Midler:Und die Frage war nicht: Soll ich Feministin werden? Das war was für reiche Mädchen an der Universität. Die Frage war: Wie zur Hölle komme ich an Geld?

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SZ:Kakerlaken . . .

Midler:Nachts hat man sie gehört . . . Krrrp, krrrp, krrrp!

SZ:Sind Sie auf Jagd gegangen?

(Sie steht auf, zieht ihre Schuhe aus, rast mit außergewöhnlich zarten Füßen durch die Suite, haut mit den Schuhsohlen gegen die Wand.) Zack! Und hier! Zack! Und hier! Zack! Stirb, Scheißkakerlake! Ich werde euch alle hinter mir lassen!)

SZ:Tolle Füße.

Midler:Was?

SZ:Sie haben tolle Füße.

Midler:(Sie ruft in den Flur raus.) Habt ihr das gehört, ihr rauen Seelen? Ich habe tolle Füße! Sie Engel! Wo waren wir . . .

SZ:. . . man kann sagen: Sie haben den amerikanischen Traum gelebt, oder?

Midler:Ich bin der Beweis, dass man zwischen Kakerlaken aufwachsen kann, und dass man trotzdem später zum Dinner mit dem Präsidenten im Weißen Haus sitzt. Das Schöne an Amerika ist, dass wir ein sehr durchlässiges Land sind, dass die sozialen Schichten durchlässiger sind als in Europa, oder?

SZ:Sie sind dann doch recht politisch, oder?

Midler:Na, seit ich 45 oder 50 bin. Seitdem bin ich vielleicht auch eine Art Feministin. Weil mir erst in diesem Alter ein Licht aufging, dass es Männer gibt, die Frauen gegenüber kalt ihre Macht ausspielen.

SZ:Ich bin sicher, Sie reden nicht von Ihrem Mann. Sie sind seit bald 25 Jahren mit dem deutschen Künstler und Fotografen Martin von Haselberg verheiratet.

Midler:Nein, ich rede nicht von Martin. Ich liebe ihn jeden Tag mehr. Er ist ein hinreißender Künstler und ein absolut wundervoller Mann. Seine soziale Kompetenz überragt übrigens die meine sehr weit!

SZ:Auch eine langjährige Ehe ist eine Art von politischer Leistung, oder?

Midler:Absolut . . . Aber wer will allein sein?

SZ:Da fliegen auch mal die Tassen, was?

Midler:Ich will Ihnen was sagen: Martin und ich haben eines Tages beschlossen, dass wir uns zu sehr lieben, um uns zu streiten.

SZ:Wann war das?

Midler:Im zwölften Jahr unserer Ehe? Ja, so circa nach zwölf Jahren haben wir wirklich unseren Frieden miteinander gemacht.

SZ:Wie äußert sich das?

Midler:Das äußert sich zum Beispiel dadurch, dass er still den Kopf schüttelt, wenn er der Meinung ist, dass ich Unsinn rede. Ich sehe das dann manchmal . . . Durch ein Fenster! Oder im Spiegel!

SZ:Großartig! Hat er denn Anlass, Ihnen zu unterstellen, dass Sie Unsinn reden?

Midler:Ich denke, dass es dazu immer wieder mal Anlässe gibt. Ja . . . Sagen Sie, was ist eigentlich mit Ihren Fachfragen?

SZ:Ah . . .

Midler:Sie haben gesagt, Sie hätten Fachfragen.

SZ:Hier: wie schont man eine so sensible Stimme, wenn man einen mehrjährigen Vertrag in der Wüste erfüllen muss?

Midler:In der Tat eine Fachfrage! Also: wie Sie wissen hat meine Vorgängerin Celine Dion im Caesars Palace fünf Jahre gespielt. Und sie war so lieb, mir ihre Luftfeuchtigkeit zu hinterlassen.

SZ:Wie habe ich mir das vorzustellen?

Midler:Ein hochkompliziertes System aus Wasserdampf! In der Garderobe sind es, glaube ich, 90 Prozent Luftfeuchtigkeit, auf der Bühne 80 Prozent Luftfeuchtigkeit - oder umgekehrt, ich weiß es nicht. Celine hat ihre Stimme in Vegas nicht ruiniert, also werde meine auch nicht ruinieren. Wenn Sie in Vegas sind, kommen Sie vorbei und sagen Sie ,Hallo', okay? Dann zeige ich Ihnen das faszinierendste Luftbefeuchtungssystem der Welt!

SZ:Okay, dann die zweite Fachfrage: Der Schwulenclub in New York, in dem Ihre Karriere begann . . .

Midler:. . . The Continental Baths!

SZ:Ja. Was hatte der Name zu bedeuten?

Midler:Oh, ich habe keine Ahnung.

SZ:Hatte das was mit Continental Breakfast oder so zu tun?

Midler:Hm, nein . . . ich glaube, es war einfach so eine Name. Es war ein Riesenclub, und es gab da alles, ein Diner, einen Friseur, ein Gym für die tollen Muskeln, eine Bühne natürlich, auf der ich meine Lieder schmetterte - ein Dampfbad und derlei, nicht wahr? Eine Sauna auch.

SZ:Ist Ihnen das nicht zu bunt geworden?

Midler:Nein, nein . . . es war ganz manierlich.

SZ:Okay.

Midler:Wissen Sie, was ich komisch finde?

SZ:Nein.

Midler:Ihre Fachfragen hatten beide mit hoher Luftfeuchtigkeit zu tun!

Bette Midler, 62, wuchs auf Hawaii auf und gilt seit den frühen 70er Jahren als eine der besten Entertainerinnen in den USA. "Good, better, best: Bette" schrieb die New York Times über die Komödiantin, Sängerin und Tänzerin. Ihre Kino-Karriere begann 1979 mit dem traurigen Film "The Rose", in dem sie, angelehnt an das Leben Janis Joplins, eine scheiternde Sängerin verkörpert. Furore machte sie z.B. auch als entführte Mrs.Stone in der Komödie "Ruthless People". Derzeit ist Bette Midler in Las Vegas in der gefeierten Show "The Showgirl Must Go On" zu sehen, einer spektakulären Revue, in der sämtliche Mythen des Entertainments durch den Kakao gezogen werden. Als Sängerin glänzt sie zudem auf der CD "The Best Bette", einer Zusammenstellung ihrer größten Songs, die jetzt bei Warner erschienen ist. Bette Midler lebt mit ihrer Familie in New York, Los Angeles und Las Vegas.

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(SZaW vom 27./28.09.2008/sst)