen schwärmten von den Sonnenuntergängen, und ich sah schwarze Schatten.

Auf der nächsten Seite erzählt George von seinem Tagebuch.

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