Der berühmte Sänger und Komponist Gilberto Gil tritt als brasilianischer Kulturminister zurück - um sich wieder seiner Musik zuzuwenden.

Der brasilianische Musiker Gilberto Gil ist von seinem Amt als Kulturminister zurückgetreten. Wie der 66-jährige Komponist und Sänger am Mittwoch in der Hauptstadt Brasilia bekannt gab, wolle er sich in Zukunft wieder verstärkt seiner Musik und seiner Familie widmen.

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Will lieber singen statt Reden schwingen: Gilberto Gil. (© Foto: AFP)

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Gil gilt seit drei Jahrzehnten als einer der wichtigsten Künstler Brasiliens und ist darüber hinaus auch in Europa, den USA und Japan bekannt.

Seit seiner Ernennung zum Kulturminister 2003 hatte er bereits zwei Mal seinen Rücktritt angeboten, erst jetzt hat Präsident Luiz Inacio Lula da Silva zugestimmt. Am Donnerstag soll nach Regierungsangaben der bisherige Exekutivsekretär Gils, Juca Ferreira, zu seinem Nachfolger ernannt werden.

Der mehrfache Grammy-Gewinner Gil war einer der dienstältesten Minister Lulas. Er bekleidete das Amt des Kulturministers seit Beginn der ersten Amtszeit des Staatspräsidenten und war das berühmteste und ungewöhnlichste Mitglied der Mitte-links-Regierung.

Seine politischen Ansichten als Kulturminister waren teilweise umstritten, so trat er für die Legalisierung bestimmter Drogen und kostenlose Musik-Downloads im Internet ein.

"Ich wollte schon seit dem Ende des ersten Mandats aufhören. Ich fühlte, dass meine Arbeit getan war. Außerdem wuchs der Druck seitens meiner privaten Aktivitäten immer mehr", begründet der Musiker nun seinen Ausstieg aus der Politik.

Auch als Minister war Gil mehrfach auf Tournee gegangen, brauchte hierfür allerdings stets die Genehmigung von Präsident Lula. "Ich wurde deshalb oft kritisiert, aber meine Arbeit an der Spitze des Ministeriums spricht für sich", sagte Gil, der seine politische Karriere 1989 als Stadtrat in seiner nordöstlichen Heimatstadt Salvador begann.

Im vergangenen Oktober wurde Gilberto Gil an den Stimmbändern operiert und soll damals gesagt haben, er habe seine Stimme trainiert, "um zu singen, nicht um Reden zu halten".

Der 66-jährige Gil nahm mehr als 40 Platten auf, die von Bossa Nova überTropicalismo bis hin zu Funk und Soul alles umfassen. "Man kann auf viele Arten Musik machen", sagte er einmal. "Ich mag am liebsten alle."

In den 60er Jahren war Gil Mitbegründer und einflussreicher Vertreter der Tropicalismo-Bewegung, die Bossa Nova mit Rock- und Popmusik verband. Der junge Musiker kritisierte in seinen Texten die unter der brasilianischen Militärdiktatur (1964-85) herrschenden Zustände und musste als Regimegegner 1968 zwei Monate ins Gefängnis und anschließend bis 1972 ins Londoner Exil.

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(sueddeutsche.de/dpa/afp/ap/mst)