Von Hans Leyendecker

Grönemeyer und Afrika: Wie ein internes Protokoll zum G-8-Gipfel in der Pop-Szene für Aufregung sorgt - und warum dem Musiker die Kanzlerin "eher suspekter" geworden ist.

Dass Politiker und Pop-Musik nicht zusammenpassen, hat der Rockstar Herbert Grönemeyer in verschiedenen Varianten immer wieder gesagt. Jetzt sieht er sich in seiner Einschätzung bestätigt.

Grönemeyer; dpa

Herbert Grönemeyer: Kämpft für Afrika (© Foto: dpa)

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Am Montag hatte die Süddeutsche Zeitung Auszüge eines fünfseitigen vertraulichen Protokolls ("Verschlusssache - Nur für den Dienstgebrauch") veröffentlicht, das der "Sherpa" der Kanzlerin, Staatssekretär Bernd Pfaffenbach, über ein Vorbereitungsgespräch zum G-8-Gipfel in Heiligendamm verfasst hatte.

Pfaffenbach hatte manches über Weltpolitik geschrieben und war dann auf ein Treffen von Angela Merkel mit dem Afrika-Aktivisten Bob Geldof eingegangen.

Geldof hatte die Kanzlerin neulich für Bild interviewt und mehr Hilfe für Afrika verlangt. Dazu findet sich in dem Pfaffenbach-Vermerk auf Seite zwei unten die Passage: "Für den Gipfel will Bundeskanzlerin ankündigen, dass Deutschland 750 Millionen Euro in den Haushalt 2008 einstellt."

Bob Geldof "habe ihr versichert, dass bei einem solchen Schritt er persönlich auf Kritiker wie Herbert Grönemeyer Einfluss nehmen werde, um deren Kritik zu mäßigen".

Aufregung in Musikerkreisen

Dieses Zitat verursachte in der Pop- und Rockszene, aber auch in Teilen der Politik einige Aufregung. Geldof bestreitet die von Pfaffenbach in dem Protokoll wiedergegebene Aussage: Jeder, der Grönemeyer kenne, wisse, dass dieser unbestechlich sei. Sich vorzustellen, dass "Herbert zu irgendetwas gebracht werden soll, was er nicht will", sei "lächerlich".

Grönemeyer hält den "Vorgang für bezeichnend und ungeheuerlich. Selbst, wenn es um eine gute Sache geht, zeigt es, mit welchen Mitteln Politiker arbeiten, um Kritiker ruhigzustellen. Wenn der Sachverhalt so stimmt, kann ich sagen: Bisher hat noch niemand versucht, mich einzunorden und sollte es auch nicht wagen. Denn unsere Kritik braucht nicht gemäßigt zu werden, weil sie nicht maßlos ist, sondern völlig berechtigt".

Am 7. Juni treten Geldof, Bono von U2 und Grönemeyer in Rostock bei einem Konzert auf. Bei dem Engagement für Afrika, sagt Grönemeyer, arbeite er mit den Kollegen "zusammen an einem gemeinsamen Thema, aber wir sind in der Art des Vorgehens und darüber, wie man seine Ziele erreicht, zum Teil auch sehr verschiedener Ansicht. Wir gehören nicht einem Klub an".

Grönemeyer hat in der Vergangenheit gesagt, er rede nicht mit Politikern. Diese "Hinterzimmeraktion", stellt er jetzt fest, mache ihm "Frau Merkel nicht sympathischer, eher suspekter".

Geldof hält die Ankündigung, 750 Millionen Euro zusätzlich für Afrika in den Haushalt einzustellen für eine "gute Nachricht, aber es ist nicht genug, um Deutschlands Versprechen, den ärmsten Leuten auf dem Planeten zu helfen, zu erfüllen". Es brauche mehr als eine einmalige Zahlung.

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(SZ vom 5.6.2007)