Geschäftsmodell von Spotify Halber Boykott

Spotify verliert einen prominenten Künstler, allerdings nur zum Teil: Thom Yorke, Lead-Sänger bei Radiohead, hat sein Soloalbum aus dem Angebot des Streamingdienstes zurückgezogen. Die Werke seiner Band sind dort aber noch zu finden. Der Sänger beklagt die geringe Beteiligung der Musiker an den Einnahmen Spotifys.

Von Joachim Hentschel

Thom Yorke, Sänger der englischen Rockband Radiohead, hat am Montag erneut die schlechten Verdienstmöglichkeiten junger Musiker im Internet kritisiert - und setzte gleich ein Zeichen für den per Twitter verbreiteten Protest: Der Streamingdienst Spotify musste nach Anordnung von Yorkes Management dessen Soloplatte "The Eraser" sowie das Album seines Nebenprojekts Atoms For Peace aus seinem Programm löschen.

Spotify, eine in Stockholm ansässige Firma, lässt seine derzeit angeblich mehr als sechs Millionen Kunden gegen einen kleinen Monatsbeitrag unbegrenzt circa 20 Millionen Songs hören.

Die Musiker erhalten pro Stream nur Bruchteile von Centbeträgen, was Yorke in seinem Beitrag beklagt: "Neue Künstler, die ihr bei Spotify entdeckt, gehen leer aus, während die Aktionäre bald die große Kohle einstreichen."

Das Erlösmodell ist schon länger umstritten: Gruppen wie Led Zeppelin und AC/DC haben ihr Repertoire bis heute nicht freigegeben, diverse kleinere Künstler verließen den Dienst nach einiger Zeit frustriert.

Auf ähnlich funktionierenden Plattformen wie Ampya und Juke war Yorkes Musik aber auch am Montagnachmittag weiterhin erhältlich. Die Werke seiner Band Radiohead blieben auch bei Spotify weiterhin stehen.

Die umstrittene Firma selbst kommentierte den halben Boykott vorerst nicht - die jüngsten veröffentlichten Geschäftszahlen hatten jedoch auch bei Spotify einen Jahresverlust von rund 60 Millionen Dollar ausgewiesen.