Nachbarschaftlicher Zufall brachte ihn in Berührung mit Roger Melis, dem großen DDR-Fotografen, dem einzigen, dem das Regime eine gewisse Mondänität zu gestand. Ein weiterer Zufall spielte ihm eine Kamera in die Hände, die seiner Schwester geschenkt worden war. Damit, bald geschult an klassischen Fotobänden etwa August Sanders oder Henri Cartier-Bressons, auf die Melis den Jungen hinwies, begann er Auge und Hand zu trainieren, an der ihm vertrauten Umgebung in jenem melancholisch verfallenden, schwer zu kontrollierenden Häuserriff zwischen Greifswalder Straße und Schönhauser Allee, das sich seit den siebziger Jahren von einem altmodischen Arbeiterbezirk in ein von allerlei Subkulturen besiedelten Biotop der Bohème verwandelte.

Bild: Lehmstedt Verlag 11. Juli 2011, 17:352011-07-11 17:35:11 © SZ vom 12.7.2011/pak