Da der Verkauf unter dem Ladentisch auch für museale Notfälle ein Bußgeld von 50 000 Euro für den Händler nach sich ziehen kann, richten sich die Museumstechniker auf illegale Einfuhren ein. Schon die Pflege eines einzigen Lichterketten-Kunstwerks von Félix González-Torres oder eines Karussells von Carsten Höller benötigt bei einer durchschnittlichen Lebensdauer der "Hitzestrahler" von 60 bis 80 Tagen Tausende Glühbirnen, damit sie auch in Zukunft ihre natürliche Strahlkraft behalten.

Anzeige

Doch es ist nicht nur die plumpe Form der Kompaktleuchten mit ihrer Zündtechnik im Sockel, die ihren Einsatz wie eine übel misslungene Schönheitsoperation wirken lässt. Das Licht der handelsüblichen Stromsparlampen sei "grässlich", sagt Scheidemann, und der Münchner Lampendesigner Ingo Maurer, der in seiner 40-jährigen Laufbahn als Erfinder künstlerischer Lichtobjekte ein geradezu libidinöses Verhältnis zur Glühlampe gezeigt hat, nennt das Licht der Leuchtstoffbirnen "tot, gleichgültig und total leer". Er sei "sehr zornig" über diese "Unverschämtheit" und organisiert gerade eine Protestbewegung für den Erhalt dieses "Kulturguts".

An dieser Front stünde auch der Hamburger Lichtplaner Peter Andres, der die heftigen subjektiven Reflexe auf das Leuchtstofflicht mit Fakten untermauern kann. Im Gegensatz zum kontinuierlichen Farbspektrum von Temperaturstrahlern wie der Sonne und der Glühlampe besteht normales Leuchtstofflicht nämlich nur aus drei intensiven Farbsegmenten, deren Mischung dem Auge ein Weiß vorgaukeln - sozusagen ein Regenbogen, der nur aus Rot, Gelb und Blau besteht.

Neben den vielen bekannten Argumenten gegen die Energiesparlampe - der hohe Quecksilberanteil, die fehlende Wiederverwertbarkeit, der zweifelhafte Energievergleich, der sich nur an Wattzahlen, aber nicht an Wirkungsgraden orientiert - ist im Ausstellungsrahmen vor allem die falsche Farbwiedergabe ein Problem. Denn auch Künstlerfarbe reflektiert nur das Spektrum, mit dem es bestrahlt wurde - ein Effekt, den jeder kennt, der schon mal im Laden eine braune Jacke gekauft hat, die dann bei Tageslicht olivfarben aussah. "Wir würden nie auf die Idee kommen, in einem Kunstmuseum das Lichtspektrum einer Kompaktleuchtstoffröhre einzusetzen", sagt Andres, "außer, der Künstler hat sein Bild in diesem Licht gemalt und besteht auf adäquater Wiedergabe."

Dennoch sehen Museumstechniker Leuchtstofflampen keineswegs nur als Fluch. Leuchtstoffmittel sparen in einem Museum wie der Hamburger Kunsthalle Energiekosten im fünfstelligen Bereich ein, weil die Lampen kaum Wärme abstrahlen. Außerdem schützt das kalte Licht viele Werke besser. Gelbe Kabel, bröselnder Beton, wellige Dias und andere Hitzedefekte durch Glühbirnen lassen sich mit Niedrigwattbeleuchtung verhindern. Techniker wie Ralf Suerbaum sehen das Verbot aber auch sportlich: "Es motiviert, nach neuen Lösungen zu suchen." 50 verschiedene Leuchtmittel hat Suerbaum in der Kunsthalle im Einsatz, um die Vor- und Nachteile der verschiedenen Formate flexibel kombinieren zu können. Und auch die Industrie bemüht sich um eine Weiterentwicklung der LED-Technik zu vollwertigen und bezahlbaren Leuchtkörpern.

Ingo Maurer ist da schon weiter. Sein dieser Tage präsentierter Entwurf einer LED-Birne ist äußerlich identisch mit der 130 Jahre alten Glasbirne mit Schraubfassung, wird aber ohne Glühfaden von einem LED beleuchtet, das im Sockel sitzt. Der leere Glaskolben erzählt so vom Verschwinden der Tradition, während die mehrjährige Lebensdauer der LEDs den technischen Optimismus feiert. Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, wäre begeistert gewesen.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Dealer gesucht
  2. Sie lesen jetzt Tot, gleichgültig und total leer
Leser empfehlen 

(SZ vom 24.7.2009/jeder)